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11. Februar 2016

Wegen Société Générale: Der Ausverkauf an den Börsen geht weiter

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Geht es rauf oder runter? Börsenhändler in Frankfurt.  Foto: dpa-tmn

Nach einer kurzen Pause geht der Ausverkauf an den Börsen weltweit weiter - auch beim deutschen Dax. Vor allem Bankaktien verlieren an Wert, Auslöser ist diesmal das Ergebnis der französischen Société Générale.

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Der Ausverkauf an den Aktienmärkten ist am Donnerstag in eine neue Runde gegangen. Die Börsenkurse rutschten auf breiter Front ab, im laufenden Jahr hat der Deutsche Aktienindex bereits 18 Prozent verloren. Besonders hart traf es abermals Finanztitel, die der Deutschen Bank verloren bis zum späten Nachmittag weitere neun Prozent. „Das kann man wohl als Fast-Panik bezeichnen“, kommentierte Holger Schmieding, Ökonom bei der Berenberg Bank in London, das Börsengeschehen.

Auslöser des Kursverfalls war am Donnerstag die französische Bank Société Générale. Nach der Deutschen Bank und der Credit Suisse legte auch sie enttäuschende Ergebnisse vor. Zwar stieg der Gewinn im vierten Quartal 2015 auf 656 Millionen Euro. Doch waren dies rund 300 Millionen weniger, als Analysten im Durchschnitt erwartet hatten. In der Folge stürzten Société-Générale-Aktien um bis zu 15 Prozent ab. In den vergangenen drei Monaten haben sie 38 Prozent eingebüßt, bei der Deutschen Bank und Credit Suisse sind es sogar 46 Prozent. Noch stärker abwärts ging es mit einigen italienischen Instituten – Italiens Banken leiden darunter, dass fast ein Fünftel ihrer ausgegebenen Kredite als faul gilt.

Bereits seit Wochen geht es mit den Kursen bergab, global gesehen verzeichneten die Aktienmärkte ihren schlechtesten Januar seit sieben Jahren. Zwei Billionen Dollar an Aktienwerten haben sich in Luft aufgelöst, so die Finanzagentur Bloomberg.

Was den Börsenabsturz antreibt, ist ein Cocktail von Befürchtungen: Die Zentralbanken scheinen nicht in der Lage zu sein, die globale Konjunktur zu stärken, trotz extrem niedriger Zinsen. Es kursiert die Sorge um einen drastischen Wachstumseinbruch in China, der zweitgrößten Ökonomie der Welt, an deren Entwicklung eine Vielzahl von Rohstoffpreisen hängt. Der Ölpreisrückgang um 70 Prozent in den letzten 18 Monaten bringt Schwellenländer wie Russland in Finanznöte, verhagelt den großen Energiekonzernen das Geschäft und sorgt für einen Rückgang der Gewinne der US-Industrie. In der Euro-Zone scheint die konjunkturelle Erholung zwar voranzuschreiten. Doch warnte die Ratingagentur Standard & Poor’s am Mittwoch, Europas Wirtschaft könnte ihren Höhepunkt bereits erreicht haben.

Die Banken und ihre Aktien stehen derzeit im Fokus der Befürchtungen. Denn sie sind die Finanziers der Weltwirtschaft – so hat die Société Générale zum Beispiel knapp 24 Milliarden Euro an Öl- und Gas-Unternehmen verliehen. Angesichts schwacher Konjunktur und niedriger Zinsen fällt es den Kreditinstituten schwer, Erträge zu generieren. Daneben sind sie von den Regulationsbehörden gezwungen, höhere Kapitalreserven beiseitezulegen, was die Erträge belastet. Und schließlich kosten Rechtsstreitigkeiten Geld – seit 2009 haben allein zehn europäische Banken 15,5 Milliarden an Strafen und Ausgleichszahlungen leisten müssen.

Ein gefährlicher Zirkel

An den Finanzmärkten wird nun die Gefahr durchgespielt, dass einige Banken ihre Verbindlichkeiten nicht fristgerecht bedienen können – was eine Bedrohung für die ganze Branche ist, da alle Banken über Kreditbeziehungen miteinander verbunden sind. Deutsche-Bank-Chef John Cryan hatte sich daher Anfang dieser Woche bemüßigt gesehen zu versichern, sein Kreditinstitut sei zahlungsfähig. Am Donnerstag folgte Société-Générale-Chef Severin Cabannes: Es existiere „absolut kein Risiko“, dass Schulden nicht bedient würden. „Die Ängste sind übertrieben und haben mit der Realität nichts zu tun“, sagte er Bloomberg TV.

Die Sorgen um Banken und Konjunktur drücken die Aktienkurse, und dies nährt weiter die Unsicherheit an den Finanzmärkten. Ein Teufelskreis. Fundamental gesehen sei die globale Wirtschaft nicht in Gefahr, so Berenberg-Ökonom Schmieding. Das billige Öl stütze das moderate Wachstum in den Industrieländern, in China seien die Daten zum privaten Konsum positiv. Die größte Gefahr für den Markt sei der Markt selbst. „Derart heftige Kursbewegungen können das Vertrauen und die Ausgaben der Wirtschaftsakteure drücken“, sagte er. Ein erhöhtes Risikobewusstsein führe zudem zu steigenden Zinsen, was Schuldner und Konjunktur belaste. „Eine Panik kann selbst Fakten schaffen, auch wenn die zugrunde liegenden Fundamentaldaten dies nicht rechtfertigen.“

Das bestätigte am Donnerstag die Chefin der US-Notenbank Fed Janet Yellen. Vor einem US-Parlamentsausschuss sagte sie, sie ginge zwar weiter von einem „moderaten“ Wachstum der amerikanischen Wirtschaft im Jahr 2016 aus. Allerdings sei das Finanzumfeld in jüngster Zeit weniger günstig für das US-Wachstum. Sollte diese Entwicklung anhalten, dann könne dies Auswirkungen auf Konjunktur und Arbeitsmarkt haben.

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