Rostock/Wismar/München. Die Belegschaft der insolventen Wadan- Werften hat die symbolische Besetzung des Betriebsgeländes in Wismar vorerst beendet. "Für heute sind erstmal keine Aktionen geplant", sagte Betriebsrätin Ines Scheel.
Weitere Proteste seien in den kommenden Tagen jedoch nicht ausgeschlossen. Hunderte Mitarbeiter hatten am Donnerstag die Werkstore blockiert, um vor einem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Russlands Präsident Dmitri Medwedew ihre Angst vor Jobverlusten auszudrücken. Beide Politiker hatten bei Gesprächen in München auch über die Lage bei Wadan beraten. "Wir fühlen uns ernst genommen", sagte Scheel.
Auch wenn ihr Kampf ums Überleben mittlerweile in der hohen Politik angekommen ist, neue Hoffnung mag unter den frustrierten Werftarbeitern nicht aufkeimen. Mit ihrer Aktion wollten die Beschäftigte des insolventen Schiffbauers ein öffentliches Alarmsignal gegen das drohende Aus ihrer Traditionsfirma im August setzen.
Hilfszusagen, die über das bereits geschnürte Rettungspaket hinausgingen, blieben aber vorerst aus. Weder Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) noch Russlands Präsident Dmitri Medwedew wollten sich nach ihren Beratungen bei München zu direkter staatlicher Unterstützung äußern.
"Wir werden alles daran setzen", sagte die Kanzlerin knapp - ohne sich auf Details festlegen zu wollen. Weil es sowohl bei Wadan als auch bei möglichen russischen Auftraggebern um privatwirtschaftliche Unternehmen gehe, seien zunächst weitere Prüfungen nötig.
Tags zuvor hatte sich in der seit Wochen um ihre Jobs zitternden Belegschaft zaghafter Optimismus breitgemacht: In einem Treffen auf der Schweriner Bundesgartenschau versicherte Merkel laut Betriebsrätin Ines Scheel, das Thema Wadan zur Chefsache zu machen. Viel mehr als Sondierungsgespräche sprangen dabei offenbar bislang nicht heraus.
Dass Medwedew mit einem fertig geschnürten Paket von Verträgen zu den elften deutsch-russischen Regierungsgesprächen nach Bayern reisen würde, hatte zwar niemand wirklich erwartet. Wohl aber, dass etwas mehr als nur warme Worte fallen würden.
Mehrfach hatte Wadan-Eigentümer Andrej Burlakow, der selbst gute Verbindungen in höchste Moskauer Politkreise haben soll, Bestellungen der dringend modernisierungsbedürftigen Industrie- und Marineflotte angedeutet. Keines der in Aussicht gestellten Projekte fand allerdings bisher Eingang in die leeren Auftragsbücher von Wadan.
Der Warnemünder Betriebsrat Harald Ruschel zeigte sich nicht enttäuscht über die behutsame Linie Merkels. "Ich war nicht der Hoffnung, dass es heute eine Lösung gibt." Er wisse aber, dass sie hinter den Werften stehe. In Warnemünde sei keine Aktion vergleichbar mit der in Wismar geplant. "Wir wollen versuchen, das Pulver noch trocken zu halten. Wir sagen uns: Der letzte Schuss muss sitzen."
Während die Rostocker stillhielten, brach sich der Zorn der Wismarer Bahn. "Wir haben nach einer Betriebsversammlung entschieden, das Tor zu blockieren", berichtete Scheel. Sogar einige Urlauber seien zurückgekehrt. Das belagerte Haupttor wurde mit einer Kette abgeriegelt, dort machten 150 bis 200 Schiffbauer mit Transparenten ("Wir erwarten Entscheidungen!") ihrem Unmut Luft. Planungen zur Gründung einer Transfergesellschaft liefen bereits - was mit den Lehrlingen geschieht, ist noch völlig offen.
"Wir sind am Schwimmen", sagte ein junger Schiffbauer dem Sender NDR 1 Radio MV. Selbst wenn ein Teil der älteren Kollegen von August an für bis zu fünf Monate weiterbeschäftigt und -qualifiziert werden sollte, dürfte der Nachwuchs im Regen stehen. "Wir werden wohl nicht übernommen."
Die Frage bleibt ebenso ungelöst wie der Weiterbau der beiden unvollendeten Großfähren für die schwedische Stena-Reederei, an deren Abnahme Wadans Schicksal vor allem hängt. Der Sprecher von Insolvenzverwalter Marc Odebrecht konnte auch am Donnerstag keine positiven Neuigkeiten vermelden: "Die Verhandlungen laufen weiter." Odebrecht werde sich am Freitag mit der Stena-Spitze treffen. (dpa)
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