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04. Juli 2012

Versicherungen Provisionen: Erst aufklären, dann kassieren

 Von Peter Riesbeck
Was der Versicherungsvertreter mit dieser Unterschrift kassiert, soll kein Geheimnis bleiben. Foto: KEYSTONE

Mehr Transparenz im Sinne der Verbraucher: Die EU will Versicherungsvertreter zur Offenlegung ihrer Provisionen zwingen. Dadurch soll der Kunde feststellen können, ob der Vermittler ein Honorar direkt vom Kunden erhält oder ob er eine Provision einstreicht, die im Versicherungsbeitrag enthalten ist.

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Ein bisschen fahrig wirkte der EU-Binnenkommissar Michael Barnier bei seinem Auftritt am Dienstag. Und wieder hatte er eine seiner gefürchteten bunten Grafiken mitgebracht. In der Sache aber verkündete der französische EU-Kommissar eine kleine Revolution. Als Reaktion auf die Bankenkrise will die Europäische Union die Verbraucher bei Finanzprodukten künftig besser schützen.

So sollen Versicherungsvertreter in Europa beim Abschluss eines Vertrags fortan ihre Provision offenlegen. Für Lebensversicherungen soll die Regelung umgehend gelten, wenn das Gesetz wie geplant 2015 in Kraft tritt, für andere Produkte soll es eine Übergangsfrist von fünf Jahren geben. Die Mitgliedsländer der Union und das Europa-Parlament müssen dem Vorhaben der EU-Kommission aber noch zustimmen.

Die rund 250.000 Versicherungsvertreter in Deutschland müssen künftig also beichten und sagen wie viel sie bei einem Versicherungsdeal selbst kassieren. Dadurch soll der Kunde feststellen können, ob der Vermittler ein Honorar direkt vom Kunden erhält oder ob er eine Provision einstreicht, die im Versicherungsbeitrag enthalten ist.

Strengere Regeln für Fonds

Auch aus dem Skandal um den New Yorker Börsenbetrüger Bernard Madoff will die Europäische Union Konsequenzen ziehen. So gelten für Investmentfonds und sogenannte Depotbanken künftig europaweite einheitliche strengere Regeln. Ferner sollen die Anbieter für mögliche Verluste haften. Der US-Investor Madoff hatte vor vier Jahren mit einem Schneeballsystem Anleger um rund 60 Milliarden Euro geprellt. In Europa hatte er das Geld französischer Anleger in einen Fonds in Luxemburg investiert, der geringere Haftungsansprüche hatte als in Frankreich. So gingen die Anleger nach Madoffs Pleite leer aus, auch eine Klage gegen die Bank UBS scheiterte. Die Europäische Union will nun Klagen gegen betrügerische Verluste erleichtern.

Von Transparenz und Verantwortung sprach Michel Barnier am Dienstag. Und von Sicherheit für den Kleinsparer. So müssen Banken oder Versicherungen künftig EU-weit in einem sogenannten Beipackzettel besser über mögliche Anlagerisiken aufklären, zudem muss in dem Dokument über Rendite und Kosten bei Verkauf oder Übertrag aufgeklärt werden.

Barniers Beipackzettel ist in Deutschland bereits seit einem Jahr gesetzlich vorgeschrieben. Auch sonst regt sich Kritik an seinen vorgestellten Plänen. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) gehen Barniers Vorschläge nicht weit genug. Vor allem was die Offenlegung der Provisionen von Versicherungsmaklern angeht. Aigner hatte wiederholt erklärt, sie könne sich ein festes Gehalt für die Makler vorstellen, so dass diese ihre Kunden neutral beraten und nicht mit dem geschäftstüchtigen Blick auf eigene Provisionen.

Michel Barnier scheut davor zurück. Andere EU-Staaten sind da allerdings schon weiter. In Großbritannien und Dänemark zum Beispiel erhalten Versicherungsmakler ein festes Entgelt. So schützt Barnier zwar die Verbraucher, aber leider auch die zum Teil hohen Provisionen der Versicherungsvertreter.

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