Die Biokraftstoffbranche steht immer wieder massiv in der Kritik für Umweltschäden, die durch den Anbau von Energiepflanzen außerhalb Europas entstehen. Nun drehen die Biosprit-Unternehmen den Spieß um und fordern die europäische Politik auf, Biosprit-Importe aus Ländern vollständig zu stoppen, in denen in großem Stil Urwald gerodet wird.
Biokraftstoffe werden aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen. In der EU entfallen rund drei Viertel der Produktion auf Biodiesel, der meist aus Raps stammt. Ein Viertel ist Bioethanol, der aus Zuckerrüben oder Getreide (Weizen, Roggen oder Mais) gewonnen wird. Energiepflanzen werden auf zwei Prozent der EU-Agrarflächen angebaut - weltweit sind es drei Prozent. Beim Verbrauch im Motor verursachen sie wesentlich weniger Treibhausgase als Öl, Gas oder Kohle.
Der Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB), Elmar Baumann, sagte dieser Zeitung, er verlange von der EU-Kommission, „die Einfuhr von Rohstoffen und Biokraftstoff zu verbieten, wenn klar nachgewiesen ist, dass in den Herkunftsländern Waldschutzgesetze missachtet und wertvolle Biotope vernichtet werden“. Nationale Regierungen, darunter auch die deutsche Politik, sollten das Vorhaben unterstützen.
Laut VDB-Chef Baumann ist das Importverbot auf EU-Ebene rechtlich möglich, wenn sich Bedenken erhärten, dass grundlegende Nachhaltigkeitsanforderungen in den Herkunftsländern missachtet werden. „Dies gilt gleichermaßen für ökologische wie soziale Nachhaltigkeitskriterien – auch wenn pro forma Biokraftstoffe eine Zertifizierung erhalten, aber an anderer Stelle dagegen munter verstoßen wird“, sagte Baumann.
Ein augenfälliges Beispiel sei Indonesien, wo Brandrodungen stattfänden, um zusätzliche Anbauflächen für Palmölplantagen zu schaffen. Die EU-Kommission könne bereits heute bilaterale Verhandlungen mit diesen Ländern aufnehmen und ihre Besorgnis über die Missstände zum Ausdruck bringen. Sollten die Verstöße gegen die nationalen Schutzgesetze dennoch fortdauern, könne die EU Biokraftstoffimporte verbieten.
Statt konsequent die bekannten Risikoregionen zu kontrollieren und Importverbote zu verhängen, werde laut Baumann „die gesamte europäische Biokraftstoff-Branche an den Pranger gestellt und für Umweltschäden verantwortlich gemacht, die außerhalb ihres Einflussbereichs liegen“.
Etwa ein Fünftel des Biosprit-Verbrauchs in der EU wird durch Importe gedeckt. Zusätzlich werden Rohstoffe importiert, die hier verarbeitet werden. Spanien hatte kürzlich alle Biosprit-Importe aus Ländern außerhalb der EU verboten. Argentinien reagierte aber bereits mit einer Beschwerde bei der Welthandelsorganisation WTO. Hintergrund sind Streitigkeiten der beiden Länder wegen der Verstaatlichung spanischer Beteiligungen an Ölfeldern in Argentinien.
Der VDB befürchtet, dass die EU-Kommission keine Zukunft für die Biokraftstoffproduktion in Europa sieht. „Wir haben im Moment den Eindruck, dass die EU-Kommission uns am liebsten den Garaus machen möchte“, sagte er. Kürzlich hatte die EU-Kommission beschlossen, dass in Zukunft höchstens fünf Prozent des Spritbedarfs mit Biokraftstoffen der sogenannten ersten Generation gedeckt werden sollen.
Ab 2020 soll die staatliche Förderung von Biosprit vollständig eingestellt werden. Zusätzlich wurden Kriterien vorgestellt, mit denen der Klimanutzen von Biokraftstoffen bestimmt werden soll. Nach dieser Bewertung spart Biodiesel überhaupt keine Klimagase ein, auch Bioethanol schneidet schlechter ab.
Baumann befürchtet, dass diese Kriterien „mittelfristig das Aus für unsere Branche bedeuten“. Die europäischen Biosprithersteller schnitten aber nur deshalb schlecht ab, weil Urwaldrodungen in Ländern wie Indonesien in die Treibhausgasbilanz von hierzulande produziertem Biosprit hineingerechnet würden. „Das ist absurd. Statt unsere Branche abzuwürgen, müssten Import-Sanktionen gegen die Länder verhängt werden, die massiv abholzen.“
In die von der EU-Kommission positiver bewerteten Biospriterzeugnisse zweiter Generation, zum Beispiel aus Stroh und Abfall, wird laut Baumann kaum investiert werden. „Die EU hat eine derart hohe Rechtsunsicherheit für unsere Branche geschaffen, dass niemand im großen Stil in die Entwicklung und Produktion einsteigen wird.“
Biokraftstoffe werden aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen. In der EU entfallen rund drei Viertel der Produktion auf Biodiesel, der meist aus Raps stammt. Ein Viertel ist Bioethanol, der aus Zuckerrüben oder Getreide (Weizen, Roggen oder Mais) gewonnen wird. Energiepflanzen werden auf zwei Prozent der EU-Agrarflächen angebaut - weltweit sind es drei Prozent. Beim Verbrauch im Motor verursachen sie wesentlich weniger Treibhausgase als Öl, Gas oder Kohle.
Laut VDB durchläuft die Biodieselbranche in Deutschland eine wirtschaftlich schwierige Phase. Baumann sagte, die Biodieselanlagen seien im Durchschnitt aktuell nur zur Hälfte ausgelastet und weitere Werksschließen damit unvermeidlich. Der Absatz von Biodiesel stagniert laut den aktuellen VDB-Zahlen in Deutschland 2012, „der Verkauf von Ethanol aus pflanzlichen Rohstoffen ist einer ersten Hochrechnung zufolge in diesem Jahr lediglich von 1,24 Millionen Tonnen auf 1,25 Millionen Tonnen gestiegen“.
Die Benzinsorte E10 mit erhöhtem Ethanolanteil habe sich nur wenig besser verkauft als im Vorjahr. Insgesamt stagnierten Biokraftstoffe bei knapp sechs Prozent Marktanteil. In der Spitze waren es 2007 deutlich über sieben Prozent.
Die Enttarnung geheimer Geschäfte in Steueroasen beschäftigt Politik und Wirtschaft. Berichte und Hintergründe finden Sie in der Offshore Leaks-Themensammlung.
|
|
22% | Ja, finde ich gut. Die Unternehmen ernennen von sich aus keine Frauen. |
|
|
67% | Nein, ich bin dagegen. Die Qualifikation ist wichtiger als das Geschlecht. |
|
|
11% | Ist egal, für die Wirtschaft ist das nicht entscheidend. |

Die Geschichte der griechischen Krise wird sehr einseitig beschrieben. Europa ist gut, Athen ist böse. Europa muss sein Sorgenkind erziehen - oder es aus dem Euro werfen. Es geht um „Lügen“, „Sorgen“ und der teuren „Rettung“. Dahinter verbergen sich knallharte Interessen. Mehr...
Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.

Die Zukunft der Frankfurter Rundschau ist gesichert. Die Eigentümer betonen, es gibt keinen Einfluss auf das gewachsene politische Profil. Chefredakteur Festerling blickt nach vorne: "Wir haben einiges vor."