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Warenhäuser: Karstadt-Kaufvertrag unterzeichnet

Die Karstadt-Beschäftigten können noch nicht aufatmen, obwohl Nicolas Berggruen den Kaufvertrag für die Kette jetzt unterzeichnet hat. Und auch für die Kaufhof-Belegschaft geht das Bangen weiter.

Die Beschäftigten von Karstadt und Kaufhof müssen weiter um die Zukunft ihrer Warenhäuser - und somit ihre eigene - bangen.
Die Beschäftigten von Karstadt und Kaufhof müssen weiter um die Zukunft ihrer Warenhäuser - und somit ihre eigene - bangen.
Foto: dpa

Düsseldorf/Essen. Der Investor Berggruen hat am Dienstag den Kaufvertrag für die insolvente Warenhauskette Karstadt unterzeichnet. Das teilte der Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg in Essen mit. Der Kaufvertrag sei an Bedingungen geknüpft, hieß es. Dazu gehöre neben der Zustimmung des Kartellamts auch eine Einigung mit dem Vermieter Highstreet.

Highstreet hat mit dem designierten Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen noch keine Einigung über die künftigen Warenhaus-Mieten erzielt. Werde das Angebot des Konsortiums nicht angenommen, drohe Karstadt die Zerschlagung, sagte ein Highstreet-Sprecher am Dienstag.

Geldhaus im Hintergrund

Von Sebastian Wolff

Hinter dem Investor Highstreet steckt ein großes Geldhaus: die US-Investmentbank Goldman Sachs. Sie hält die Mehrheit der Anteile an dem Immobilienfonds. Und der wiederum ist bei Karstadt auch nach dem Zuschlag für Berggruen noch lange nicht aus dem Rennen: Schließlich ist Highstreet als Eigentümer von 86 der 120 Karstadt-Immobilien der wichtigste Vermieter und größte Gläubiger der Warenhauskette.

Im Jahr 2006 hatte der damalige Chef des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor, Thomas Middelhoff, die Immobilien für angeblich vier Milliarden Euro an Highstreet verkauft. Für Karstadt war das aber offenbar ein schlechtes Geschäft, denn das Warenhaus-Unternehmen mietete die Gebäude zurück - für viel zu hohe Preise, wie Kritiker monieren. Die hohen Mieten sollen wiederum zur Insolvenz von Karstadt beigetragen haben.

Insofern ist die Karstadt-Pleite auch eine persönliche Niederlage für Alexander Dibelius, den Deutschland-Chef von Goldman-Sachs. Denn er muss jetzt zusehen, dass er wenigstens noch einen Teil der ausstehenden Mieten eintreibt. Das wird ihm nun, da ihm Berggruen den Warenhauskonzern wegschnappte, sicherlich nicht leichter fallen.

Für Dibelius scheint das Jahr 2010 damit unter keinem guten Stern zu stehen: So musste der Banker herbe Kritik einstecken, nachdem er verkündet hatte, dass Banken keine Verpflichtung hätten, das Gemeinwohl zu fördern. Bei Karstadt dürften daher viele wohl ganz froh sein, dass er nicht zum Zuge kam.

"Highstreet ist bereit zu weiteren Mietsenkungen von 230 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren, zusätzlich zu den bereits im Insolvenzplan zugesagten Sanierungsbeitrag von 160 Millionen Euro über drei Jahre", sagte der Sprecher weiter. Dieses Angebot sei allen Karstadt-Interessenten unterbreitet worden.

Noch keine Einigung

Bisher gebe es aber keine Einigung mit Berggruen. Werde die Highstreet-Offerte nicht angenommen, "steigt die Wahrscheinlichkeit einer Liquidation von Karstadt erheblich". "Eine Einigung mit Highstreet ist Kernbestandteil, um Karstadt zu retten", unterstrich der Sprecher.

Der Gläubigerausschuss hatte Berggruen am Montag den Zuschlag für Karstadt gegeben. Neben ihm buhlten auch das Vermieterkonsortium Highstreet um die US-Investmentbank Goldman Sachs und der Finanzinvestor Triton um die Warenhauskette. Berggruen hatte mehrfach Mietnachlässe für die Warenhäuser gefordert.

Der Handelsriese Metro hält ungeachtet der schwindenden Aussichten auf eine Warenhausallianz in Deutschland an seinen Plänen für eine Trennung von der Tochter Kaufhof fest. "Es hat sich nichts an unserem Ziel verändert, Kaufhof zu verkaufen", sagte ein Metro- Sprecher am Dienstag.

Metro hat keine Eile

Metro habe dabei aber keine Eile und stehe nicht unter Druck. "Wir werden die neue Situation in Ruhe analysieren", sagte der Sprecher weiter. Schließlich entwickelten sich die Geschäfte bei Kaufhof so gut, dass nichts überstürzt werden müsse.

Metro wollte Kaufhof und einzelne Warenhäuser des Konkurrenten Karstadt zusammenführen. Am Montag hatten die Gläubiger von Karstadt aber entschieden, dass das insolvente Unternehmen an den Investor Nicolas Berggruen gehen soll, der den Konzern als Ganzes weiterführen will.

Finanzinvestoren hatten kürzlich bei Kaufhof die Prüfung der Bücher weitgehend abgeschlossen. "Die Interessenten sind mit ihrem Einblick in unsere Bücher im Wesentlichen fertig", hatte ein Metro-Sprecher gesagt. Branchenkreisen zufolge könnten die Interessenten die Lage nun aber angesichts der Entwicklung bei Karstadt neu analysieren.

Auf Seite 2: Wie reagiert die Belegschaft?

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Datum:  8 | 6 | 2010
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