New York. Wegen der extrem schwachen Nachfrage schickt der US-Autobauer General Motors tausende Mitarbeiter in den Zwangsurlaub. 13 Werke in Nordamerika würden vorübergehend geschlossen, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Die übliche Stilllegung von zwei Wochen soll auf bis zu neun Wochen ausgedehnt werden und bereits im Mai beginnen. Der Mutterkonzern von Opel will so seine großen Lagerbestände schrumpfen.
Durch die Werkschließungen sollten 190.000 Autos weniger gebaut werden als bislang vorgesehen. Ziel sei es, "die Produktion mit der gegenwärtigen Nachfrage in Einklang zu bringen", hieß es in einer Erklärung.
Den Angaben zufolge sollen die Werke zu unterschiedlichen Zeiten schließen; wie lange die Auszeit dauere, hänge dann jeweils von der Entwicklung der Nachfrage und der Lagerbestände ab. Ende vergangenen Monats habe der Lagerbestand an unverkauften Fahrzeugen bei 767.000 Stück gelegen. Diese Zahl soll nach dem Willen des GM-Managements bis Ende Juli auf 525.000 sinken.
GMs produzierte, aber noch nicht verkaufte Autos reichten, um die Nachfrage für 113 Tage zu decken, errechnete das Research-Haus Ward's. Der größte Autobauer Amerikas verkauft in den USA nur noch etwa halb so viele Autos wie im Vorjahr. Der Absatz in der gesamten Branche ist um knapp 40 Prozent eingebrochen.
Die Produktionspause kann allerdings die Sanierung des Konzerns gefährden. Denn GM müsste in der Auszeit auf einen Großteil seiner Umsätze verzichten. Auch würde die Pause die Existenz vieler Zulieferer bedrohen. GM wollte die Berichte nicht kommentieren. Erst Ende Dezember hatte der ums Überleben kämpfende Konzern seine Werke für vier Wochen stillgelegt. Dass die Produktion länger als zwei Monate angehalten wird, ist seit Jahrzehnten nicht mehr vorgekommen.
Zahlung an Gläubiger fraglich
Der Autobauer verhandelt derzeit mit der Regierung über weitere Staatshilfen in Höhe von fünf Milliarden Dollar. Zudem muss sich GM bis zum 1. Juni mit der Auto-Gewerkschaft UAW und mit seinen Anleihe-Gläubigern über weitere Zugeständnisse einigen. Sonst muss der Traditionskonzern Gläubigerschutz beantragen. Bislang hat die US-Regierung GM mit 13,4 Milliarden Dollar gestützt, um einen Kollaps zu vermeiden.
Am Mittwoch teilte Finanzchef Ray Young mit, eine am 1. Juni fällig werdende Zahlung an seine Gläubiger nicht leisten zu wollen. Dabei geht es um eine Milliarde Dollar. Er setze weiter darauf, einen Kompromiss mit den Gläubigern zu finden, sagte Young bei der Automesse in Shanghai.
GM muss Schulden in Höhe von 28 Milliarden Dollar deutlich reduzieren und fordert von den Gläubigern, Anleihen in Aktien umzutauschen. Die GM-Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten bereits mehr als 90 Prozent an Wert verloren und könnte quasi wertlos werden, wenn sich GM nicht erfolgreich restrukturiert. Young will den Gläubigern in der nächsten Woche ein neues Angebot unterbreiten.
Die Verhandlungen mit der Gewerkschaft sollen im Mai fortgeführt werden. Derzeit konzentriert sich die UAW aber auf die Gespräche mit Chrysler. Der drittgrößte US-Autobauer muss bis Ende April eine Einigung mit Fiat erzielen, um eine Insolvenz zu vermeiden. Gewerkschaftsmitglieder werden üblicherweise weiter bezahlt, wenn die Bänder vorübergehend stillstehen. (mit afp)
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