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12. Januar 2016

Wohnen: Das Zuhause ist den Deutschen wichtig

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Gemütlichkeit ist Trumpf: Für die heimische Lümmelecke gibt es riesige Kuschelkissen.  Foto: Messe Frankfurt Exhibition GmbH / Jean-Luc Valentin

Das Zuhause als Wohlfühloase wird den Deutschen immer wichtiger. Sie kaufen zur Freude der Branche immer mehr Wohnaccessoires. Der Trend wird laut Expetern mittelfristig anhalten.

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Nachdem Schauspielerin Jessica Schwarz aus Michelstadt in Südhessen mit 16 Jahren als Model gecastet wurde, lebte sie jahrelang vorwiegend in Hotels. Irgendwann „hatte ich dann den Wunsch, wieder nach Hause zu kommen“, sagte Schwarz gestern auf der Eröffnungs-Pressekonferenz der Messe Heimtextil in Frankfurt. Zwar verlegte sie nicht ihren Wohnsitz in den Odenwald, gründete aber dort, gemeinsam mit ihrer Schwester und unterstützt von den Eltern, ein kleines, feines Design-Hotel samt Café. „Dort habe ich dann die Dinge umgesetzt, die mich in den Hotels immer gestört haben oder die ich dort vermisste.“

Schwarz, die Schauspielerin mit dem außergewöhnlichen Nebenberuf, illustriert damit einen Trend, der seit einigen Jahren schon anhält: Die Menschen ziehen sich gerne ins Private zurück, suchen die kuschelige Gemütlichkeit der eigenen vier Wände, am liebsten vor dem knisternden Kaminfeuer. Backen, Kochen, Dekorieren und andere Heimeligkeiten sind Trend, wie auch der Erfolg von Do-it-yourself-Portalen wie Dawanda oder Etsy zeigt.

49 Prozent der Befragten sagten 2014 in einer Umfrage, sie würden ihre Wohnung mit aktuellen Wohnaccessoires immer wieder neu gestalten, ebenso viele bezeichneten das Einrichten ihrer Wohnung sogar als ihr Hobby.

Das spiegelt sich auch in den Ausgaben der Deutschen für Heimtextilien wieder, die seit einigen Jahren steigen (siehe Grafik). Und man sieht es in den deutschen Innenstädten, wo sich eine zunehmende Zahl an Einrichtungsgeschäften tummelt. Auch große Ketten wie Zara Home und H&M Home sind seit einigen Jahren im Markt aktiv.

Der Trend wird mittelfristig anhalten, ist Olaf Schmidt, Vizepräsident Textiles & Textile Technologie bei der Messe Frankfurt überzeugt. „Wir können heute 24 Stunden online sein, da wird für viele Menschen abschalten immer wichtiger. Die Konsumenten haben ein Bedürfnis nach Ruhe, Oasen, Entspannung,“ so Schmidt. Und sie wollten sich mit schönen Dingen umgeben. Der Experte kann keinerlei Anzeichen dafür erkennen, dass sich dieser Trend in den nächsten zwei bis drei Jahren abschwächen könnte.

„Well-Being 4.0“ nennt die Messe den übergreifenden Trend der kommenden Saison, den sie in einer eigenen Ausstellung in Ei-ähnlichen, rundlichen Holzbauten, sogenannten Cocoons, präsentiert. Dort stehen Textilien und Designprodukte im Fokus, die zum Wohlfühlen einladen. Es dominieren edle Stoffe in dunklen oder metallischen Farben, die sich sehr hochwertig anfühlen. Als Einrichtungswelten, die den menschlichen Aspekt ins Design zurückholen und den Sinnen mehr Aufmerksamkeit schenken, werden die kommenden textilen Trends beschrieben.
So lässt es sich für die Branche gut wirtschaften. Uwe Krüger, Branchenexperte Wohnen und Einrichten beim Institut für Handelsforschung, schreibt in seinem im Februar erscheinenden Branchenreport, dass sich der Markt für Haus- und Heimtextilien auch 2015 positiv entwickelt habe.

Der Markt habe um knapp drei Prozent zugelegt. Damit habe sich die gute Entwicklung des Vorjahres fortgesetzt. Stark entwickeln sich Bettwaren: Dieser Bereich legte im zweistelligen Prozentbereich zu und trug damit erheblich zum Gesamtmarktwachstum bei. „Der Boom der Boxspringbetten hält an und macht sich neben dem Markt für Haus- und Heimtextilien auch auf dem Möbelmarkt bemerkbar“, so Krüger.

Das zeigt sich auch deutlich in den Frankfurter Messehallen, wo sich die Ausstellungsfläche für Matratzen fast verdoppelt hat und nun vier ganze Hallen in Beschlag nimmt. Laut Messe Frankfurt geht das Wachstum im Bereich „Bed“ insbesondere auf Bettsysteme – also speziell aufeinander abgestimmte Kombinationen aus Decken, Kissen, Matratzen und Unterbauten – und auf Matratzen zurück.

Wenn man sieht, dass beim spanischen Modekonzern Inditex – der Mutter von Zara – der Bereich Heimtextilien und Wohnaccessoires in der eigenen Kette Zara Home im jüngsten vollständigen Geschäftsjahr 2014/15 mit einem Umsatzplus von 21 Prozent das höchste Wachstum zeigte, versteht man leicht, dass neue Player auf den Markt wollen.

So sucht das schwedische Familienunternehmen Indiska aktuell Franchise-Nehmer in Deutschland, wie Unternehmenssprecher Fredrik Henriksson der Frankfurter Rundschau bestätigte. Indiska verkauft Mode und Wohnaccessoires, die in Indien hergestellt werden und in denen sich skandinavisches und indisches Design treffen sollen, so das Unternehmen.

Die 1901 in Stockholm gegründete Kette hat heute rund 90 Läden in Skandinavien, rund 700 Mitarbeiter und einen Umsatz von rund 107 Millionen Euro. Seit November 2014 gibt es in Hamburg das bisher einzige deutsche Indiska-Geschäft. Dort ebenso wie im Online-Shop sehe man „ständigen Fortschritt“, so Henriksson, weshalb man die Expansion nun ausweiten wolle. Wann und wo weitere Indiska-Läden entstehen, könne man aber noch nicht sagen.

Der Markt für Heimtextilien und Wohnaccessoires wird nach Ansicht der Messe gestützt vom hohen Beschäftigungsniveau und steigenden Löhnen sowie sinkenden Energiepreisen. Das führt dazu, dass immer mehr Menschen mehr Geld haben. Und weil es kaum noch Zinsen gibt, geben sie es lieber aus, als es auf die hohe Kante zu legen. Die Folge: Der Einzelhandel dürfte im vergangenen Jahr das größte Umsatzplus seit mehr als 20 Jahren verzeichnet haben. Für die ersten elf Monate des Jahres 2015 hatte das Statistische Bundesamt für die Branche ein Wachstum zwischen 2,8 und 3,1 Prozent gemeldet. Ein stärkeres Umsatzplus gab es zuletzt 1994.

Neben Technik, Lebensmitteln und Haushaltsgeräten stehen Einrichtungsgegenstände weit oben auf den deutschen Einkaufslisten. Nach Zahlen der europäischen Statistiker bei Eurostat ist der Umsatz mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen zwischen 2008 und 2015 um fast 40 Prozent auf 31,4 Milliarden Euro gestiegen. Doch wenn man den Prognosen der Branchenexperten glaubt, war das nur eine Zwischenstation. (mit dpa)

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