Der Leidensweg der Infineon-Tochter Qimonda ist zu Ende, zumindest vorläufig. Die Pleite könnte aber auch auf den Mutterkonzern mit seinen 29 000 Beschäftigten übergreifen. Qimonda-Chef Kin Wah Loh verbreitete gestern dennoch Optimismus. Das Insolvenzrecht biete die Chance, seinen Konzern wieder auf eine solide Basis zu stellen und wesentliche Unternehmensteile zu sanieren.
Das Bundeswirtschaftsministerium teilte mit, die Bemühungen zur Rettung seien noch nicht am Ende. "Die Gespräche laufen", sagte eine Sprecherin am Freitag. Das Ministerium unterstütze wie alle betroffenen Landesregierungen den Prozess aktiv. Details wurden nicht genannt.
Als Grund für seine Zahlungsunfähigkeit gab Qimonda den weltweiten Preisverfall für Speicherchips an. Bayerns IG Metall-Chef Werner Neugebauer macht indes eine "schier endlose Serie von Managementfehlern" als Ursache aus. Der Mutterkonzern Infineon habe die allein nicht überlebensfähige Tochter ohne Partner auf den Markt geworfen und es über Jahre hinweg versäumt, einen Investor aufzutreiben. Zudem habe die Pleitefirma unter einem eklatanten Mangel an marktgerechter Entwicklung gelitten.
Experten sind angesichts der tobenden Branchenkrise skeptisch, ob dem Insolvenzverwalter Michael Jaffé die Rettung gelingen und er einen Investor auftreiben kann. "Ich befürchte, dass es sehr schwer wird, ein Werk an den Mann zu bringen", sagte der Chipanalyst der BHF-Bank, Matthias Maus.
Ein maßgeblicher Faktor sei ein dramatisch verschlechterter Zugang zur Finanzierung auf den Kapitalmärkten, erläuterte Konzernchef Loh.
Die Konzernmutter Infineon hat die Finanzierung von Qimonda schon länger eingestellt. Dennoch kann dem Münchner Konzern die Insolvenz in Dresden nicht gleichgültig sein. Infineon könnte durch die Pleite "erheblichen Verbindlichkeiten" ausgesetzt werden, räumte Konzernchef Peter Bauer ein.
Mutter bildet Rückstellungen
Deshalb würden nun Rückstellungen im Bereich einer niedrigen dreistelligen Millionensumme gebildet. Aussagen zur Überlebensfähigkeit des eigenen Konzerns machte Bauer nicht. Der sei kein Wackelkandidat, hatte er noch im Dezember versichert. Infineon hält 77,5 Prozent an Qimonda und droht von dessen Gläubigern in Haftung genommen zu werden.
Die im Dax gelistete Infineon-Aktie verlor deshalb in einer ersten Reaktion ein Zehntel ihres Werts auf noch rund 65 Cent. Im Handelsverlauf erholte sich der Wert wieder leicht. Schon im Vorjahr war das Papier stark verfallen, weil die Chipbranche derzeit rund um den Globus einbricht.
Zwar hat Infineon die Qimonda-Beteiligung voriges Jahr auf null abgeschrieben, nachdem die Dauerverluste der Tochter Infineon ein Rekorddefizit von 3,1 Milliarden Euro beschert hatten. Es drohen nun aber die Rückzahlung staatlicher Fördergelder für die gemeinsam genutzte Fabrik in Dresden sowie Forderungen von Mitarbeitern und aus diversen Rechtsstreitigkeiten. Auch ohne diese Zusatzlasten kalkuliert Infineon 2009 mit anhaltenden Verlusten und einem Umsatzeinbruch um mindestens um ein Drittel.
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