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21. Februar 2012

Unep-Jahrestagung in Nairobi: Dramatischer Appell an die Weltwirtschaft

 Von Joachim Wille
Der brasilianische Regenwald im Bundesstaat Sao Paulo.  Foto: dpa

Umweltforscher wollen die Berechnung von Wohlstand und Wachstum neu definieren. Der schleichende Niedergang von Ökosystemen soll mit in die Berechnung des Wohlstandes einfließen und die bisherige Mess-Methode, das Bruttosozialprodukt, ergänzen.

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Umweltforscher wollen die Berechnung von Wohlstand und Wachstum neu definieren. Der schleichende Niedergang von Ökosystemen soll mit in die Berechnung des Wohlstandes einfließen und die bisherige Mess-Methode, das Bruttosozialprodukt, ergänzen.

Die globale Umweltkrise spitzt sich nach Analysen des UN-Umweltprogramms (Unep) weiter zu. Doch der schleichende Niedergang von Ökosystemen wie der tropischen Regenwälder, der Böden oder der Ozeane schlägt sich nicht in der üblichen Berechnung des Wohlstandes der Nationen nieder. Führende Umweltforscher und Ökonomen fordern daher, die bisherige Methode zur Wohlstandsmessung, das Bruttosozialprodukt, abzulösen und zu ergänzen.

Neue Indikatoren

Das Bruttosozialprodukt wird schon lange als Wohlstandsindikator kritisiert. Es misst nur die Warenproduktion und Dienstleistungen, die auf dem Markt angeboten werden. Der Wert etwa von Hausarbeit oder Kindererziehung fließt nicht ein. Zudem werden Umweltkosten nicht oder falsch berücksichtigt. Schäden an Ökosystemen werden nicht berücksichtigt, oder, wenn eine Sanierung erfolgt, sogar positiv eingerechnet.
Es gibt mehrere Ansätze, das offenkundige Manko zu beheben. Unter dem Stichwort „Grünes BIP“ wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um den Verlust der Naturressourcen korrigiert. Weiter gehen Indikatoren wie der „Index of Sustainable Economic Welfare“ (ISEW) und der „Genuine Progress Indicator“ (GPI). Der ISEW berücksichtigt auch etwa die Verteilung der Einkommen und die unbezahlte Hausarbeit.

Auf der Unep-Jahrestagung, die am Montag in Nairobi begann, richtete die Gruppe einen dramatischen Appell an die anwesenden Umweltminister aus allen Erdteilen. Das bisherige Wirtschaftssystem sei „kaputt“, sagte der Umweltberater der britischen Regierung, Professor Bob Watson aus Norwich. „Es bringt der Menschheit eine Zukunft, die drei bis fünf Grad wärmer ist, als sie es bisher erlebt hat“, sagte der frühere Chef des Weltklimarats IPCC. Damit werde die ökologische Basis für die Gesundheit und Wohlstand für die sieben Milliarden Menschen gefährdet.

Verluste aus der Vernichtung von Wald sind höher als die aus der Finanzkrise

Wie verzerrt der „Wohlstand“ üblicherweise dargestellt wird, zeigt das Beispiel „Waldnutzung“ aus dem von Unep jetzt vorgelegten neuen Welt-Umweltbericht „Geo 5“ − der Bibel der globalen Öko-Bilanzierung. Darin heißt es: „Die Verluste durch Vernichtung und Übernutzung von Wäldern sind höher als diejenigen, die die Weltwirtschaft durch die Finanzkrise 2008 erlitten hat.“ In den Berechnungen zum Bruttoinlandsprodukt tauchen erstere aber gar nicht oder nur indirekt auf. Das Fazit: Das Wirtschaftswachstum steige „auf Kosten der natürlichen Ressourcen und der Ökosysteme“, heißt es in dem Report, der von mehreren hundert Wissenschaftlern erstellt wurde.

Ein anderes Beispiel sind laut UN-Umweltprogramm die zunehmend intensiv und nicht nachhaltig genutzten Agrar-Böden. Fast ein Fünftel der weltweiten Landfläche sei binnen der letzten 25 Jahre beeinträchtigt worden. Teilweise liege die Bodenerosion extrem hoch. Es gebe Fälle, in denen „mehrere hundertmal mehr Boden verloren geht als sich natürlicherweise neu bildet“.

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