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04. März 2013

Versicherung: Vollkasko-Schutz fürs Smartphone

 Von Sebastian Wolff
Smartphones können speziell versichert werden. Foto: dpa

Mit Zusatzversicherungen können Kunden teure Geräte absichern. Der Aufpreis lohnt aber nicht immer. Und: Diese Versicherungen greifen nicht, wenn man das Gerät verliert.

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Mit Zusatzversicherungen können Kunden teure Geräte absichern. Der Aufpreis lohnt aber nicht immer. Und: Diese Versicherungen greifen nicht, wenn man das Gerät verliert.

Jürgen Konrad ist eigentlich ein ruhiger, besonnener Mensch. Doch an diesem Tag bekam er einen Wutanfall: Morgens erst hatte er sein neues Smartphone ausgepackt. Doch auf dem Weg zur Arbeit rutschte es ihm aus der Hand und fiel zu Boden. Der Touchscreen ging zu Bruch. Für die Reparatur musste Konrad über 100 Euro hinblättern. Weil es ein selbstverursachter Schaden war, hatte er keinen Anspruch auf Garantie.

Wie gegen fast alle anderen Lebensrisiken hätte sich Konrad auch gegen dieses Missgeschick absichern können: mit einer Zusatzversicherung für sein Handy. Elektromärkte wie Media-Markt und Saturn bieten diese Extra-Leistung für fast alle Geräte an, also zum Beispiel für Computer, Fernseher, Waschmaschinen oder Kühlschränke.

Doch nicht nur Elektromärkte werden zunehmend nebenbei zur Versicherungsagentur. Auch Fahrradhändler versuchen immer häufiger, Kunden zu überreden, für das teure neue Bike gleich noch eine Diebstahlversicherung abzuschließen. Beim größten deutschen Fahrradverkäufer Stadler zum Beispiel kostet eine solche Diebstahlversicherung für Räder bis zu einem Kaufpreis von 1 500 Euro stolze 150 Euro für ein Jahr Laufzeit. Bei drei Jahren Laufzeit beträgt die Versicherungsprämie 225 Euro – also immerhin mindestens 15 Prozent des Kaufpreises.

Auch Akkus werden ersetzt

Die Verkäufer sind dabei meist von ihrer Geschäftsleitung dazu angehalten, möglichst viele Kunden zum Abschluss einer Zusatzversicherung zu bewegen: Egal ob die Versicherung für den Kunden sinnvoll ist oder nicht, für Händler zählt der Umsatz. So sind bei einem Smartphone mit einem Kaufpreis von 500 Euro locker noch einmal 100 oder sogar 120 Euro an Versicherungsprämie fällig. Dafür ist der Kunde zwei Jahre lang gegen eine eigenverschuldete Zerstörung des Geräts versichert – wenn das Handy also zum Beispiel kaputt geht, weil es auf den Boden fällt oder weil Flüssigkeit eintritt.

Optionen für Kunden

Abschluss: In Elektromärkten wie Media-Markt oder Saturn versäumen es Verkäufer fast nie, Kunden eine Zusatzversicherung oder -garantie schmackhaft zu machen. Die Kunden haben kaum Zeit, sich in Ruhe darüber Gedanken zu machen. Sie müssen sich sofort für oder gegen den Extra-Schutz entscheiden. Nachträglich ist der Abschluss nicht mehr möglich.

Ausweg: Allerdings räumen solche Ketten den Kunden in der Regel ein 14-tägiges Rückgaberecht für den Extra-Schutz ein. Das heißt: Kunden können die Zusatzgarantie im Zweifel erst einmal miterwerben und dann innerhalb von zwei Wochen zurückgeben, auch wenn sie das gekaufte Gerät behalten wollen. Sie profitieren dann 14 Tage lang kostenlos von dem Extra-Schutz.

Alternative: Eine andere Option ist der Abschluss einer Reparaturkostenversicherung oder Garantieverlängerung bei einem darauf spezialisierten Unternehmen. Hier ist der Kunde flexibler: Er kann Neugeräte, aber auch schon ältere Geräte versichern. Auch die Laufzeit für den Extra-Schutz kann er frei wählen. Je länger er dabei bleibt, desto höher der Ersatz bei einem Totalschaden.

Auch wenn Kunden das Smartphone gestohlen wird, greift der Versicherungsschutz in der Regel. Und: Bringt der Akku nur noch weniger als 50 Prozent der vollen Leistung, wird es innerhalb des zweijährigen Versicherungszeitraums kostenlos ersetzt – falls nötig sogar mehrmals.

