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Versicherer: Griff nach dem Geld der Alten

Neue Finanzprodukte für die Generation 50plus fluten derzeit den deutschen Markt. Experten warnen aber vor Risiken.


Foto: ap

Die geburtenstarken Jahrgänge kommen in die Jahre. Und nicht alle haben schon für ihr Alter vorgesorgt - eine Marktlücke, die auch die Finanzdienstleister entdeckt haben. So werden seit Jahren "variable annuities" in den USA und Japan gut verkauft: Das sind Rentenversicherungen, die auch im Alter erlauben, noch an den Aktienmärkten investiert zu bleiben, die aber gleichzeitig eine garantierte Rente bieten.

Nach der französischen Axa bietet jetzt auch die Allianz seit Juli ihren Kunden ein solches Produkt: "Invest4life" heißt diese Police, die gegen Einmalzahlung von mindestens 10 000 Euro eine garantierte Rente von anfänglich 175 Euro bietet - sofort oder nach einer Wartezeit. Der Einmalbeitrag wird nach Abzug der Kosten in einen Investmentfonds eingezahlt, der nach Wunsch des Anlegers zu 50 oder 75 Prozent in Aktien investiert. Je nach Entwicklung des Fondsvermögens kann das Rentenniveau erhöht werden, im Todesfall wird der vorhandene Fondswert an die Hinterbliebenen ausgezahlt.

Tipps für Anleger

Verständnis: Anleger sollten nachvollziehen können, wie ein Produkt funktioniert, damit sie Fehlinvestitionen vermeiden. Anlageprospekte aufmerksam lesen! Klare Ansage an die Bank: Risikoprofil und Wünsche an die Geldanlage klären. Sammlungen: Kunstwerke et cetera als Vermögen berücksichtigen, denn auch ihr Verkauf könnte die Rente aufbessern.

www.diealtenhasen.de www.verbraucherzentrale.de


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Solche und ähnliche Produkte dürften in den nächsten Monaten und Jahren auch andere Anbieter auf den Markt bringen. "Nicht unbedingt geeignet für Otto Normalverbraucher", meint dazu Eberhard Beer. Er ist Finanzberater bei den Alten Hasen, einem Netzwerk früherer Bankmitarbeiter, die sich als Honorarberater zusammengeschlossen haben und nur um Kunden kümmern, die 50 Jahre und älter sind. Denn solche Produkte seien anfangs recht riskant: Beispielsweise sei die von der Allianz garantierte Rente zu Beginn um 30 Prozent niedriger als eine, die aus der Auszahlung einer herkömmlichen privaten Rentenversicherung zu erwarten ist. "Das Ganze basiert auf dem Prinzip Hoffnung", kritisiert Beer. Denn die nicht unerheblichen Kosten müssten erst einmal wieder durch eine erfolgreiche Anlage in Aktien verdient werden, zudem biete die Einmalanlage ein gewisses Risiko. Deshalb seien solche Lösungen nur sinnvoll für vermögendere Anleger, die sich so einen Teil einer garantierten Rente sichern wollten.

Vermögensbestände auflisten

Bevor sie Geld investierten, sollten sich gerade Angehörige der Generation 50plus grundsätzlich über Ziele und Wünsche klar werden. Als Rentner sollten sie mindestens so viel Geld zur Verfügung haben wie sie jetzt monatlich benötigen. "Wenn man den Lebensstandard halten möchte, sollte man auch die Inflation berücksichtigen und dann vielleicht für Zehnjahreszeiträume nochmals entsprechende Summen einplanen", rät Beer. Möchte man Vermögen vererben oder hat man keine Erben, will es also selbst nutzen? Muss man berücksichtigen, dass beim Tod des Partners Pflichtteile von dessen Angehörigen geltend gemacht werden? Der Beantwortung dieser Fragen sollte eine gründliche und unsentimentale Analyse der eigenen Vermögenssituation folgen - sie sei die wichtigste Voraussetzung dafür, dass man sein Erspartes richtig anlegt, meint der Berater.

Welche gesetzlichen Rentenansprüche hat man? Welche Summen kommen aus betrieblicher und privater Altersvorsorge noch dazu - etwa über Renten- oder Lebensversicherungen? Dann sollte eine Auflistung der Vermögensbestände folgen: festverzinslich angelegtes Geld, Aktien oder Aktienfonds, Immobilienfonds - und gegebenenfalls die eigene Immobilie. Und danach sollte man überlegen, ob man mit der vorhandenen Geldanlage zufrieden ist oder ob es geeignetere Produkte gibt.

Als Möglichkeiten nennt Beer Tages- oder Festgeld, die derzeit Zinssätze von fünf und mehr Prozent böten - ohne Kosten und Risiken. Die meisten Investmentgesellschaften böten steueroptimierte Fonds an. Auch Offene Immobilienfonds seien unter steuerlichen Gesichtspunkten attraktiv bei einer im Schnitt ordentlichen Verzinsung. "Die Steuer sollte aber nur eines der möglichen Kriterien sein, nach denen ich mein Geld anlege", betont Beer.

Rentenfonds könne man ebenfalls in Betracht ziehen, auch Aktienfonds: Die Faustformel 100 minus Lebensalter sei immer noch ein guter Anhaltspunkt für den Anteil an Aktien im Vermögen. Grundsätzlich empfiehlt er zudem, nur Fonds auszuwählen, die schon lange, also etwa zehn bis 15 Jahre am Markt sind und die sich bewährt hätten. "Eine Garantie für künftige Entwicklung ist das natürlich auch nicht", warnt der Fachmann.

Auch Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät zur gründlichen Analyse. Dabei muss jeder Vor- und Nachteile der Produkte abwägen. Rentenversicherungen böten zwar eine sichere Rente, doch würden die wenigsten so lange leben, dass sie das Geld ausgezahlt bekämen, das sie eingezahlt hätten, so Bieler. Als Alternative böten sich beispielsweise normale Auszahlpläne über 20 oder 30 Jahre an.

Autor:  BRIGITTE SCHOLTES
Datum:  25 | 8 | 2008
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