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18. Februar 2016

Volkswagen : Nachgerüstete Diesel schlucken noch mehr

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Software nachgerüstet, Problem größer.  Foto: dpa

Die Nachrüstung für Dieselautos von VW führt nicht zu geringerer, sondern zu einer höheren Belastung der Umwelt - das ergaben Messungen der Zeitschrift „Auto, Motor und Sport“.

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Die Nachrüstung der VW-Fahrzeuge mit Betrugssoftware bringt nichts. Im Gegenteil: Die Belastung der Umwelt wird sogar größer. Das haben Messungen des Fachblatts „Auto, Motor und Sport“ ergeben.

Ende Januar hat der Volkswagen-Konzern damit begonnen, für Fahrzeuge mit Betrugssoftware neue Programme im Bordcomputer zu installieren. Als erstes Modell begann die Nachrüstung bei den Pritschenwagen des Typs Amarok, die mit Zwei-Liter-Dieselmotoren unterwegs sind. Das Aggregat wurde mit einer in der EU verbotenen Abschaltsoftware gesteuert: Die Abgasreinigung funktioniert nur vorschriftsmäßig bei offiziellen Messungen auf dem Prüfstand. Im Normalbetrieb auf der Straße wird der Katalysator, der giftige Stickoxid-Abgase (NOX) unschädlich macht, weitgehend ausgeschaltet. Um ein Vielfaches erhöhte Abgaswerte sind die Folge. Die Rückrufaktion war vom Kraftfahrtbundesamt und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) angeordnet worden.

„Auto, Motor und Sport“ hatte Ingenieure beauftragt, die Abgase von zwei VW-Amarok vor und nach dem Software-Update zu überprüfen. Gemessen wurden im Realbetrieb auf der Straße, und zwar im Stadtverkehr, auf der Landstraße und der Autobahn. Das Ergebnis: Die Stickoxid-Emissionen sind trotz der neuen Steuerungsprogramme mit 1,5 Gramm pro Kilometer gleich geblieben; die Euro-5-Abgasnorm schreibt aber nur 0,18 Gramm vor. Die Motorleistung wurde sogar leicht gesteigert. Der Kraftstoffverbrauch kletterte bei dem einen Wagen um einen halben bei dem anderen um 0,7 Liter. Das bedeutet, insgesamt steigt die Schadstoffbelastung der nachgerüsteten Fahrzeuge sogar – ein höherer Spritverbrauch bringt auch mehr Emissionen des Klimakillers CO2. VW teilte gestern lediglich mit, die umgerüsteten Amarok erfüllten nun „die erforderlichen Grenzwerte zur Einhaltung der EU-5-Abgasnorm“.

Umweltschützer empört

Unbeantwortet bleibt die Frage: Was überhaupt wurde durch das Update verändert? Insider gehen davon aus, dass mit der neuen Software nun nicht mehr der Tatbestand einer illegalen Abschaltvorrichtung erfüllt ist. Vielmehr wird offenbar eine Motorsteuerung eingesetzt, deren Wirkung sich rechtlich in einer Grauzone bewegt. So lassen die Vorschriften der EU zu, dass die Abgasreinigung zum Schutz des Motors kurzzeitig ausgeschaltet werden darf. Unter anderem Mercedes hat bereits zur Rechtfertigung überhöhter NOX-Werte auf diese Regelung verwiesen. Vieles spricht dafür, dass Volkswagen nun die gleiche Strategie verfolgt. Mit dem Resultat, dass Emissionswerte erreicht werden, die wieder nur auf dem Prüfstand, aber nicht auf der Straße den Vorgaben entsprechen.

Unter Umweltschützern ist die Empörung groß: „Ein Software-Update ohne merkliche NOX-Minderung im Realbetrieb bringt auch VW und Minister Dobrindt höchstens kurzzeitig etwas“, sagt Jans Hilgenberg, Verkehrsexperte des BUND, der FR. Er spricht von Aktionismus und fügt hinzu: „Auf der Strecke bleiben Umwelt und die weiter unter den hohen Stickoxidwerten leidenden Bürger.“ Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe betont: „Wir sind fassungslos.“ Er kritisiert insbesondere, dass die Bundesregierung das Vorgehen von VW dulde. „In der Autobranche ist ein rechtsfreier Raum entstanden.“ Es könne nicht so weitergehen, dass die Bürger permanent betrogen würden. Resch macht darauf aufmerksam, dass zu den EU-Regeln auch gehört, dass Abgaswerte im Normalbetrieb eingehalten werden müssten. Dies sei weder bei den Amaroks mit Software-Update noch bei zahlreichen Modellen anderer Hersteller gegeben.

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