Nicht versichert sind Kunden aber, wenn sie das Gerät verlieren. Auch Schrammen, die die Funktionsfähigkeit nicht beeinträchtigen, sind meist nicht von der Versicherung abgedeckt. Ein weiterer Haken: Selbst in Fällen, in denen der Versicherungsschutz greift, bekommt der Kunde meist nicht den vollen Kaufpreis des Produkts erstattet. Denn die Erstattungssumme bezieht sich in der Regel auf den jeweiligen Zeitwert. So gibt es zum Beispiel für ein defektes Smartphone sechs Monate nach dem Kauf nur noch 80 Prozent des Kaufpreises, nach 18 Monaten sogar nur noch 40 Prozent. Bevor der Kaufpreis erstattet wird, wird der Händler zudem fast immer zunächst versuchen, das Gerät zu reparieren. Für den Kunden kann das bedeuten, dass er wochenlang auf sein Handy verzichten muss, bevor er es entweder repariert zurückbekommt oder ihm das Geld ausbezahlt wird.

Etwas anders gelagert ist der Extra-Schutz bei Fernsehern oder Waschmaschinen: Hier ist das Gerät nicht nur zwei Jahre, sondern sogar vier oder fünf Jahre abgesichert. Diebstahl sowie Eigenverschulden wie Sturz- oder Wasserschäden sind allerdings in den meisten Fällen von der Leistung ausgeschlossen. Insofern handelt es sich bei dem Extra-Schutz für diese Geräte faktisch lediglich um eine Verlängerung der Garantiezeit und nicht um eine Versicherung gegen selbstverursachte Schäden. Und die hat ihren Preis: Bei einem Plasma-Fernseher im Wert von 2 500 Euro kostet eine solche Zusatzgarantie mal eben 350 Euro extra. Dafür kommt im Schadensfall immerhin ein Techniker nach Hause. Das teure Gerät muss dann also nicht in den Laden zurückgeschleppt werden.

Manchmal völlig überflüssig

„Das Problem ist, dass die Kunden vom Verkäufer meist nicht über den Haftungsausschluss informiert werden“, kritisiert Anke Puzicha, Versicherungsexpertin beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV). Der Verkäufer versuche häufig, den Kunden nur die positiven Aspekte der Zusatzversicherung schmackhaft zu machen. Dass sie in vielen Fällen gar nichts bringt, erwähne er nicht. „Kunden sollten sich deshalb nicht zum Abschluss einer solchen Zusatzversicherung drängen lassen, sondern vorher die Vertragsbedingungen genau studieren und insbesondere prüfen, in welchen Fällen die Leistung ausgeschlossen ist“, empfiehlt Puzicha.

Manchmal sei die Zusatzversicherung sogar völlig überflüssig, sagt Puzicha, dann nämlich, wenn der Kunde oder die Kundin über eine Hausratsversicherung verfüge, die genau die gleichen Risiken mit abdecke wie die teure Zusatzversicherung des Handels.

Ein weiterer Nachteil der Zusatzgarantie: Kunden müssen sich direkt beim Kauf des Gerätes dafür oder dagegen entscheiden. Doch wer sich nicht sofort dafür entscheiden will, für den gibt es eine Alternative: Auch andere Firmen bieten Reparaturkostenversicherungen oder Garantieverlängerungen an, so zum Beispiel Unternehmen Wertgarantie aus Hannover: Die Firma bieten den Schutz gegen Sturz- und Wasserschäden, unsachgemäße Handhabung und viele andere Defekte für Elektrogeräte sowie für Fahrräder an.

Für Geräte bis zu einem Kaufpreis von 1000 Euro werden bei Wertgarantie fünf Euro Versicherungsprämie pro Monat fällig, für teurere Geräte sind es acht Euro. Eine Ausnahme sind Handys: Hier verlangt Wertgarantie generell acht Euro pro Monat. Das Unternehmen arbeitet mit 5400 Handelspartnern bundesweit zusammen. Zu einem davon muss der Kunde das defekte Gerät bringen.

Stellt sich heraus, dass das Gerät nicht reparabel ist, beteiligt sich Wertgarantie mit 150 Euro am Kauf eines neuen Gerätes. Diese Neukaufbeteiligung steigt jedes Jahr, in dem das Gerät versichert ist, um 25 Euro an.

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