Aktuell: Fußball-EM 2016 | US-Wahl | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Wirtschaft
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse, Finanz-Themen

11. März 2016

Volkswagen : So schamlos soll VW manipuliert haben

 Von 
VW hat nach Beginn der Ermittlungen offenbar weiter manipuliert. Das wissen auch die Behörden in den USA.  Foto: dpa

Mitarbeiter von Volkswagen haben offenbar noch nach dem Start der Ermittlungen die Betrugssoftware perfektioniert. Das hat Einfluss auf das Strafmaß, heißt es bei der zuständigen US-Behörde.

Drucken per Mail

Wenn jemand betrügt und anschließend hoch und heilig Aufklärung und Transparenz verspricht, dann kann man durchaus erwarten, dass derjenige selbst dazu einen Beitrag leistet. Anders läuft die Sache bei VW. Scheibchenweise kommen immer neue Details über den Abgasskandal heraus – durch Recherchen von Behörden oder Journalisten. Die jüngsten Berichte: Während die US-Umweltbehörde den Konzern schon im Visier hatte, sollen VW-Entwickler die Schummelsoftware weiter perfektioniert haben. „Es sieht immer übler aus für VW. Das macht einem regelrecht Angst“, kommentierte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer die neuen Informationen. Er macht den VW-Aufsichtsrat für den derzeitigen VW-Kurs verantwortlich und fordert den Rücktritt des Gremiums.

Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung war bei VW zum Jahreswechsel 2014/2015 aufgefallen, dass die manipulierte Software der Motorsteuerung nicht zuverlässig genug arbeitete. Eigentlich sollte sie erkennen, dass sich ein Fahrzeug auf dem Prüfstand befindet und dann in einen sauberen Modus schalten. Tatsächlich habe die Steuerung diesen Modus, der zu einem höheren Verschleiß der Dieselfilter führt, jedoch oft auch im normalen Straßenbetrieb eingeschaltet. Deshalb programmierten VW-Experten die Software dem Bericht zufolge so um, dass auch die Stellung des Lenkrades erkannt wurde. Zu diesem Schluss seien Informatik-Experten gekommen, die die Steuerungssoftware eines amerikanischen VW-Passat vor und nach der Überarbeitung untersucht hätten.

Die kalifornische Umweltbehörde hatte Volkswagen im Frühsommer 2014 aufgefordert, zu hohe Stickoxidwerte bei Dieselautos im Straßenbetrieb zu erklären. Die Wolfsburger hatten daraufhin Ende 2014/Anfang 2015 rund 500 000 Fahrzeuge in die Werkstätten gerufen. Bei einem Teil davon wurde ein Software-Update aufgespielt. Weil die Wagen auch danach die Grenzwerte überschritten, intensivierte die Behörde ihre Prüfung und entdeckte so die Abschalteinrichtung.

Offenbar haben Techniker die Software so umprogrammiert, dass sie auch die Stellung des Lenkrades erkennt.  Foto: dpa

In dem Medienbericht wird spekuliert, dass es erst das beschriebene Update war, das zur Aufdeckung der Manipulation führte. Der VW-Konzern äußerte sich am Freitag nicht zu den Vorwürfen, wohl aber die US-Umweltbehörde. „Das wird die Strafzahlungen beeinflussen, denn das zeigt die Haltung von VW von Anfang an, nicht mit uns zu kooperieren, um Schaden für die Umwelt abzuwenden“, sagte Behördensprecher Stanley Young im ARD-Morgenmagazin.

Ruf nach neuem Aufsichtsrat

Sollten die Enthüllungen stimmen, dann werde die Lage für VW noch kritischer, sagte Dudenhöffer der FR. „In den USA droht eine gigantische Klagewelle gegen den Konzern, dagegen erscheinen die juristischen Auseinandersetzungen der Deutschen Bank fast ein Kinderspiel“, so der Direktor des Car-Zentrums an der Universität Duisburg-Essen. Zudem drohe nach dem Rücktritt von VW-US-Chef Michael Horn auch noch ein Aufstand der dortigen Händler, bei denen Horn sehr beliebt war. „Die Lage verschärft sich fast täglich statt beherrschbar zu werden.“

Es zeige sich immer klarer, dass Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch nicht länger tragbar sei. „Die Spitze des Aufsichtsrates scheint kein Interesse an der dringend notwendigen Aufklärung und Transparenz zu haben, denn sie ist selbst zu stark mit den Vorgängen verflochten“, kritisierte der Branchenkenner. „VW braucht dringend einen neuen, unbelasteten Aufsichtsrat, und zwar mit Mitgliedern von außerhalb des Konzerns“, verlangte Dudenhöffer.

[ Wie wollen wir wohnen? Die neue FR-Serie - jetzt digital oder gedruckt vier Wochen lang ab 19,50 Euro lesen. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.

Geld

Raus aus den Tresoren!

Von Beate Bockting |

Bargeld muss ein öffentliches Gut werden Mehr...

Integration

Manfred und Mohammed

Von Fabiola Rodríguez Garzón |

Zuwanderer sollen die besseren Bürger werden Mehr...

FRAX

Die Frankfurter Rundschau und das Forschungsinstitut Wifor präsentieren den FR-Arbeitsmarktindex, kurz FRAX. Er erlaubt einen genaueren Blick auf unsere Arbeitswelt als es die Arbeitslosen- und Beschäftigtenzahlen tun.

Videonachrichten Wirtschaft

Anzeige

Forum Entwicklung

Recht auf Arbeit – auch für Kinder?

Das Forum Entwicklung ist eine Debattenreihe von Frankfurter Rundschau, hr-iNFO und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).  

Weltweit arbeiten rund 150 Millionen Kinder – oft unter ausbeuterischen Bedingungen auf Plantagen, in der Teppichproduktion oder als Dienstmädchen. Darum geht es beim „Forum Entwicklung“ am Donnerstag, 23, April. Mehr...

Brutto-Netto-Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen