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US-Untersuchung: Gentechnik bringt Pflanzengift ins Essen

Das große Versprechen der Agrarkonzerne: Wenn Landwirte gentechnisch veränderte Pflanzen verwenden, benötigen sie weniger Spritzmittel. Die Realität sieht ganz anders aus, wie die Studie eines US-Agrarökonomen zeigt. Von Stephan Börnecke

Genmais oder nicht?
Genmais oder nicht?
Foto: ddp

Frankfurt a.M. Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen hat den Verbrauch von Spritzmitteln nicht, wie von den Agrarkonzernen versprochen, gesenkt. Stattdessen hat er - zumindest in den USA - zu einem deutlichen Anstieg der Verwendung von Unkrautvertilgern geführt.

Das behauptet eine von den Nichtregierungsorganisationen Organic Center, Union for Concerned Scientists und Center for Food Safety veröffentlichte Studie des US-Agrarökonomen Charles Benbrook.

Gentechnik in den USA

Die Landwirte in den USA setzen unvermindert auf die Grüne Gentechnik. Bei Mais, Soja und Baumwolle sind in diesem Jahr 88 Prozent des in den USA ausgebrachten Saatguts gentechnisch verändert, drei Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Anteil an Gen-Sorten ist bei Mais und Baumwolle noch einmal gestiegen, bei Soja ist er leicht auf nunmehr 91 Prozent gesunken. Die Anbauflächen mit Gen-Zuckerrüben haben sich in einem Jahr um etwa ein Drittel vergrößert.


Foto: ddp

Dessen Report basiert auf den offiziellen Zahlen der US-amerikanischen Landwirtschaftsbehörde sowie deren Statistik-Service NASS. Benbrook untersuchte die Veränderung im Pflanzenschutzmittelverbrauch seit der Markteinführung herbizidresistenter Gen-Pflanzen im Jahre 1996. Seither sei die Menge der ausgebrachten Herbizide um 175 Millionen Kilogramm gestiegen.

Während auf konventionell bewirtschafteten Feldern sich der Herbizideinsatz dank verbesserter Wirkstoffe auf 220 Gramm pro Acre (4046 Quadratmeter) mehr als halbierte, verdoppelte er sich im Gen-Soja-Anbau auf 750 Gramm.

Vor allem für die beiden letzten Untersuchungszeiträume, die Jahre 2007 und 2008, verzeichnet die Untersuchung einen Anstieg des Pestizidverbrauchs um 46 Prozent auf den Gen-Äckern. Hauptgrund: Die Unkräuter werden resistent gegen das Herbizid mit dem Wirkstoff Glyphosat (Handelsname: Roundup Ready), das sie eigentlich vernichten sollte. Die Folge: Die Farmer erhöhen die Dosis.

Nach Benbrook haben sich vor allem im Süden der USA inzwischen zahlreiche resistente Unkräuter ausgebreitet. Entdeckt worden waren sie zunächst 2000 in Delaware. Dass auch die Hauptakteure, die Agromultis Monsanto und Syngenta, das Resistenzproblem inzwischen mit Sorge betrachteten, belege der Report anhand der Empfehlungen der Hersteller: So würde Monsanto die Farmer mit eingeräumten Rabatten inzwischen sogar zu anders wirkenden Herbiziden von Konkurrenzfirmen drängen.

Ein Ende der Entwicklung sei nicht abzusehen: Da es sich bei den herbizidresistenten Pflanzen um "Brot-und-Butter-Produkte" handle, würden die Firmen weiter in dieser Richtung investieren, und zwar in Pflanzen, die höheren Dosen von Roundup oder anderer Herbizide standhielten. Benbrook kommentiert denn auch, die Antwort der Industrie auf das Dilemma sei: "Mehr vom selben."

Während sich Monsanto-Offizielle laut Reuters zu dem Bericht nicht äußern wollten, verwies ein Sprecher der amerikanischen Biotechnology Industry Organization auf die Popularität der Gen-Saaten in den USA. Dies belege, dass der Nutzen der Saaten mögliche Nachteile mehr als ausgleichen würde.

Der Informationsdienst Transgen, geleitet vom Gentechnik-Experten Gerd Spelsberg, verweist allerdings noch auf eine weitere Untersuchung, und zwar auf die des britischen Agrarökonomen Graham Brooks. Dieser war genau zum umgekehrten Resultat gekommen.

Allerdings hatte der Wissenschaftler nicht die USA allein betrachtet, sondern die weltweite Entwicklung und auch einen anderen methodischen Ansatz gewählt: Brooks habe, so Transgen, ermittelt, dass als Folge des Anbaus von Gen-Pflanzen zwischen 1996 und 2007 weltweit der Einsatz von Herbiziden rückläufig war. Danach seien global etwa 200 Millionen Kilogramm weniger ausgebracht worden.

Nach Brooks wurden bei Soja als Folge des Anbaus herbizidresistenter Sorten an dem Niveau von 1996 gemessen 4,6 Prozent weniger aktive Herbizid-Wirkstoffe ausgebracht, bei Baumwolle 15 Prozent, Benbrook hatte - für die USA - genau das Gegenteil ermittelt.

Sowohl die Benbrook-Studie als auch die Brooks-Untersuchung zeigen aber, dass bei Insekten-resistenten Pflanzen wie dem auch in Europa teilweise zugelassenen Bt-Mais, der sein Insektengift permanent selbst produziert, der sonstige Verbrauch von Insektiziden reduziert wurde.

Die Kritiker aus den USA sehen sich dennoch bestätigt. Der Anstieg des Pestizid-Verbrauchs, die "epidemische" Ausbreitung von Unkräutern, die gegen Roundup Ready resistent werden, und die Zunahme von chemischen Resten in der Nahrung zeigt nach Ansicht von Bill Freese, Analyst des Centers for Food Safety: "Das mag für die Biotech-Firmen profitabel sein. Aber das bedeutet schlechte Nachrichten für Farmer, die menschliche Gesundheit und die Umwelt."

Ähnlich der österreichische Sprecher von Greenpeace, Philipp Strohm: "Der Bericht straft die Biotech-Lobby Lügen" und stelle eine "deutliche Warnung an die EU dar", sich nicht weiter auf das Gentechnik-Experiment einzulassen.

Autor:  Stephan Börnecke
Datum:  20 | 11 | 2009
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