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07. Februar 2016

Weltwirtschaft : Fällt China, fällt Afrika

 Von 
Minenarbeiter in Mhondoro-Ngezi, Simbabwe. Die niedrigen Rohstoffpreise sind für den Abschwung mitverantwortlich.  Foto: rtr

Das abgeschwächte Wirtschaftswachstum in China hat für viele afrikanische Länder katastrophale Folgen. Besonders die Rohstoffexporteure trifft es hart - im vergangenen Jahr sind die afrikanischen Ausfuhren um fast 40 Prozent eingebrochen.

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Johannesburg –  

Sie gelten als Afrikas beste Freunde – als Brüder erfolgreicher Entwicklungsnationen, die im Gegensatz zu den ehemaligen Kolonialmächten nur das Beste für den geknechteten Erdteil wollen. Chinesen haben vor allem unter afrikanischen Regenten einen kaum zu überbietenden Ruf: Sie sind die Heilsbringer, die dem Kontinent der Krankheiten, Katastrophen und Kriege aus der Misere helfen sollen.

Das gilt zumindest, solange der Wirtschaftsmotor im Reich der Mitte rund läuft. Kommt dieser, wie derzeit, ins Stottern, sind die Auswirkungen in Afrika katastrophal – und die vermeintliche chinesische Solidarität weicht dem Eigennutz der aufstrebenden Supermacht. Wegen des gedämpften Wirtschaftswachstums am Mekong – mit „nur“ gut 6 Prozent wächst Chinas Ökonomie derzeit so langsam wie seit 1990 nicht mehr – brach im vergangenen Jahr das zuvor von einem Rekord zum anderen jagende chinesisch-afrikanische Handelsvolumen ein: Afrikas Exporte fielen um fast 40 Prozent, und um dieselbe Marge trockneten Chinas Investitionen im brüderlichen Erdteil ein.

Als zusätzlicher Schock kam im Juni vergangenen Jahres auch noch Pekings überraschende Abwertung des Yuan um zwei Prozent hinzu. Sie stärkte zwar die chinesische Exportindustrie, doch den Rohstoffeinfuhren aus Afrika verpasste sie einen weiteren Dämpfer. Das einzige, was im Schreckensjahr der chinesisch-afrikanischen Wirtschaftsbeziehungen nicht litt, waren Chinas Exporte: Sie stiegen sogar noch um 3,6 Prozent auf 102 Milliarden Dollar. Kein guter Trend für die Handelsbilanzen der afrikanischen Staaten: Letztere mussten noch mehr Devisen als ohnehin schon finden, um die sich immer weiter öffnende Kluft schließen zu können.

Ende des Rohstoff-Booms?

Chinas relative Schwäche ließ außerdem die Rohstoffpreise purzeln – manche verloren bis zu zwei Drittel ihres Wertes. Der 15 Jahre währende Bodenschatzboom scheint endgültig vorbei zu sein.

Afrikas Wirtschaftswachstum, das über eine Dekade hinweg Durchschnittswerte von sechs Prozent erreichte und viele bereits über „Afrikas Aufstieg“ jubeln ließ, betrug im vergangenen Jahr nur rund vier Prozent – der Süden des Erdteils musste sich sogar mit 2,5 Prozent begnügen.

Besonders hart traf es vom Rohstoffexport abhängige Staaten wie Südafrika, Sambia, Angola und Nigeria: Sie alle häufen derzeit Schulden über Schulden an. Angola wandte sich wie der Bankrottstaat Simbabwe bereits an Peking, um Überbrückungskredite zu erbetteln. Doch der chinesische Bruder schüttelte den Kopf. Zu Recht, meinen Experten: Denn dass der Boom bald weitergeht und Chinas Wachstumsrate wieder auf zweistellige Werte steigt, sei schon alleine wegen der rückgängigen Bevölkerungszahl im Reich der Mitte unwahrscheinlich.

Mit den Rohstoffpreisen stürzten schließlich auch Afrikas Währungen in den Keller. Allein in den sechs Monaten nach der Abwertung des Yuan im Juni des vergangenen Jahres verlor der südafrikanische Rand ein Viertel seines Wertes, der Aderlass setzt sich in diesem Jahr fort.

Auch Nigerias Naira und Angolas Kwacha stehen unter massivem Druck. Dort versuchen die Regierungen dem Verfall mit einer Kursfixierung zu begegnen, die vor allem zu einem boomenden Schwarzmarkt führt. Die gebeutelte eigene Währung verteuert wiederum den Ausgleich der Handelsbilanzdefizite – die Schuldenfalle ist perfekt. Experten sprechen bereits davon, dass sich Südafrika in nicht allzu ferner Zukunft Hilfe suchend an den Weltwährungsfond wenden müsse – eine peinliche Niederlage für den einstigen afrikanischen Vorzeigestaat.

An der jüngsten Misere des Kontinents ist nicht allein China Schuld. Die Strategie der USA, der Weltwirtschaftskrise von vor acht Jahren mit dem Drucken von Geld, dem „Quantitative Easing“, zu begegnen, bescherte Schwellenländern wie Südafrika ein Bonanza an Kapitalzuflüssen. Das im Übermaß vorhandene Geld wurde in den lukrativen „Emerging Markets“, den aufstrebenden Märkten, angelegt. Inzwischen hat die Washingtoner Bundesbank ihre Geldausschüttung eingestellt und sogar den Leitzins angehoben. Jetzt fließt der monetäre Segen wieder aus den Schwellenländern heraus.

Diejenigen, die den Jubel über Afrikas angeblichen Aufschwung skeptisch sehen, sagen schon seit langem, dass es sich bei der Euphorie nur um ein Strohfeuer handele. Solange die wirtschaftliche Entwicklung nicht auf festen Füßen, nämlich einem Industrialisierungsschub, stehe, sei sie nicht wirklich ernst zu nehmen.

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Tatsächlich kann von einem Industrialisierungsschub zwischen dem Kap und Kairo keine Rede sein. Im Gegenteil: Die einstigen zarten Pflänzchen einer afrikanischen Schuh- und Textilindustrie wurden von den chinesischen Billigimporten – ziemlich unbrüderlich – zertreten.

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