kalaydo.de Anzeigen

50 Jahre Welthungerhilfe: "Die neuen Straßen nutzen wir auch"

Wenn Schwellenländer in Afrika investieren, findet Welthungerhilfe-Präsidentin Dieckmann das grundsätzlich positiv. Nahrungsmittel sollten allerdings fürs Inland produziert werden, sagt sie und fordert: Keine Kinderarbeit, faire Löhne, humane Arbeitsbedingungen.

Barbara Dieckmann.
Barbara Dieckmann.
Foto: dpa

Frau Dieckmann, fast alle großen Katastrophen 2011 wurden durch veränderte Klimabedingungen ausgelöst. Haben wir immer neue Jahrhundertfluten und Jahrhundertdürren zu erwarten?

Früher traten solche Phänomene nur alle zehn bis zwölf Jahre auf. Jetzt werden die Abstände immer kürzer. Wir haben Jahre vergeudet mit Diskussionen, ob man diese Folgen tatsächlich dem Klimawandel zuschreiben kann. Die Ursachen sind zwar seit zehn, 15 Jahren unumstritten. Doch nun vergeuden wir Zeit mit dem Streit, wer seine Emissionen um wie viel reduzieren muss. Dabei sind es eindeutig die Industriestaaten, die die meisten klimaverändernden Stoffe produzieren. Und es sind die Entwicklungsländer, die den Klimawandel am meisten spüren.


Wie ist den Menschen dort zu helfen, wenn der Klimawandel nicht gestoppt wird?

Man kann versuchen, die Menschen auf den Klimawandel vorzubereiten und ihnen helfen, sich an die veränderten Bedingungen besser anzupassen. Die Welthungerhilfe fördert das zum Beispiel in Äthiopien oder Kenia durch den Anbau dürreresistenter Pflanzen. In Kenia erproben wir neue Wasserauffangsysteme. Wir brauchen aber auch Investitionen in neue Energiesysteme, den Bau von Lagerhäusern sowie neue Technologien für die Verarbeitung von Agrarprodukten. Außerdem müssen wir vorhandene Frühwarnsysteme ernst nehmen. Bei der Hungerkatastrophe in Ostafrika war schon Monate vorher bekannt, dass mehrere Länder von der Dürre betroffen sein würden. Aber es ist nicht eindringlich genug gewarnt und nicht rechtzeitig reagiert worden.

Kommen Hilfsorganisationen ob der Vielzahl und Schwere der Katastrophen nicht an ihre Grenzen? Reichen die Ressourcen für diese immens wachsenden Aufgaben?
Die Industriestaaten müssen mehr Geld für den Kampf gegen die Folgen des Klimawandels in den Entwicklungsländern bereitstellen, weil sie die Hauptverantwortlichen für diesen Wandel sind. Aber selbst wenn wir noch so viel Geld bekommen – es wird nicht reichen, wenn wir nicht die Ursachen beseitigen.

"Wir helfen Menschen, ihre Rechte wahrzunehmen"

Mancher könnte jetzt sagen: Wir haben selbst genug Probleme, was geht uns das an…

Wenn sich zum Beispiel Dürren wie jetzt am Horn von Afrika häufen, werden die Menschen in dieser Gegend bald nicht mehr leben können. Sie werden in die Städte gehen, und wenn sie auch dort keine Arbeit finden, wandern sie weiter. Sehen Sie sich doch die Bilder von Lampedusa an: die überfüllten Flüchtlingsboote, die Europa ansteuern. Ich glaube nicht, dass wir in einer globalisierten Welt unbeteiligt zuschauen können, wie dort um die knappen Ressourcen Boden und Wasser Kriege und Unruhen ausbrechen – was heute schon passiert.

Hat die Arbeit von Hilfsorganisationen nicht auch die Funktion einer Beruhigungspille nach dem Motto: Wir tun doch etwas?

Nichtregierungsorganisationen können zwar die Öffentlichkeit für Probleme sensibilisieren, aber sie können nun mal kein Klimaabkommen schließen. Doch als Beruhigungspille sehe ich unsere Arbeit nicht: Wir können enormen politischen Druck aufbauen und das tun wir auch. Indem wir die Menschen befähigen, ihre Rechte wahrzunehmen. Und wenn die Bauern oder Landarbeiter nicht mehr hungern, schicken sie ihre Kinder zur Schule, Frauen nehmen stärker am öffentlichen Leben teil, eine Zivilgesellschaft entsteht. Die Demokratie-Bewegung in Nordafrika gibt es auch deshalb, weil dort eine gebildete Jugend herangewachsen ist, die ihre Rechte einfordert.

Die Landwirtschaft ist Jahrzehnte vernachlässigt worden und erst wieder mit der Agrarpreiskrise 2008 interessant geworden. Werden die Lehren dieser Krise beherzigt?
In Deutschland ist der Anteil der Entwicklungshilfe für ländliche Entwicklung wieder gestiegen. Es fließen 700 Millionen in die ländliche Entwicklung – und das ist ein ordentlicher Betrag. Leider ist die gesamte deutsche Entwicklungshilfe noch viel zu weit von den versprochenen 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens entfernt.

1 von 2
Nächste Seite »
Autor:  Bernd Salzmann
Datum:  26 | 12 | 2011
Seiten:  1 2
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.


Faktencheck
Zurück zur Drachme um den Euro zu retten?

Griechenland steht im Ruf, über seine Verhältnisse gelebt zu haben. Mythen über die Ursachen der Krise.

Fotostrecke
Forum Entwicklung
Das Forum Entwicklung ist eine Veranstaltungsreihe von FR, Giz und HR-Info.

Am 31. Mai diskutiert FR-Redakteur Tobias Schwab mit Fernsehköchin Sarah Wiener und weiteren Gästen das Thema "Wer verdient am Kaffee?"

Faktencheck
Steigende Beiträge zur Sozialversicherung - die Zukunft?

Was würde passieren, wenn Deutschland ein Sparpaket bewältigen müsste wie Griechenland? Ein erschreckendes Szenario.

Ressort

Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.


Anzeige

Tops und Flops in der Wirtschaft

Anzeige

 

Video

  • 6.339,94 Pkt. +24,05 (+0,38%)
  • 10.196,44 Pkt. -35,08 (-0,34%)
  • 752,47 Pkt. +0,62 (+0,08%)
  • 8.580,39 Pkt. +17,01 (+0,20%)
  • 1,2512 USD -0,0003 (-0,02%)
in Zusammenarbeit mit Finanzen100.de
Atommüll-Endlager
Schacht Konrad - Das ehemalige Erzlager soll 2019 den Betrieb als Endlager für Atommüll aufnehmen. Geplant ist, 90 Prozent des gesamten Volumens der radioaktiven Abfälle in Deutschland zu lagern.

Der Bau des Endlagers für Atommüll wird voraussichtlich erst 2019 fertig. Es drohen Zusatzkosten von bis zu einer Milliarde Euro. Zur Grafik...

 Mehr...

Brutto / Netto Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen
Anzeige

Finden Sie jetzt gezielt den richtigen Partner für eine glückliche Beziehung. So wird Ihre Partnersuche ganz einfach.

ANZEIGE
- Business
- sonstiges
- Kauftipps!