Das böse Wort "Kreditklemme" ist wieder da.
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Das gefürchtete Wort ist wieder da. Er habe Angst vor einer Kreditklemme, sagt ein Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank EZB. Er steht mit seiner Warnung nicht alleine da.
Notenbanker treten in der Öffentlichkeit üblicherweise eher emotionslos auf. Yves Mersch, Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) aus Luxemburg, machte da am Ende der vergangenen Woche eine Ausnahme. Er zeigte Gefühl: „Wir haben Angst vor einer Kreditklemme“, gestand er beim ZDF einem Millionenpublikum.
Das gefürchtete Wort ist wieder da. Kreditklemme bedeutet: Banken verleihen nicht mehr genug Geld. Firmen und Haushalte bitten vergeblich um Kredite und müssen sparen. Damit schrumpft ihre Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, Pleiten drohen. Das könnte „unsere Volkswirtschaften − inklusive der besten − wieder in eine Rezession stürzen“, warnte Mersch.
Systemrelevant: Die gefährlichsten Banken
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Systemrelevant: Die gefährlichsten Banken
Nahezu fantastische Zahlen können die japanischen Banken vorweisen, obwohl das Land selbst bei der Staatsverschuldung ganz oben mitmischt. Eine Eigenkapitalquote von 78,36 Prozent hat die Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ - die Bank Sumitomo Mitsui kann 77,64 Prozent vorweisen.
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Ebenfalls aus Japan kommt Mizuho mit einer Eigenkapitalqote von 77,10 Prozent.
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Die erste amerikanische Bank ist die Bank of New York Mellon - hier eine Filiale in Brüssel. Sie hat eine Eigenkapitalqote von 13,41 Prozent - dabei liegt die Bilanzsumme bei einem Bruchteil von dem, was die Deutsche Bank in ihrer Bilanz ausweist. Kurz auf Mellon folgt mit 11,08 Prozent die State Street.
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Auch die nächsten Kandiaten kommen aus USA: Wells Fargo - die im Logo noch an die Postkutschen-Geldtransfers erinnert - kommt auf 10,17 Prozent...
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...das drittgrößte US-Institut Bank of America kommt auf 10,08 Prozent - und damit über die Quote von neun Prozent, welche die europäische Bankenaufsicht bis Mitte 2012 von den Banken dort fordert.
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Die Citigroup - hierzulande bekannt durch ihren Ableger Citibank - verfügt über 8,66 Prozent Eigenkapitalquote.
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Goldman Sachs hat nur ein Drittel der Bilanzsumme der Deutschen Bank, aber 8,58 Prozent Eigenkapitalquote.
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Den Frankfurtern ist die amerikanische Bank JPMorgan Chase vor allem wegen des Marathons bekannt. Doch die New Yorker Bank läuft den deutschen Banken auch mit 8,32 Prozent Eigenkapitalquote weit davon.
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Die letzte systemrelevante Bank aus den USA ist Morgan Stanley - mit einer Quote von 8,10 Prozent.
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Lange vor der ersten deutschen Bank schaffen es die Italiener auf die Liste der systemrelevanten Banken mit hoher Eigenkapitalquote: Unicredit schafft 7,28 Prozent.
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Doch noch immer keine deutsche Bank - die größte Bank der Euro-Zone ist die spanische Santander Bank. Sie muss bis 2012 ihre Quote von 6,65 Prozent auf neun Prozent steigern.
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Die nächsten auf der Liste sind schon wieder im Ausland: Die Bank of China in Peking hat 6,46 Prozent Quote.
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Obwohl auch die Banken in Großbritannien von der Krise geschüttelt wurden, schafft es die HSBC mit 6,31 Prozent....
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... und selbst die Royal Bank of Scotland mit 5,29 Prozent Eigenkapitalquote noch weit vor die deutschen Banken.
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Die altehrwürdig anmutende englische Lloyds Banking Group kommt auf eine Eigenkapitalquote von 4,73 Prozent.
