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12. Februar 2016

Unternehmen: Afrikas starke Multis

 Von 
Aliko Dangote, Chef eines Firmenimperiums.  Foto: rtr

Internationale Konzerne investieren immer größere Summen in die Staaten südlich der Sahara - und sehen ihre Marktanteile dennoch schwinden. Verantwortlich für das Phänomen sind afrikanische Multis, die oft wesentlich geschickter auf dem Kontinent agieren.

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Internationale Konzerne wie Nestlé, Diageo oder Unilever haben den Kontinent längst als letzten großen Wachstumsmarkt der Welt ausgemacht und investieren immer größere Summen in die Staaten südlich der Sahara – nur um ihre dortigen Marktanteile in vielen Fällen dennoch schwinden zu sehen. Verantwortlich für das merkwürdige Phänomen sind Konkurrenten, von deren Existenz bis vor kurzem noch kaum jemand wusste: Afrikanische Multis, die in den trügerischen Gewässern des 55-teiligen Kontinents oft wesentlich geschickter als die ausländischen Megapötte navigieren.

In den boomenden kenianischen Zementsektor zum Beispiel haben ausländische Konzerne zwischen 2009 und 2013 mehr als 100 Millionen US-Dollar gepumpt: Ihr Marktanteil ging trotzdem um 15 Prozentpunkte auf gerade noch 40 Prozent zurück. Ein ähnliches Bild zeichnen die Unternehmensberater der „Boston Consulting Group“ für den nigerianischen Fruchtsaftmarkt, in dem 32 Millionen Dollar ausländischer Investitionen im selben Zeitraum zu einem Rückgang des Marktanteils um sechs Prozent führten. Kaum anders in Südafrikas Kosmetikbereich: Dort fiel der Marktanteil nach fast 130 Millionen aus dem Ausland investierten Dollar um immerhin ein Prozent.

Flexiblere Reaktion auf Krisen

Auf anderem Weg kommen die auf Afrika spezialisierten „Dalberg Global Development Advisors“ zu einem ähnlichen Ergebnis. Während der Umsatz großer multinationaler Unternehmen mit westlichen oder asiatischen Firmensitzen in den kargen Jahren nach der Weltwirtschaftskrise 2008 stagnierte oder gar schrumpfte, sei das Geschäft einer Gruppe von Firmen selbst zwischen 2006 und 2009 um jährlich rund 30 Prozent gewachsen: afrikanische Konzerne, die sich allmählich über den ganzen Kontinent ausbreiten. Klang der Begriff „afrikanische Multis“ noch bis vor kurzem wie ein Widerspruch in sich, so haben sich diese Firmen nach Auffassung der Dalberg-Experten zu einer „ernsthaften Kraft in einem der dynamischsten Märkte der Welt“ entwickelt.

Die Rede ist etwa vom Mischkonzern des Nigerianers Aliko Dangote, des reichsten Afrikaners der Welt. Die Dangote Group ist mittlerweile in mehr als zehn afrikanischen Staaten präsent, wo sie vor allem Zement aber auch landwirtschaftliche Produkte wie Zucker, Mehl und Baumwolle herstellt. Ein anderes Beispiel ist der südafrikanische Telekom-Riese MTN, der außer in 17 afrikanischen Staaten auch in Zypern, im Iran und in Afghanistan aktiv ist. Oder die Kenya Commercial Bank, die bereits in sechs ostafrikanischen Staaten Filialen unterhält. Dalberg leistet es sich sogar, nord- und südafrikanische Multis aus ihrer Untersuchung auszuklammern: Die dortigen Staaten bildeten eine Ausnahme, heißt es, weil ihre Volkswirtschaften relativ entwickelt seien und sich viele ihrer Unternehmen schon seit geraumer Zeit über den Erdteil verbreiteten.

Die größten der afrikanischen Multis machen Umsätze von mehr als eine Milliarde Dollar im Jahr, wobei es sich sowohl um Unternehmen aus der industriellen Produktion, dem Ölgeschäft, Tourismus oder um Finanzdienstleister handeln kann. Gegenüber ausländischen Konzernen haben sie auf dem unübersichtlichen Erdteil beachtliche Vorteile: Ihre Chefs kennen die einheimischen Märkte wesentlich besser, wissen alles über die Mentalität ihrer Kunden und können auch die oft verworrenen politischen Umstände vor Ort besser einschätzen. Außerdem reagieren Afrikas Multis auf Krisen flexibler als die ausländischen Supertanker und können schließlich auch noch mit dem Siegel „Made in Africa“ prahlen.

Aufstrebende Banken

Dass es überhaupt zur Entstehung der afrikanischen Konzerne kam, ist nach Auffassung der Dalberg-Experten vor allem zwei Entwicklungen zu verdanken. Dass sich die Demokratie in Afrika immer weiter ausbreitet, und dass deshalb auch das Verhältnis der Regierungen zur Geschäftswelt besser wird. Unternehmen werden in Afrika immer weniger Knüppel in den Weg gelegt: Auch sorgt das erstarkende Bankenwesen dafür, dass aufstrebende Firmen überhaupt an Kredite gelangen. Angesichts der in jeglicher Hinsicht noch weitgehend unterversorgten afrikanischen Konsumenten wird deren Nachfrage wohl kaum zu überschätzen sein: Schon heute leben mehr als eine Milliarde Menschen auf dem Kontinent, und ihre Zahl wächst so schnell wie nirgendwo anders auf der Welt.

Ganz verzagen müssen ihre ausländischen Vorbilder allerdings nicht. Die westlichen Konzerne haben noch immer Pfunde, mit denen sie wuchern können, trösten die Dalberg-Experten: Sie verfügen in der Regel über solide verankerte Markennamen, die aus dem Bewusstsein vieler Afrikaner so schnell nicht auszuradieren sind. Sie wissen außerdem gewaltige Ressourcen hinter sich, die sie auch manche Durststrecke überstehen lassen. Und können smarte Technologie einsetzen, mit der sie effektiver und preisgünstiger produzieren. Weil sich der afrikanische Markt in den kommenden Jahrzehnten beträchtlich vergrößern wird, brauchen sich die westlichen und asiatischen Konzern also kaum Sorgen zu machen.

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