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04. August 2014

US-Wirtschaft: Abgehängt vom Aufschwung

 Von 
Die Wirtschaft in den USA läuft ziemlich rund.  Foto: REUTERS

Die US-Wirtschaft brummt – doch der Durchschnittsverdiener hat nichts davon. Während die Produktivität wächst, stagnieren die Gehälter. Das könnte den Boden für neue Krisen bereiten.

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Die Europäer könnten neidisch werden: In den USA läuft die Wirtschaft ziemlich rund. Im zweiten Quartal 2014 gab es ein rasantes Wachstum von – aufs Jahr hochgerechneten – vier Prozent. Die Arbeitslosigkeit ist auf 6,2 Prozent gefallen und liegt damit fast nur halb so hoch wie in der Euro-Zone. Das Problem: Der amerikanische Durchschnitts-Verdiener profitiert vom Aufschwung nicht. „Die Unternehmen in den USA zeigen sich weiter in bester Laune“, kommentiert die VP Bank die steigenden Stimmungsindikatoren. Kein Wunder, denn die Firmen verdienen gut. Die Gewinnspanne – gemessen am Gewinn je Aktie zum Umsatz – lag im ersten Quartal 2014 bei rekordverdächtigen zehn Prozent. Die Firmen horten riesige Cash-Reserven.

Wesentlicher Grund dieses Geldsegens ist, dass US-Arbeitnehmer immer produktiver werden, ihr Gehalt aber stagniert. Seit dem Krisenjahr 2009 ist die Produktivität um 6,5 Prozent gestiegen, die Vergütung der Produzenten jedoch nur um real 0,2 Prozent. Das ist extrem wenig, selbst für Post-Krisen-Phasen, in denen Arbeitnehmer in schlechter Verhandlungsposition sind. So stand im Aufschwung 2001 bis 2006 einem Produktivitätswachstum von zwölf Prozent immer noch ein Lohn-Plus von drei Prozent gegenüber, errechnet die Finanzagentur Bloomberg.

Die Schere zwischen Produktivität und Vergütung ist kein neues Phänomen in den USA. Vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis 1980 stiegen beide noch halbwegs parallel an. Dann jedoch begann das goldene Zeitalter für die Unternehmen: Die Produktivität legte seitdem um etwa 80 Prozent zu, der Durchschnittsarbeiter dagegen erhält heute nur sieben Prozent mehr als vor über 30 Jahren. Ergebnis: Real, also abzüglich Inflationsrate, liegt das mittlere Haushaltseinkommen mit rund 51 000 Dollar (38 000 Euro) nicht mal mehr auf dem Stand von 1989. Gründe hierfür sind der flexible amerikanische Arbeitsmarkt, die Schwäche der Gewerkschaften und die Tatsache, dass neue Jobs vor allem im Bereich der – schlechter bezahlten – Dienstleistungen entstehen.

Eine Studie der New Yorker Zentralbank belegte jüngst die zunehmende „Job-Polarisierung“: Neben schlechter bezahlten Jobs mit geringen Qualifikationsanforderungen legen vor allem die sehr gut bezahlten Arbeitsplätze der Elite zu. Die Mittelschicht schrumpft, für sie bleiben immer weniger Stellen übrig. Das spiegelt sich auch in der Vermögensverteilung: Während die reichsten fünf Prozent der Amerikaner in den letzten 30 Jahren ihren Wohlstand fast verdoppeln konnten, hat der mittlere Haushalt heute inflationsbereinigt ein Fünftel weniger Vermögen als 1984.

Da ist es kein Wunder, dass selbst US-Zentralbankchefin Janet Yellen andeutet, eine geringe Arbeitslosenrate sei ja schön, aber Arbeitnehmer sollten auch mal wieder mehr verdienen. Schließlich weiß Yellen, dass stagnierende Einkommen in Kombination mit steigenden Krediten den Boden für die jüngste US-Immobilienkrise bereitet hatten.

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