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14. Januar 2013

US-Banken: Und sie zocken doch

 Von Grit Beecken
Goldman-Sachs-Händler an der Wall Street: Angeblich zockt die Bank mit einer Milliarde Dollar auf eigene Rechnung. Foto: REUTERS

Eigentlich ist den US-Banken der riskante Eigenhandel verboten worden. Doch offenbar haben einige Geldhäuser Wege gefunden, die neuen Regeln zu umgehen. Dazu soll auch die US-Investmentbank Goldman Sachs gehören.

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Eigentlich ist den US-Banken der riskante Eigenhandel verboten worden. Doch offenbar haben einige Geldhäuser Wege gefunden, die neuen Regeln zu umgehen. Dazu soll auch die US-Investmentbank Goldman Sachs gehören.

Er werde seine Arbeit künftig allein in den Dienst der Kunden stellen, kündigt Lloyd Blankfein am 18. Juli 2012 an. „Wir haben diese Aktivitäten beendet“, sagt der Chef der US-Investmentbank Goldmans Sachs, als er auf einer Veranstaltung gefragt wird, ob er nach wie vor am Eigenhandel verdient.

Möglicherweise hat er nicht die Wahrheit gesagt. Wie der Informationsdienstleister Bloomberg berichtet, jongliert Goldmans Sachs mit insgesamt einer Milliarde Dollar an den Kapitalmärkten – und zwar auf eigene Rechnung. Branchenbeobachter berichten, auch andere Banken würden nach wie vor für sich selbst spekulieren.

Wachsweiche Regeln

Im Fall Goldman Sachs beruft sich Bloomberg auf Interviews mit mehr als 20 ehemaligen Mitarbeitern. Demnach beschäftigt die Bank ein gutes Dutzend Händler in der Sparte Multi-Strategy-Investing (MSI), die bis vor einigen Jahren noch dafür berüchtigt war, das ganz große Rad zu drehen: Die Händler gingen extreme Risiken ein und verhalfen Goldman zu Rekordgewinnen.

Hohe Risiken

Zusatzgewinne: Als Eigenhandel bezeichnet man den von Banken getätigten An- und Verkauf von Wertpapieren oder Devisen in eigenem Namen und auf eigene Rechnung. Mit dem Eigenhandel versuchen die Kreditinstitute ihre Expertise zu nutzen, um über das normale Kundengeschäft hinaus zusätzliche Gewinne zu erzielen. Sie erwerben die Papiere über die Börse oder nehmen Wertpapiere in ihren Bestand, die ihre Kunden verkaufen wollen.

Strengere Regeln: Im Zuge der Finanzkrise ist der Eigenhandel aber in die Kritik geraten, weil er enorme Risiken birgt und dazu beigetragen hat, einige Institute in die Schieflage zu bringen. In den Vereinigten Staaten wurde der Eigenhandel deshalb eingeschränkt. Doch offenbar haben einige Banken Wege gefunden, die neuen Regeln zu umgehen. Auch in Europa soll der Eigenhandel beschränkt werden, indem er mit höheren Eigenkapitalanforderungen unterlegt wird.

„Wir haben die ehemalige Strategie des Geschäfts verändert, um sie mit unserem Verständnis der Volcker-Rule in Einklang zu bringen“, erklärt ein Banksprecher. Die Volcker-Regel reguliert die Großbanken und beschränkt vor allem deren Eigenhandelstätigkeit, indem sie kurzfristige Geschäfte verbietet. Anlagen müssen wenigstens 60 Tage gehalten werden. Nur in Ausnahmefällen darf früher verkauft werden.

Grundsätzlich ist das sinnvoll: Warum sollte man einem Investor den Verkauf verbieten, wenn ein Kurs unvorhergesehen kollabiert? Nur ist diese Ausnahme der Volcker-Regel nicht an strenge Bedingungen geknüpft. Wichtig ist nur, dass die Bank die Absicht hatte, ein Papier lange zu halten.

Bloomberg zufolge nutzt Goldman Sachs diese Ausnahme aus. Wie soll ein Aufseher schließlich prüfen, ob beim Kauf eine Halteabsicht bestand? „MSI verhält sich ganz ähnlich wie ein Hedgefonds“, zitiert Bloomberg einen Ex-Mitarbeiter der Sparte. Goldmans Vorgehen dürfte angesichts dieses Schlupfloches kein Einzelfall sein, schätzen Experten.

Auch darüber hinaus haben Banken nach wie vor diverse Möglichkeiten zum Eigenhandel. Das prominenteste Beispiel ist die 100-Milliarden-Dollar-Wette von JP Morgan im vergangenen Jahr. Ein Händler habe mit Kreditausfallversicherungen auf den Bankrott einzelner US-Firmen gewettet und gleichzeitig auf die Kreditwürdigkeit eines Gesamtindex von US-Firmen gesetzt, um das Risiko auszugleichen, heißt es in Finanzkreisen. Das ging spektakulär schief, die Bank verlor 6,2 Milliarden Dollar.

Die US-Börsenaufsicht SEC untersucht den Fall und zeigt sich Insidern zufolge irritiert. Denn JP Morgan versichert seit 2011, nicht mehr auf eigene Rechnung zu zocken. Die Bank erklärte den Skandal mit einem Versagen der internen Risikokontrollsysteme.

Auch in Europa, wo das Regelwerk Basel III den Eigenhandel durch höhere Kapitalanforderungen begrenzen soll, berichten Branchenbeobachter, etliche Banken würden tagtäglich auf eigene Rechnung spekulieren. Das geht so: Große Institute sind als sogenannte Market Maker tätig. Sie sorgen für Liquidität bei Aktien, Anleihen und anderen Anlagegütern, also dafür, dass die Papiere gehandelt werden können.

Auf Kosten der Kunden

Ein Beispiel: Ein Kunde möchte eine Aktie eines Unternehmens kaufen, zu diesem Zeitpunkt will aber kein anderer verkaufen. An dieser Stelle springt die Bank ein. Sie hat jederzeit Papiere im Bestand, um ihren Kunden die Gegenseite eines Geschäfts stellen zu können. Das bedeutet aber auch: Die Banken wissen in etwa, wie sich der Markt bewegen wird. Wenn beispielsweise alle ihre Kunden Aktien eines Unternehmens kaufen wollen, dürfte dessen Börsenkurs steigen. Dank dieser Kenntnis kann die Bank entsprechende Eigenpositionen aufbauen und gut verdienen.

Im Durchschnitt hängen sich die Händler, vermutet der Branchenbeobachter William Wright, mit einem dreimal so hohen eigenen Betrag an einen Kundenauftrag. Das können die Institute durch ihre Funktion als Market Maker rechtfertigen. Schließlich müssen sie stets mehr Papiere halten als ihre Kunden nachfragen.

„Es ist Gold wert, wenn man als Bank darüber informiert ist, was Versicherungen, Pensionskassen, Staatsfonds, multinationale Firmen und große Hedgefonds vorhaben“, schreibt Dieter Wermuth, Mitgründer und Research-Chef von Wermuth Asset Management in dem Blog Herdentrieb. Es sei daher „immer wieder nützlich, sich vor Augen zu halten, wie sich eine relativ kleine Gruppe von Instituten auf Kosten ihrer Kunden maßlos bereichern kann.“

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