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21. Januar 2013

Weltwirtschaft: Abgewertet

 Von 
Kampf der Währungen: schwächer ist manchmal besser.  Foto: Reuters/Mohamed Abd El Ghany

Viele Länder versuchen, ihre Währung zu drücken – um die Exporte zu verbilligen. Für Deutschland ist das weniger ein Problem, aber die Krisenländer Spanien, Portugal, Italien und auch Frankreich dürfte das härter treffen.

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Über allen Gipfeln ist Ruh. Wenn sich führende Politiker, Manager und Wissenschaftler diese Woche in den Schweizer Bergen zum Weltwirtschaftsgipfel in Davos treffen, steht keine aktuelle Krise auf der Tagesordnung. Doch die Ruhe ist trügerisch und die Erholung gefährdet. Das globale Wirtschaftswachstum nimmt ab. Um sich Anteile an diesem Wachstum zu sichern, senken die Standorte ihre Kosten. Dabei gerät der Wert der Währung in den Fokus. Großbritanniens Zentralbankchef Mervyn King warnt vorsichtig vor „aktiv gesteuerten Wechselkursen“.

Russlands Zentralbanker Alexej Uljukajew wird deutlicher: Es drohe ein neuer „Währungskrieg“. Zwar erholt sich die Weltwirtschaft. Aber nicht genug, um das Wachstum zu generieren, das die Industriestaaten zum Abbau ihrer Schulden brauchen. Die Weltbank hat vergangene Woche ihre Prognose für das globale Wirtschaftswachstum auf magere 2,4 Prozent gekürzt. Im Kampf um Anteile an diesem Wachstum ist die Währung eine mächtige Waffe. Denn wertet ein Land gegenüber seinen Handelspartnern ab, können seine Waren im globalen Vergleich billiger werden.

Japans Vorstoß

Japans neuer Ministerpräsident Shinzo Abe ist bereits vorgeprescht: Durch niedrigere Zinsen und den aktiven Kauf ausländischer Gelder will er den Wert des Yen drücken, um Exporteuren von Toyota bis Panasonic zu helfen. Das trifft auf Unmut beim Nachbarn: Der Fall des Yen könnte eine „Gegenreaktion auslösen, um negative Folgen auf unsere Exporte zu minimieren“, drohte Kim Choong Soo, oberster Währungshüter Südkoreas.

Exportabhängige Staaten wie die Philippinen haben bereits eingegriffen: Um die Aufwertung des heimischen Peso zu stoppen, begrenzte die Regierung Ende vergangenen Jahres Spekulationsgeschäfte der Banken mit der heimischen Währung. Das Problem der Asiaten: Ihre Konjunktur läuft gut. In den USA, Europa und Japan hingegen ist die Lage mäßig, die Leitzinsen liegen bei Null Prozent. Folge: Asiatische Währungen werten auf und gefährden den Aufschwung.

Das Problem hatte die Euro-Zone jahrelang nicht. Die Schuldenkrise und die Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Währungsunion hielten den Euro unten und ließen ihn bis auf 1,20 Dollar fallen. Doch nun hat sich die Lage beruhigt – und der Euro steigt. Sein Wert sei mittlerweile „gefährlich hoch“, warnte Jean-Claude Juncker, Chef der Eurogruppe vergangene Woche.


Das ist weniger ein Problem für die deutschen Exporteure. Zwar verkaufen sie zunehmend in Nicht-Euro-Länder in Asien und Amerika, die Anfälligkeit gegenüber Wechselkursschwankungen nimmt daher zu. Doch „unsere Produkte sind nicht durchgängig Wechselkurssensibel“, erklärt Olga Wilde, Sprecherin des Bundesverbandes der deutschen Industrie. Deutsche Exportgüter seien größtenteils keine homogenen, austauschbaren Güter, bei denen geringe Preisänderungen eine große Rolle spielten. „Sondern wir exportieren vor allem Produkte im Premiumsegment, wie Autos, oder technologisch hochwertige und innovative Güter, wie zum Beispiel Maschinen und Anlagen“, sagte Wilde. „Da ist es nicht entscheidend, ob ein Gut drei Cent teurer ist.“ Die alles in allem rund laufende Exporttätigkeit außerhalb Europas sei ein Beleg dafür.

Härter dürfte der starke Euro ausgerechnet die Krisenländer treffen. Spanien, Portugal, Italien, aber auch Frankreich konkurrieren bei niedrigpreisigen Produkten mit Anbietern aus aller Welt. „Hier führen schon geringe Preiserhöhungen zum Verlust von Marktanteilen“, erklärt Patrick Artus, Ökonom bei der französischen Bank Natixis.

Gleichzeitig braucht Europa mehr Exporte. Denn im Inland steigt die Arbeitslosigkeit, das Lohnniveau sinkt und damit die private Nachfrage. Auch der Staat spart. In der Folge gehen die Investitionen der Unternehmen zurück. Die gesamte inländische Nachfrage ist schwach. Wachstum muss daher aus dem Ausland kommen, durch vermehrte Ausfuhren. Dabei könnte ein schwächerer Euro helfen.

Dollar aufgekauft

Exporthoffnungen setzt Europa unter anderem in das Geschäft mit den USA. Doch dort will sich die Regierung selbst von den gigantischen Handelsdefiziten befreien. Denn zur Finanzierung der Importe benötigen die USA große Kapitalzuflüsse aus dem Ausland. Im November wuchs das Defizit im Außenhandel überraschend auf knapp 48 Milliarden Dollar – davon kassierte Japan sechs Milliarden, Europa zehn und China 27 Milliarden Dollar.

Die Welt verdient an den Vereinigten Staaten, was in den USA Unmut auslöst. Das renommierte Peterson Institute in Washington hat nun eine Liste der schlimmsten Wechselkurs-Manipulatoren vorgelegt. Mehr als 20 Staaten hätten massiv US-Dollar gekauft, um den Wert ihrer Währungen gegenüber der US-Devise zu drücken. Damit seien diese Gelder „substanziell unterbewertet, was den Ländern einen Wettbewerbsvorteil und Handelsbilanzüberschüsse ermöglichte“, so Autor Fred Bergsten. Im Fokus stünden hier vor allem China, Dänemark, Korea, Malaysia, Singapur, die Schweiz, Taiwan und wohl auch Japan.

Laut Bergsten habe dies die USA eine bis fünf Millionen Jobs gekostet. Um die Arbeitslosigkeit zu senken, müsse Washington diese Wechselkursmanipulationen beenden. Zunächst solle dies durch ein freiwilliges Arrangement versucht werden. Klappt das nicht, so müsse Washington härtere Maßnahmen ergreifen: Washington könne die Wechselkurssteuerung als unerlaubte Exportsubvention behandeln und vor der Welthandelsorganisation klagen.

Amerika könne im Gegenzug auch Dollars verkaufen, um den Wechselkurs zu drücken, so Bergsten. Da es ihr Geld ist, könnten die USA unbegrenzt Dollars auf dem Markt werfen, um ihn zu verbilligen. Das wäre er dann, der Währungskrieg.

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