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16. März 2012

Unternehmen : China adé - Firmen kehren nach Deutschland zurück

 Von Jakob Schlandt
 Foto: dpa

In China sind die Löhne billiger, na und? Für viele Firmen entscheiden inzwischen andere Kriterien, in welche Länder sie investieren. Viele kehren deshalb nach Deutschland zurück, und das ist nicht der einzige überraschende Trend.

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Kochlöffel, Abflusssieb und Wäscheständer: Gerade bei einfachen Produkten gingen deutsche Unternehmen lange davon aus, dass die hiesige Produktion den Billiglohnländern hoffnungslos unterlegen ist. Viele Jahre gab es die Angst, Deutschland könne aufgrund der Konkurrenz aus Fernost weite Teile seiner Industrie einbüßen.

China schien bis Mitte des vergangenen Jahrzehnts als verlängerte Werkbank des Westens hochattraktiv. Die Löhne betrugen nur ein Bruchteil des Westniveaus, Ausbildung und Infrastruktur waren einigermaßen konkurrenzfähig. „Offshoring“, der englische Begriff für Arbeitsplatzverlagerungen, war in deutschen Managerkreisen ein beliebtes Schlagwort, zu dem viele Seminare angeboten wurden. Hunderttausende, wenn nicht Millionen Jobs aus Europa gingen an Asien.

Diese Zeiten sind vorbei. Die Jobflucht ist zum Stillstand gekommen – und zum Teil hat sie sich sogar umgekehrt. In der Industrie macht statt Offshoring nun der Begriff „Rückverlagerung“ die Runde. Die Kostenvorteile in China haben sich massiv reduziert, beobachtet der Haushaltswarenhersteller Fackelmann aus dem fränkischen Hersbruck.

China: 20 Prozent höhere Löhne pro Jahr

Etwa 20 Prozent höhere Löhne müssten pro Jahr bezahlt werden. Fackelmann bringt die Produktion deshalb wieder nach Deutschland zurück, vor allem die von einfach herstellbaren Gegenständen, als Beispiel nennt er seine Kochlöffel.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) beobachtete schon zwischen 2007 und 2009, dass die Produktionsverlagerungen ins Ausland „auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren“ gesunken sind.

Die Nachfolgestudie ist zwar noch nicht fertig, doch es zeichnet sich schon ab: Der Trend hat sich wohl noch verstärkt, berichtet ISI-Experte Steffen Kinkel. „Unseren Experteninterviews zufolge, die einen erheblichen Teil der Jobs deutscher Firmen in China abdecken, sind die Zeiten vorbei, in denen Unternehmen nach China gehen, weil dort die Kosten so niedrig sind.“

Qualifizierte Facharbeit ist laut ISI-Experte Kinkel nun nicht mehr um den Faktor Zehn billiger, sondern koste schon jetzt etwa ein Viertel von deutscher Arbeit. Der Trend, deutsche Jobs in asiatische Billiglohnländer zu verlagern, gehe zunehmend zurück. „In China kann man die Gesamtkosten noch etwa um drei bis acht Prozent drücken aufgrund der Löhne. Das ist natürlich kein unerheblicher Wert, er sinkt aber in naher Zukunft weiter, das ist für die Firmen jetzt schon absehbar.“

Logistik ist wichtiger als Billiglöhne

Dafür sind aber nicht nur die steigenden Lohnkosten verantwortlich. „Logistik- und Qualitätsfragen spielen für sie meist eine sehr viel wichtigere Rolle“, sagt Kinkel. Ein Beispiel: Der Seeweg von Ostasien nimmt etwa sechs Wochen in Anspruch – in dieser Zeit ist Kapital gebunden und die Flexibilität sinkt.

„Ein weiteres Phänomen ist, dass die enge Verzahnung zwischen Firmenleitung, Entwicklung und Produktion aufgebrochen wird. Das kann sich negativ auswirken.“

War der Aufbruch nach China also nichts weiter als ein 10 000 Kilometer langer Irrweg? Für einige wohl schon. Kinkel sagt: „Viele Unternehmen haben sich Job-Verlagerungen nach Asien lange Zeit schön gerechnet und zum Teil schlechte Erfahrungen gesammelt. Deutsche Arbeitsplätze nach China zu verlagern, um dort für den Export nach Europa zu fertigen - das hat sich in vielen Fällen nicht gelohnt.“

Auf der nächsten Seite: Als Absatzmarkt ist China weiter wichtig

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