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Frankreich selbst drohen die Ratingagenturen schon mit Abwertung der Kreditwürdigkeit, aber eine der drei ältesten Banken Frankreichs verfügt bei einer etwas mehr als halb so großen Bilanzsumme wie die der Deutschen Bank über eine Eigenkapitalquote von 4,5 Prozent: Die Société Générale musste dabei sogar jüngst griechische Staatsanleihen im großen Stil abschreiben. Es folgt mit 4,47 Prozent die Credit Agricole.
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Ebenfalls aus Frankreich: BNP Paribas mit 4,29 Prozent.
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Auch die Schweiz hat systemrelevante Banken. Bei der Credit Suisse liegt die Eigenkapitalquote bei 4,38 Prozent, gefolgt von der schwedischen Nordea mit 4,22 Prozent.
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Die britische Barclays Bank hat weniger auf Staatsanleihen als auf Privatkunden gesetzt und hält sich deshalb für weniger gefährdet. Die Quote liegt bei 4,18 Prozent.
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Die Schweizer Bank UBS war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, weil einer ihrer Londoner Broker heimlich Milliarden verzockte. Sie zählt zu den weltweit größten Vermögensverwaltern und hat eine Eigenkapitalquote von 3,94 Prozent.
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Die Schlusslichter bei der Eigenkapitalquote: Die deutsche Commerzbank könnte nach Einschätzung der Ratingagentur Fitch zwar erneut Staatshilfen benötigen, und liegt bei der Eigenkapitalquote mit 3,8 Prozent auf dem viertletzten Platz.
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Die niederländische ING Gruppe hat noch 3,76 Prozent.
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Den letzten Platz macht der Deutschen Bank nur ein Institut streitig, das gerade mit Staatshilfe gerettet werden muss. Den vorletzten Platz bekommt die Deutsche Bank mit 2,64 Prozent Eigenkapitalqote.
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Die belgisch-französische Bank Dexia muss auf Hilfen der belgischen Notenbank zurückgreifen. Ihre Eigenkapitalquote liegt bei 1,89 Prozent - ihre Bilanzsumme ist allerdings nur ein Viertel so groß wie die der Deutschen Bank.
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Die G20-Staaten haben 29 Banken als systemrelevant ausgeguckt: Diese Banken könnten bei ihrem Sturz die Welt erschüttern. Deshalb sollen sie das Polster aus Eigenkapital aufstocken, damit nicht der Steuerzahler bei einer Pleite wieder in die Bresche springen muss. Ein wichtiger Hinweis auf die Gefährlichkeit einer Bank ist ihre Eigenkapitalquote: Sie setzt das Eigenkapital in Beziehung zur Bilanzsumme. Wir zeigen ein Ranking der Banken nach dieser Quote auf Basis von Daten der Agentur Bloomberg.
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Für David Milleker, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Union Investment, ist die Kreditklemme in weiten Teilen Europas bereits Realität. „Zumindest für die Peripheriestaaten kann man das ganz klar sagen“, sagt Milleker der Frankfurter Rundschau. Besonders in Irland, Portugal und Griechenland, wo die Banken unter dem Wertverlust heimischer Staatsanleihen litten, sei die Kreditvergabe bereits „massiv eingeschränkt worden“. Ähnliche Tendenzen beobachtet der Ökonom „in den ersten Anfängen“ auch in Spanien und Italien. Dies wird auch Deutschland spüren: „Die Nachfrage nach deutschen Waren und Dienstleistungen wird dort zurückgehen“, prognostiziert Milleker.
Auch hierzulande häufen sich die Warnungen vor einer Kreditklemme. „Es ziehen dunkle Wolken auf“, sagt Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie. Der Präsident des Chemieverbandes VCI, Klaus Engel, beurteilt die Lage bereits dramatischer: „Für den Mittelstand ist es schwieriger geworden bei der Finanzierung, da klemmt es“, sagt er.
Warum Banken nicht mehr so freigiebig wie einst Darlehen vergeben, ist in der Branche unumstritten. „Die Auswirkungen der Staatsschuldenkrise und die von der europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA geforderten verschärften Eigenkapitalanforderungen erhöhen die Eintrittswahrscheinlichkeit einer Kreditklemme“, sagt Jan Bettink, Präsident des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken.
