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Vorerst kein Streik bei Lufthansa: Neue Gespräche

Lufthansa-Flugbegleiter befürchten eine deutliche Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen. Foto: Arne Dedert
Lufthansa-Flugbegleiter befürchten eine deutliche Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen. Foto: Arne Dedert

Frankfurt/Main. Fluggäste der Lufthansa müssen sich zunächst keine Sorgen mehr über einen Streik der Flugbegleiter machen.

Nach heftigen Drohungen der Kabinengewerkschaft einigten sich beide Seiten überraschend auf einen möglicherweise letzten Versuch, die tariflichen Probleme der rund 19 000 Flugbegleiter in ihrer Gesamtheit zu lösen. Dem Vernehmen nach sollten die Verhandlungen bereits am Donnerstag aufgenommen und nur mit einer sonntäglichen Unterbrechung bis Montag fortgesetzt werden.

Sollte es nicht zu einer Einigung kommen, will UFO nach eigenen Angaben eine zweite Urabstimmung durchführen, obwohl bereits in einem ersten Durchgang 97,5 Prozent für einen Arbeitskampf gestimmt hatten. Offenbar ist sich die Gewerkschaftsführung der Kampfbereitschaft der Belegschaft nicht sicher genug. Bis auf kleinere Warnstreikaktionen im Jahr 2009 haben die Stewards und Stewardessen der Lufthansa noch nie gestreikt. Die Gewerkschaft will am kommenden Dienstag (28. August) ihr weiteres Vorgehen verkünden.

UFO-Chef Nicoley Baublies nannte das persönliche Engagement des neuen Personalvorstands der Lufthansa Passage, Peter Gerber, als wichtigen Grund für die Wiederaufnahme der Verhandlungen. Auch habe die Lufthansa in einem offenen Brief «Missverständnisse» über UFO-Forderungen eingeräumt. «Dieses Schreiben hat uns überrascht. Die sogenannte große Lösung, sprich die Verhinderung von Auslagerung, Arbeitsplatzabbau und Leiharbeit, ist für die Kabine von essenzieller Bedeutung», erklärte Baublies in einer Mitteilung.

Von einem offenen Brief sei ihr nichts bekannt, sagte hingegen eine Lufthansa-Sprecherin. Sie bestätigte die Fortsetzung der Verhandlungen bis einschließlich Montag. Man sei nach wie vor optimistisch, am Verhandlungstisch zu einer Lösung zu kommen. Zu Einzelheiten wolle sie sich nicht äußern.

Zuvor hatte Lufthansa wie angekündigt ein abgespecktes Angebot ausschließlich zu Vergütungs- und Eingruppierungsfragen abgegeben, das UFO aber als «reines Spar- und Forderungspaket» charakterisierte. Es sei daher nicht verhandelbar gewesen, erklärte Baublies.

Die Flugbegleiter verlangen neben fünf Prozent höheren Entgelten das Ende der Leiharbeit an Bord von Lufthansa-Maschinen. Sie wollen zudem die Verlagerung von Arbeitsplätzen in die angestrebte Direktflugtochter verhindern und das bisherige Tarifstufensystem weitgehend beibehalten.

Lufthansa sieht sich hingegen wegen des starken Wettbewerbs und anstehender Milliarden-Investitionen zu drastischen Sparmaßnahmen gezwungen und hat auch bereits den Abbau von 3500 Stellen angekündigt. Der einflussreiche Aufsichtsratschef Jürgen Weber hatte das Management zu einem harten Kurs aufgefordert, um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu wahren. (dpa)

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