Bei der Sicherheit von Elektrogeräten gilt Deutschland als weltweit führend. Darauf ist VDE-Chef Hans Heinz Zimmer ziemlich stolz. Denn sein Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informatik vergibt seit 90 Jahren das bekannte dreieckige VDE-Zeichen, das garantiert, dass ein Produkt die strengen Kriterien des VDE-Prüfinstituts erfüllt.
Jetzt allerdings geht der Verband in die Offensive. "Auch in Deutschland sind zu viele unsichere Plagiate und Billigprodukte auf dem Markt", kritisiert VDE-Experte Bernd Franke. Kurzschlüsse, durchgebrannte Kabel, defekte Stecker - solche gefährlichen Mängel kennen immerhin 17,4 Prozent der Bundesbürger aus eigener Erfahrung. Das zeigt eine aktuelle Befragung des Instituts Ipsos im Auftrag des VDE. Besonders Föne, Waschmaschinen, Toaster und Herde haben demnach immer wieder gefährliche Macken. Das kann im schlimmsten Fall tödlich enden. "Jedes Jahr sterben 50 Deutsche an einem Stromschlag", warnt Franke.
Mehr als 100000 Produkte nehmen die VDE-Prüfer jährlich unter die Lupe. "Nur jedes zweite neue Gerät kommt auf Anhieb durch den Test", betont Franke. Weltweit überwacht der VDE zudem 7000 Produktionsstätten, mit gut 50 Ländern gibt es Kooperationsverträge.
Gleichwohl steht nicht alles zum Besten. Denn in Europa gibt es, bis auf wenige Ausnahmen wie Medizintechnik und Baumaschinen, keine gesetzliche Prüfpflicht für elektrische Produkte. Das bekannte CE-Kennzeichen kann sich jeder Hersteller einfach selbst ausstellen - was laut VDE nur jeder dritte Verbraucher weiß. Mit dem CE-Zeichen, ohne das kein Gerät verkauft werden darf, erklärt der Anbieter nur, dass sein Produkt den EU-Richtlinien entspricht. "Überprüft wird die Richtigkeit dieser Angaben allerdings von den Behörden allenfalls stichprobenartig", kritisiert Franke.
Gutes Geschäft mit Siegel
Die Kritik scheint berechtigt. Denn jedes Jahr wird die Liste der gefährlichen Produkte in Europa länger, die EU-Behörden regelmäßig erstellen. Das zeigt, in welch trügerischer Sicherheit sich viele Verbraucher wiegen. Bei Kinderspielzeug zum Beispiel legen laut VDE nur 17,7 Prozent der Käufer höchsten Wert auf Sicherheit. Nur jedes fünfte Spielzeug am deutschen Markt wird von unabhängigen Instituten untersucht.
Das VDE-Zeichen ist ebenso wenig vorgeschrieben wie andere Siegel. So sparen sich viele Importeure und Händler eben die Prüfkosten. Denn natürlich arbeitet das VDE-Institut nicht umsonst.
Prüfsiegel sind ein gutes Geschäft. Daher vergeben viele Institute weitere Testate wie das GS-Signet für "geprüfte Sicherheit". TÜV, Dekra und selbst Berufsgenossenschaften erteilen das Testat gegen Bezahlung. In der Branche ist es kein Geheimnis, dass der Wettbewerb sowie unterschiedliche Untersuchungsmethoden und Standards dazu führen, dass manchmal mehr als ein Auge zugedrückt wird.
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