Berlin. Die gesetzliche Rente sowie die Altersversorgung der Beamten dämpfen nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) die Ungleichheit in Deutschland in einem beachtlichen Ausmaß, ohne allerdings für eine ausgewogene Verteilung zu sorgen. Um so mehr drohe durch die Leistungskürzungen der Rentenreformen in den vergangenen Jahren eine schärfe soziale Spaltung in der Zukunft, warnen die Wissenschaftler.
Erstmals hat das DIW nicht nur den Geld- und Sachbesitz, also Bankkonten und Wohnimmobilien, in die Vermögensmessung einbezogen, sondern auch Pensionsansprüche und Rentenanwartschaften. Daraus ergeben sich geringere Unterschiede als bei der herkömmlichen Betrachtung.
Gut ein Viertel der Bevölkerung allerdings konnte im Jahr 2007 auf keinerlei Rücklagen zurückgreifen oder war sogar verschuldet. Den weniger wohlhabenden 70 Prozent gehörten weniger als neun Prozent aller Geld- und Sachwerte. Dagegen verfügte das reichste Zehntel über mehr als 60 Prozent.
Weniger krass fallen die Unterschiede bei den Alterssicherungssystemen aus. Denn hier haben fast alle Erwachsenen Ansprüche erworben. Zudem sind die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung gedeckelt. Selbst Spitzenverdiener zahlen nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze ein, was ihre Forderungen an die gesetzliche Rente limitiert. Umgekehrt kommt laut DIW selbst die die ärmere Hälfte der Bevölkerung auf nennenswerte Renten- und Pensionsansprüche - im Durchschnitt zwischen 40.000 und 50.000 Euro.
Sorge bereiten den DIW-Forschern die Aussichten für die Vermögensverteilung. "Die dämpfende Wirkung des Alterssicherungsvermögens wird künftig wohl an Bedeutung verlieren", meint Joachim Frick, einer der beiden Autoren der Studie. So drückten die Rentenreformen die Versorgungsniveaus, ebenso die zunehmenden Lücken im Erwerbsverlauf durch Arbeitslosigkeit. Zugleich beobachtet Co-Autor Markus Grabka bei der privaten Altersvorsorge eine starke Polarisierung. Die Vermögendsten legten besonders viel zurück, während die Menschen am unteren Ende der Einkommens- und Vermögensskala kaum privat vorsorgten.
"Geringverdiener dürften künftig bei der Vermögensbildung also noch stärker zurückfallen als heute", erwartet Grabka. Vor allem Langzeitarbeitslose bauten so gut wie kein Vermögen auf. "Man muss deshalb davon ausgehen, dass die Vermögensungleichheit auch bei der Alterssicherung zunimmt und wir auf mehr Altersarmut zusteuern", so Grabka.
Auffallend gut gestellt sind die Beamten. Ihre gegenwärtigen Pensionsansprüche erreichen im Schnitt rund 300.000 Euro. Das ist mehr als doppelt so viel wie bei den Angestellten und Arbeitnehmern, die dauerhaft beschäftigt sind und daher besonders viel in die Rentenkasse einzahlen. Beamten seien doppelt privilegiert, meint Grabka. Zum einen müssten sie keine eigenen Beiträge für die Altersvorsorge entrichten. Zum anderen überträfen ihre Pensionen die gesetzliche Rente deutlich. Ihre Ansprüche richteten sich nicht nach dem Lebensarbeitseinkommen, sondern orientieren sich an der letzten Gehaltsstufe vor der Pension. Die Politik müsse prüfen, ob dies heute noch gerechtfertigt sei, sagt Grabka.
Mit der Studie im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung wollte das DIW Lücken im Wissen von der tatsächlichen Vermögensverteilung schließen. So klammern die gängigen Vergleiche aus, dass viele Selbstständige keine Ansprüche an die Rentenkassen haben. Die hohen Vermögen dieser Bevölkerungsgruppe relativieren sich etwas, wenn man ihren besonderen Vorsorgebedarf berücksichtigt.
Allerdings weist das DIW auch darauf hin, dass sich Ansprüche an Rentenkassen auch in vielen Punkten von echtem Vermögen unterscheiden: Anders als Häuser oder Aktien können sie beispielsweise nicht verkauft oder vererbt werden. Insofern ist Zurückhaltung bei der Interpretation dieser Daten geboten.
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