Banken von Zielvorgaben weit entfernt
In der aktuellen Situation zeigt sich, wie schwer es ist, Lehren aus der Finanzkrise zu ziehen − und diese auch umzusetzen. Seit langem ist man sich einig, dass die Banken für schwere Tage einen größeren Kapitalpuffer benötigen. Jetzt sollen die Kreditinstitute liefern, obwohl sie infolge der Staatsschuldenkrise parallel schon zig Milliarden Euro aus ihrem Anleihevermögen abschreiben müssen. Bis Ende Juni wird von ihnen eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent gefordert − auf Basis einer Bewertung aller europäischen Staatsanleihen zu Marktpreisen, was mit teils erheblichen Abschreibungen verbunden ist.
Die Finanzkrise - wie alles begann
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Die Finanzkrise - wie alles begann
Im April 2007 muss einer der größten US-Hypotheken-Anbieter Gläubigerschutz bei der Börsenaufsicht beantragen. Die New Century Financial hat sich mit Risikokrediten verkalkuliert, die die Schuldner nicht mehr zurückzahlen können. Die Bank wird zahlungsunfähig und bleibt ihren Gläubigern selbst acht Milliarden Dollar schuldig. 3200 Leute verlieren ihren Job, viele Amerikaner müssen ihre Häuser verkaufen.
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Schon schrillen an der Wall Street die Alarmglocken: Zwei Hedgefonds der New Yorker Investmentbank Bear Stearns haben in großem Stil in die Immobilien-Papiere investiert. Die Bank erleidet dramatische Kurseinbrüche. Sie wird zwar in letzter Minute durch eine Finanzspritze von der amerikanischen Notenbank gerettet, der Kursrutsch hat an der Börse allerdings Panik ausgelöst.
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Bei den Menschen lösen die Nachrichten Panik aus: Besorgte Kunden stürmen im September 2007 die Schalter der britischen Bank Northern Rock. Die Regierung und die Bank von England garantieren die Einlagen, Northern Rock wird vom Staat übernommen.
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Die Krise rollt über den Atlantik nach Deutschland: Die deutsche Mittelstandsbank IKB erlebt eine Fast-Pleite - ebenfalls durch riskante Spekulationen. Nach dem Notverkauf an einen Finnazinvestor rollen die Köpfe. Diese beiden sollen die nun Industriebank aus der Krise führen: Der neue Vorstandsvorsitzende Günther Bräunig und Finanzvorstand Reinhard Grzesik.
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Anfang September 2008 stolpern die beiden größten Baufinanzierer der USA, Fannie Mae und Freddie Mac, über die faulen Kredite. Am Ende mischt sich die US-Regierung in den Markt ein und greift beiden Instituten unter die Arme. Beide Banken zusammen tragen etwa die Hälfte aller amerikanischen Hypotheken.
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Damit die Geldmärkte durch die großen Wertverluste an den Aktienmärkten nicht austrocknen, pumpen die EZB und Notenbanken auf der ganzen Welt kurzfristig mehrere hundert Milliarden in den Geldmarkt. Trotzdem können sie die Katastrophe nicht verhinden...
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Der 15. September 2008 wird wohl als "schwarzer Montag" in die Geschichte eingehen: Die einflussreiche US-Bank Lehman Brothers muss Insolvenz anmelden.
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Lehmans Konkurrent Merrill Lynch wird von der Bank of America aufgekauft. Von heute auf morgen müssen hunderte Banker ihre Büros räumen. Sie stehen nun auf der Straße und beobachten fassungslos den Untergang der sicher geglaubten Bankenwelt.
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Der US-Leitindex Dow Jones erleidet den stärksten Tagesverlust seit den Terrorattacken am 11. September 2001. Auch der Dax bricht zusammen. An den Börsen weltweit herrscht der Ausnahmezustand.
