Istanbul/Bonn. Postchef Frank Appel will den Streit über eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die 80.000 Briefträger keinesfalls eskalieren lassen. "Es wird keine Konfrontation mit der Gewerkschaft Verdi geben. Deshalb haben wir bis zur Lösung des Problems 1000 Teilzeitkräfte eingestellt", sagte Appel der Frankfurter Rundschau in Istanbul.
Da zusätzliche Kontingent an Servicepersonal der Deutschen Post bleibe wenigstens so lange im Einsatz, bis alle Schwierigkeiten beseitigt sind. Sollte sich nach genauer Prüfung der Kritikpunkte herausstellen, dass tatsächlich mehr Stellen besetzt werden müssen, wolle sich der Konzern nicht dagegen sperren. Die von der Gewerkschaft geforderte Zahl von rund 10.000 neuen Zustellern hält Appel jedoch für deutlich überzogen.
Gewerkschaft und Unternehmen müssten vielmehr gemeinsam an einem Strang ziehen, Zustellungssicherheit zu gewährleisten und die beruflichen Belastungen für Postboten gering zu halten. In jüngster Zeit war es vermehrt zu Klagen der Beschäftigten über unzumutbare Arbeitsbedingungen und zu Beschwerden der Kunden über immer unpünktlichere Zustellungen gekommen.
Daran trage die Gewerkschaft aber auch selbst einen Teil der Schuld, denn die habe einem Tarifvertrag zugestimmt, der eine "Verdichtung der Arbeitszeit von Briefträgern" zulasse, so Appel weiter. Auch eine flexiblere Arbeitszeitenregelung sei von Verdi bislang nicht akzeptiert worden.
Eine Trennung vom lukrativen Briefgeschäft in Deutschland kommt für den Postchef nicht in Frage. "Unter meiner Führung wird es so etwas nicht geben", versicherte er. Der Verkauf von Postbank-Aktien an die Deutsche Bank und der schnelle Rückzug aus dem inneramerikanischen Expressgeschäft lasse nicht darauf schließen, dass als nächstes das Briefgeschäft aufgegeben werde: "Im Gegenteil, denn auf diesem Feld kommt an uns keiner vorbei".
Die Sparte Brief bringt der Deutschen Post einen jährlichen Umsatz von elf Milliarden Euro und einen soliden Gewinn von etwa zwei Milliarden Euro.
Eine eigene Gratiszeitung der Deutschen Post wird es nicht geben. Appel bestätigte zwar Verhandlungen mit Verlegern, aber keine Eigen-İnteresse des gelben Riesen an einem solchen Projekt. "Eine Gratiszeitung für Deutschland wird zweifelsohne einmal kommen, die Frage ist nur: wann?"
Sollte ein Verleger den Mut haben, die Auflage von 30 Millionen zu drucken, würde die Deutsche Post diese Exemplare natürlich gerne zu den Briefkästen bringen.
Nach dem ersten Schreckensjahr der Deutschen Post seit ihrem Börsengang will Frank Appel im Bilanzjahr 2009 wieder schwarze Zahlen schreiben. Allerdings nur dann, wenn der grössere Teil der drei Milliarden Euro Abschreibungen, etwa für das aufgegebene Expressgeschäft in den USA, bereits 2008 verbucht wird.
Auch im operativen Geschäft sieht Appel für das kommende Jahr wieder Gewinnchancen, die jedoch mit der Entwicklung der Weltwirtschaftslage eng verknüpft seien.
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