kalaydo.de Anzeigen

Wirtschaft
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse, Finanz-Themen

25. November 2008

Wirtschaftskrise: OECD sieht schwarz für Deutschland

Eine Frau schaut aus einem Fenster der Bundesagentur für Arbeit in Leipzig. Foto: Foto: dpa

Die deutsche Konjunktur ist von der weltweiten Wirtschaftskrise besonders hart getroffen. 700.000 Menschen werden ihren Job verlieren, sagt die Entwicklungs-Organisation OECD voraus.

Drucken per Mail

Paris. Die deutsche Konjunktur ist von der weltweiten Wirtschaftskrise besonders hart getroffen und wird frühestens nach fünf Quartalen aus der Rezession kommen. Die Arbeitslosigkeit steigt bis 2010 deutlich auf eine Quote von mehr als neun Prozent. Diese düstere Prognose legte die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OEDC) in Paris vor.

Dem aktuellen Ausblick zufolge wird die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr um 0,9 Prozent schrumpfen, erst für 2010 rechnet die OECD wieder mit einem Wachstum von 1,3 Prozent. "Die Aussichten sind düster, die Krise ist so schwer wie zuletzt in den 80er Jahren", sagte OECD-Chefvolkswirt Klaus Schmitt-Hebbel.

Es könnte zudem noch weit schlimmer kommen als vorausgesagt: "Die Risiken dominieren." Ihre letzte Prognose vom Juni korrigierte die OECD drastisch nach unten. Vor fünf Monaten rechnete die Organisation noch mit einem Wachstum von ein Prozent in Deutschland für 2009.

Ruf nach einer stärkeren Konjunkturstütze

Angesichts der dramatischen Auswirkungen ruft die OECD Berlin zu einer stärkeren Konjunkturstütze auf. "Das nicht sehr große Programm der Bundesregierung ist zeitlich zu lang gestreckt und wird eher den Aufschwung ab 2010 stärken als die Rezession stoppen", sagte Andreas Wörgötter, für Deutschland zuständiger Direktor der OECD-Wirtschaftsabteilung.

Wegen der stabilen Haushaltslage des Bundes stelle sich die Frage, "ob die Möglichkeiten ausgeschöpft sind". Grundsätzlich sei in der gegenwärtigen Situation eine Förderung des Privatkonsums etwa durch Steuersenkungen willkommen.

Von der Stützung eines bestimmten Sektors wie der Autoindustrie rät die OECD dagegen ab. "Entscheidend ist die Stabilisierung des Finanzsektors. Einzelne Branchen haben dagegen keine systemische Bedeutung für die Volkswirtschaft", erklärte Schmitt-Hebbel. Wenn man mit einem Sektor beginne, könne man die Frage nicht beantworten, bei welcher Branche man aufhöre.

Zahl der Arbeitslosen steigt um 700.000

Den Tiefpunkt des Wirtschaftsabschwungs sieht die OECD Mitte kommenden Jahres, allerdings werde der Arbeitsmarkt wesentlich länger stark belastet. "Bis Ende 2010 wird die Quote in Deutschland von 7,7 auf knapp über neun Prozent steigen", sagte der OECD-Deutschland-Experte Felix Hüfner voraus. Die Zahl der Arbeitssuchenden werde um 700.000 steigen.

Die deutsche Wirtschaft leidet besonders unter dem Abschwung im gesamten OECD-Raum der 30 wichtigsten Industriestaaten, weil das Land besonders vom Export abhängt und sich der Nachfrageeinbruch deswegen überdurchschnittlich stark ausprägt. Einziger Lichtblick ist der private Konsum: "Die Inflationsrate wird 2009 auf deutlich unter 1,5 Prozent sinken, die Privathaushalte haben daher, begünstigt durch die höheren Lohnabschlüsse der vergangenenen Monate, mehr Geld in der Tasche", sagte Hüfner.