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Und wieder lässt das Echo in Deutschland nicht lange auf sich warten: Die deutschen Landesbanken, allen voran die WestLB und die BayernLB, verzeichnen millionenschwere Abschreibungen. Sie hatten in großem Stil bei Lehman Brothers investiert.
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Den größten Patzer leistet sich die Mittelstandsbank IKB: Obwohl die Pleite von Lehman Brothers inoffiziell schon bekannt ist, überweist das Management 336 Millionen Euro. Das Geld ist weg - die Verantwortlichen müssen das Bankhaus ebenfalls verlassen.
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Der Versicherungsriese AIG gerät durch Milliardenverluste in akute Kapitalnot. Der Aktienkurs bricht um 68 Prozent ein, die Weltbörsen setzen ihre Talfahrt fort. Die Notenbanken pumpen noch einmal fast 150 Milliarden Euro in den Geldmarkt. Tags darauf rettet die Bank of America AIG mit einem Kredit von 85 Milliarden Dollar.
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Auf der ganzen Welt rücken die überlebenden Banken zusammen: Die zweitgrößte US-Investmentbank Morgan Stanley nimmt Fusionsverhandlungen mit dem US-Finanzkonzern Wachovia auf. Die britische Großbank Lloyds TSB übernimmt die kriselnde schottische Bank HBOS.
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Die US-Regierung unter der Führung von Finanzminister Henry Paulson ersinnt am 19. September ein milliardenschweres Rettungspaket und löst damit ein Kursfeuerwerk an den Börsen aus. Paulson wird als "King Henry" gefeiert. Die USA und Großbritannien verhängen ein weitreichendes Verbot für sogenannte Leerverkäufe, also Wetten auf sinkende Aktienkurse.
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Am 22. September kippt das 75 Jahre alte Modell der unabhängigen US-Investmentbanken: Die letzten verbliebenen Institute, Goldman Sachs und Morgan Stanley, geben ihren Sonderstatus auf und werden gewöhnliche Geschäftsbanken.
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Geldmann für Goldman: Der Amerikaner Warren Buffett wird zum milliardenschweren Schutzengel und unterstützt die ehemalige Investmentbank Goldman Sachs mit einer beispiellosen Finanzspritze. Damit verhindert er den Zusammenbruch eines weiteren traditionellen Bankhauses.
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Die größte Sparkasse der USA, Washington Mutual, fällt der Finanzkrise zum Opfer. Sie wird von JPMorgan Chase übernommen. In Europa bangen die Menschen um ihre Spareinlagen.
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Die Bankenkrise sorgt sogar für einen kurzfristigen Waffenstillstand im US-Wahlkampf. Ein Krisentreffen zwischen Präsident Bush und den beiden Kandidaten, Barack Obama und John McCain, bleibt allerdings ergebnislos. Der Senat stimmt nach tagelangen Debatten dem überarbeiteten Rettungsplan zu, der zusätzliche 100 Milliarden Dollar für Hausbesitzer und Unternehmen vorsieht.
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Doch die Krise ist nicht aufzuhalten und zieht weite Kreise in Europa: Der belgisch-niederländische Immobilienfinanzierer Fortis erleidet den größten Kursverlust seiner Geschichte. Der belgische Staat stellt schließlich in Absprache mit der EU-Kommission das rettende Finanzpaket.
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Ein ähnliches Schicksal erleidet die deutsche Hypo Real Estate. Auch hier springt der Staat rettend ein und löst damit eine Debatte um eine "Komplettlösung" für den Bankensektor aus. Andere europäische Länder wie Irland und Österreich haben bereits einen staatlichen Schutzmantel in Form einer Einlagensicherung über ihre Landesbanken gebreitet.
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Auch die Bundesregierung möchte den Sparern die Angst nehmen. Am 6. Oktober spricht Angela Merkel nach stundenlangen Verhandlungen eine Garantie für die Spareinlagen ihrer Bürger aus.
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Doch auch die guten Nachrichten vermögen die Talfahrt an der Börse nicht zu stoppen: Der Dax fällt am gleichen Tag auf einen historischen Tiefststand.
