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Flaschenverschluß: Wenn der Korken nicht mehr knallt

Portugals Flaschenverschluss-Industrie leidet unter der Konkurrenz für ihr Produkt aus Kunststoff und Aluminium. Im ganzen Land hängen rund 20.000 Jobs an alten Eichen. Deren lukrative Rinde darf nur alle neun Jahre geschält werden.

Der Adler, der mit weiten Schwingen in die nächste Baumkrone gleitet, hat es nicht eilig. Denn im Korkeichenwald in der Nähe der portugiesischen Kleinstadt Coruche südöstlich von Lissabon lebt er zumeist ungestört, auch wenn die Korkproduktion einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Region ist.

Nur alle neun Jahre erlauben portugiesische Gesetze das Schälen der Baumrinden. „Mehr als hundert verschiedene Spezies leben hier auf einem Hektar“, sagt Forstwissenschaftlerin Conceicao Santos. Einige davon gelten laut WWF als akut bedroht wie etwa der iberische Luchs. Für sie könnte das letzte Refugium schwinden, sollte sich die Korkwirtschaft nicht mehr lohnen. Dann könnten die Menschen versucht sein, Eukalyptus für die Papierproduktion anzubauen – die robusten und schnell wachsenden Bäume verdrängen die Korkeichen auch ohne politische Genehmigung.

Im ganzen Land hängen rund 20.000 Jobs an den alten Eichen. Portugal ist weltweit größter Produzent und Exporteur von Kork. Der Absatz aber ist deutlich rückläufig. „Wurden vor zehn Jahren weltweit rund 17 Milliarden Naturkorken verkauft, sind es aktuell nur noch zwölf Milliarden“, sagt Antonio Amorin, Chef des weltgrößten Korkproduzenten Amorim aus der Nähe von Porto.

Die Korkindustrie hatte früher eine Art Monopol beim Wein- und Sektverschluss, das sie bei Preisen und Qualität nachlässig werden ließ. Kunststoffpfropfen und Drehverschlüsse aus Aluminium haben seitdem ein Drittel des Weltmarktes erobert. In Deutschland ist nur noch jeder dritte Verschluss aus Kork. Der Schraubverschluss hat es insbesondere den Konsumenten hochwertiger Weine angetan. Der Anstieg des Kunststoffanteils wiederum erklärt sich mit der Vorliebe vieler Deutscher für günstige Weine, die überproportional mit den Kunstverschlüssen versehen sind. Doch die Naturkorkbranche versucht ihren Kater mit einer millionenschweren Modernisierung zu bekämpfen. Allein für Forschung und Entwicklung hat sie in den vergangenen Jahren 400 Millionen Euro ausgegeben.

Die Entstehung von Naturkork

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Schutz der Eichenwälder

Nach einer Studie des kalifornischen Cork Quality Councils gelang es damit, seit 2001 die Verunreinigungen der Korken mit Trichloranisol (TCR), das für den „korkigen“ Geschmack des Weins verantwortlich ist, um 80 Prozent zu senken. Zugleich setzt die Industrie verstärkt auf ihr Nachhaltigkeitsimage, um Marktanteile zurück zu gewinnen.

In einer Studie der Unternehmensberatung PriceWaterhouse Coopers (PWC), die den Umwelteinfluss der verschiedenen Verschlüsse untersuchte, schnitt Naturkork in fast allen Punkten wie Verbrauch fossiler Energien, Wasserbedarf und Abfallaufkommen deutlich besser ab.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) macht sich wegen der „besten CO2-Bilanz aller Flaschenverschlüsse“ ebenfalls für Naturkorken und damit den Erhalt der Korkeichenwälder als jahrhundertealte Kulturlandschaft stark. Das liege auch an der Recyclingfähigkeit des Naturstoffs, die hierzulande zudem mit einer hohen sozialen Komponente einhergeht. So arbeiten Behindertenwerkstätten in Kehl und Hamburg gebrauchte Stopfen zu kommerziell vermarkteten Dämmstoffen auf. Auch wenn das der Adler in Portugal für seinen Nestbau kaum gebrauchen mag – sein Lebensraum hängt auch von solchen Projekten ab.

Autor:  Oliver Ristau
Datum:  3 | 11 | 2010
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