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USA: Zur Anonymität verpflichtet

Persönliche Fragen bei Bewerbungen gelten in den USA als riskant.

Washington –  

Foto? Alter? Familienstand? Für die 58-jährige Lori Stassi in Los Angeles ist es absolut unvorstellbar, dass sie so etwas ihrem Lebenslauf beifügt, mit dem sie sich zurzeit für einen neuen Job bewirbt. Im jugendbewegten Kalifornien hätte die Journalistin sonst keine Chance mehr auf ein Vorstellungsgespräch. In den USA sind Hochglanzfotos in der Bewerbungsmappe schon lange tabu.

Bereits im Bürgerrechtsgesetz des Jahres 1964 wurde offener Diskriminierung ein Riegel vorgeschoben, auch wenn das erst im Laufe der Zeit konsequent umgesetzt wurde. Für US-Unternehmen gibt es nur ein Rezept, um teuren Klagen von abgelehnten Bewerbern vorzubeugen: Erst gar nicht nach persönlichen Angaben fragen. Schon ein Schnüffeln nach dem kleinsten Detail kann zur juristischen Stolperfalle werden. Die Grenzen sind deutlich strenger als in Deutschland.

Ein Katz-und-Maus-Spiel mit Personalchefs gibt es dennoch. Allzu lange Lebensläufe, Facebook-Seiten und E-Mail-Adressen gelten als verräterisch. Stassi wechselte gar ihren Anbieter, weil ihr alter als Oma-Internetdienstleister gilt – und Jüngere andere Mailkonten bevorzugen. Doch einen Code können clevere Personalchefs immer knacken: Die Vornamen, die verschiedene Bevölkerungsgruppen ihren Kindern geben, driften seit Jahren auseinander. Frauen, die Teona oder Charmaine heißen, sind etwa fast garantiert schwarze Amerikaner.

Lori Stassi könnte sich deshalb mit dem Gedanken einer vollkommen anonymen Bewerbung durchaus anfreunden. Doch ohne Namen läuft nichts. In einem Land, in dem die Individualität hochgehalten wird, ist diese Angabe weiter ein Muss.

Autor:  Andreas Geldner
Datum:  3 | 8 | 2010
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