Allerdings bestehe das Risiko, dass die Menschen angesichts der großen Verunsicherung lieber sparen und der Konsum nur sehr verhalten ansteige.

Jetzt kommentieren

Ressort

Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.

Videonachrichten Wirtschaft
Steueroasen
Beliebtes Steuerparadies: Cook Inseln.

Die Enttarnung geheimer Geschäfte in Steueroasen beschäftigt Politik und Wirtschaft. Berichte und Hintergründe finden Sie in der Offshore Leaks-Themensammlung.

FR-Forum Entwicklung
Das "Forum Entwicklung" ist eine Veranstaltungsreihe von FR, Giz und HR-Info.

Die FR diskutiert mit Polarexperte Arved Fuchs, Prof. Claudia Kempfert und Dr. Stephan Paulus.

Mitreden

Erst kippen die Banken - dann wackelt die Weltwirtschaft. Nun wird die Finanzbranche umgebaut - und der Staat stützt die Konjunktur. Reden Sie mit.

Smartphone-Markt
Anzeige
Animation

Die weltweite Ausbeutung der Schiefergas-Reserven könnte den Energiemarkt nachhaltig verändern: Animation mit Infos zu Vorkommen weltweit und der umstrittenen Fördermethode "Fracking".

Brutto-Netto-Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen
FR-Spezial

Wendige Elektroautos statt schwerer Spritfresser, enges Bahnnetz statt weniger schneller Strecken - wie wir mobil bleiben.

FR-Spezial
Die IG Metall will in Kürze entscheiden, ob sie zu Warnstreiks in der Stahlindustrie aufruft.

Kurzarbeit, Jobabbau - wie sozial unsere Marktwirtschaft noch ist. Und: Hartz IV - Nachwirkungen der großen Sozialreform.

Frauen in die Aufsichtsräte

Die EU will, dass 40 Prozent der Aufsichtsräte weiblich sein sollen. Für Vorstände gilt das nicht. Eine gute Lösung?

22% Ja, finde ich gut. Die Unternehmen ernennen von sich aus keine Frauen.
67% Nein, ich bin dagegen. Die Qualifikation ist wichtiger als das Geschlecht.
11% Ist egal, für die Wirtschaft ist das nicht entscheidend.

Euro-Krise

Das Märchen von den Griechen

Von Stephan Kaufmann | 22 Kommentare
Die Geschichte der griechischen Krise wird sehr einseitig beschrieben. Europa ist gut, Athen ist böse. Europa muss sein Sorgenkind erziehen - oder es aus dem Euro werfen.

Die Geschichte der griechischen Krise wird sehr einseitig beschrieben. Europa ist gut, Athen ist böse. Europa muss sein Sorgenkind erziehen - oder es aus dem Euro werfen. Es geht um „Lügen“, „Sorgen“ und der teuren „Rettung“. Dahinter verbergen sich knallharte Interessen. Mehr...

Anzeige
Faktencheck
Zurück zur Drachme um den Euro zu retten?

Griechenland steht im Ruf, über seine Verhältnisse gelebt zu haben. Mythen über die Ursachen der Krise.

Anzeige
Spezial
Die IG Metall will in Kürze entscheiden, ob sie zu Warnstreiks in der Stahlindustrie aufruft.

Kurzarbeit, Jobabbau - wie sozial unsere Marktwirtschaft noch ist. Und: Hartz IV - Nachwirkungen der großen Sozialreform.

Wirtschaft-Spezial

Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.


Faktencheck
Steigende Beiträge zur Sozialversicherung - die Zukunft?

Was würde passieren, wenn Deutschland ein Sparpaket bewältigen müsste wie Griechenland? Ein erschreckendes Szenario.

In eigener Sache

Die Zukunft der Frankfurter Rundschau ist gesichert. Die Eigentümer betonen, es gibt keinen Einfluss auf das gewachsene politische Profil. Chefredakteur Festerling blickt nach vorne: "Wir haben einiges vor."