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19. Juli 2012

Wirtschaftsforschung: Berliner DIW strebt wieder an die Spitze

 Von Stephan Kaufmann
Marcel Fratzscher, künftiger DIW-Chef Foto: DIW Berlin

Mit einem neuen Chef will Deutschlands größtes Wirtschaftsinstitut die Querelen der Vergangenheit hinter sich lassen. Doch welche politische Richtung das DIW mit Marcel Fratzscher an der Spitze einschlagen wird, ist noch völlig offen.

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Mit einem neuen Vorsitzenden will das Berliner Wirtschaftsforschungsinstitut DIW wieder zur Spitze aufschließen. Die Aussichten sind nicht schlecht. Denn der kommende neue Vorsitzende Marcel Fratzscher ist renommiert, ehrgeizig und jung. Welche politische Richtung das derzeit als eher links geltende DIW einschlagen wird, ist jedoch noch unklar.

Die Findungskommission des DIW schlug am Mittwoch offiziell dem Kuratorium Fratzscher als Nachfolger für Interims-Chef Gert Wagner vor. Seine Ernennung ist nun nur noch Formsache.

Fratzscher übernimmt kein leichtes Erbe. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ist das älteste und mit 180 Mitarbeitern das größte seiner Art in Deutschland. In der Vergangenheit rumorte es jedoch in dem Institut. 2007 wurde es von der Gruppe der Institute ausgeschlossen, die für die Regierung zweimal im Jahr die prestigeträchtige Konjunkturprognose erstellen. Zudem drangen Beschwerden an die Öffentlichkeit: DIW-Chef Klaus Zimmermann übe einen autoritären Führungsstil aus. 2009 geriet das DIW auch noch ins Visier des Landesrechnungshofs wegen des Verdachts auf Verschwendung von Steuergeldern. Im Februar 2011 trat Zimmermann zurück, die Ermittlungen wurden jedoch eingestellt.

Alle Hoffnungen richten sich nun auf den 41-jährigen Fratzscher, einen Senkrechtstarter der Branche. Er studierte in Harvard und Oxford, mit 25 arbeitete er für die Weltbank, mit 27 beriet er die indonesische Regierung während der Asienkrise. Seit 2001 ist er bei der Europäischen Zentralbank und leitet dort die Abteilung, die internationale wirtschaftspolitische Analysen erstellt.

Der Makroökonom bezeichnet sich selbst als „in Deutschland aufgewachsener europäischer Staatsbürger“, er gilt als forschungsstark und ehrgeizig. Das zeigt sich in der hohen Anzahl von Publikationen in angesehenen ökonomischen Zeitschriften. Diese Publikationen sind die wichtigste Währung im Wissenschaftler-Wettbewerb um Renommee und Posten. „Marcel Fratzscher ist ein hervorragend ausgewiesener Wirtschaftswissenschaftler, von dem neue Impulse für einen Ausbau der makroökonomischen Kompetenz des Instituts zu erwarten ist“, lobte DIW-Kuratoriumsvorsitzender Bert Rürup seinen Kandidaten.

Unklar ist noch, ob sich unter Fratzscher die politische Ausrichtung des Instituts ändern wird. Unter Wagner war das Institut nach links gerückt. So sorgte es vergangene Woche mit einer Studie zu einer Vermögensabgabe für Reiche für Wirbel. Insider bezeichnen Fratzscher als neutralen, empirischen Forscher ohne festgefügte politische Ausrichtung.

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