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Nebel über Island: Auf der Insel beginnt ein beispielloser Bank-Run. Kunden der Kaupthing-Bank, die im Ausland mit Zinssätzen von über sechs Prozent um Sparer geworben hatte, bleiben im Unklaren über ihre Einlagen. Deutsche Verbraucherschützer sind empört.
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Ende Oktober fordert die Finanzkrise in Deutschland ihr erstes politisches Opfer: Erwin Huber, bayrischer Finanzminister, stolpert über die desolate Lage der landeseigenen BayernLB, die als erste Bank unter den 500-Milliarden-Euro schweren Rettungsschirm des Bundes schlüpft.
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Nach der angeschlagenen Hypo Real Estate greift Anfang November auch die Commerzbank in großem Stil auf das Rettungspaket der Bundesregierung zurück und bessert damit ihr Kapital auf.
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Mitte November: Nach den Banken gerät die nächste Branche in Bedrängnis. Fast alle deutschen Autobauer drosseln die Produktion. Opel, deutsche Tochter der amerikanischen General Motors, ruft nach staatlicher Hilfe - und noch ist kein Ende der Spirale in Sicht.
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Text: Miriam Olbrisch
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So fing es an: Börsenkurse auf der ganzen Welt brechen ein. (Archiv)
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Viele Geldhäuser sind von dieser Zielvorgabe noch weit entfernt. Der jüngste Stresstest der europäischen Bankenaufsicht EBA kam zu dem Ergebnis, dass bei den Kreditinstituten auf dem Kontinent eine Kapitallücke von 115 Milliarden Euro klafft. Union-Chefvolkswirt Milleker: „Das Risiko einer Kreditklemme hat sich dadurch potenziert.“
Denn viele Bankmanager stehen nun vor schier unlösbaren Aufgaben. Ihre Gewinne sind eingebrochen, der Verkauf von Geschäftsteilen scheitert mangels Nachfrage und eine Kapitalerhöhung am Misstrauen der Märkte. Zu einer Reduzierung der Bilanz gibt es für viele Häuser also keine Alternative. Das bedeutet, es werden weniger Kredite ausgegeben, denn die müssen mit wertvollem Eigenkapital unterlegt werden. Die Bank of America/Merrill Lynch rechnet europaweit mit einem Abbau von Bilanzrisiken in den Bankbüchern in Höhe von mehr als einer Billion Euro, um die Auflagen zu erfüllen. Holger Bross, Investmentbank-Chef des Instituts in Deutschland, warnt vor gravierenden Folgen: „Was regulatorisch Sinn ergibt für die Banken, ist für das Wirtschaftswachstum Gift.“
EBA-Chef Andrea Enria versucht nun gegenzusteuern: Die EBA werde nicht erlauben, dass die Kreditvergabe reduziert wird, sagte Enria dem Spiegel. Wenn eine Bank die Kreditvergabe an kleinere und mittlere Unternehmen zurückfahre, werde das nicht zur Stärkung des Kapitals gerechnet. In der Branche sind jedoch die Zweifel groß, dass die EBA das durchzusetzen vermag.
Unterstützung bei ihrer Aufgabe erhalten die Banken von der Notenbank. Sie öffnet ihre Geldschleusen. Auf seiner Dezember-Sitzung senkte der EZB-Rat nicht nur den Leitzins auf ein Prozent, sondern stellt den Banken erstmals Liquidität mit einer Laufzeit von drei Jahren zur Verfügung. Die Institute müssen zudem weniger Geld als Sicherheit bei der EZB hinterlegen, wodurch mehr Kredite ausgereicht werden können. Obendrein wird die Mindestreserveanforderung auf ein Prozent halbiert. „Diese Maßnahme setzt Liquidität von rund 100 Milliarden Euro im Bankensektor frei“, erklärte Notenbank-Präsident Mario Draghi.
Union-Chefvolkswirt Milleker lobt diesen unkonventionellen Schritt der EZB. Ein dauerhaftes Gegenmittel gegen eine Kreditklemme sei das aber nicht. „Es verlangsamt den Prozess, aber es hält ihn nicht auf.“