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04. Juni 2012

WWF und Huismann: Wie der WWF ein Buch vom Markt drängt

 Von Jonas Nonnenmann
WWF - Geht es um Tierschutz oder darum, Firmen reinzuwaschen?  Foto: dpa

Ein Journalist wirft der Naturschutzorganisation WWF vor, in Wahrheit der Umwelt zu schaden. Der WWF klagt - und drängt das Buch bereits vor der Gerichtsverhandlung aus dem Sortiment.

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Vor Gericht ist der Fall noch nicht geklärt, aber die großen Buchhändler schaffen schon vorher Tatsachen: Weil ein kritisches Buch über die Umweltorganisation WWF (World Wide Fund for Nature) möglicherweise Falschaussagen enthält, haben die großen Buchhändler um Amazon und Libri das Buch vorsorglich aus dem Sortiment genommen.

„Schwarzbuch WWF – Dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda“, heißt das Werk, Autor ist der dreifache Grimme-Preisträger Wilfried Huismann; das Buch ist die Ergänzung eines WWF-kritischen Dokumentarfilms, den die ARD vor etwa einem Jahr ausgestrahlt hat.  

Der Autor hat unter anderem in Indien und Chile recherchiert, die Ergebnisse sind verstörend: Der WWF fördere die Umweltzerstörung, indem er Unternehmen ein grünes Image verpasst. Er paktiere "mit den größten Umweltsündern der Erde" (siehe Trailer).

Der WWF umarmt die Industrie

Besonders kritisiert Huismann die Taktik der Organisation, die Industrie zu umarmen, statt wie Greenpeace auf Konfrontation zu setzen.

Unter anderem kritisiert er:

  • Die Organisation von Großwildjagden. Das Wild Afrikas gehöre wieder weißen Großwildjägern, schreibt Huismann, „es ist fast so schön wie früher“. Mit früher meint der Autor die Kolonialzeit. In diesem Zusammenhang kritisiert er auch die Zusammenarbeit mit Diktatoren wie Mobutu Sese Seko, der bis in die 90er Jahre im Kongo mit harter Hand regierte.

  • Die Vertreibung von Ureinwohnern für die Errichtung von Nationalparks wie den indischen Kanha-Park, dabei geht es auch um aktuelle Fälle. Der WWF habe Indien sogar dazu gedrängt, Massenumsiedlungen zu beschleunigen.  

  • Einen Partnerschaftsvertrag mit dem Lachsproduzenten Marine Harvest, der in Chile Tiere mit so viel Antibiotika vollpumpt, dass Huismann von „schwimmenden Apotheken“ spricht .

Der WWF hält mit einer intensiven Gegenkampagne auf der eigenen Website dagegen:  Huismanns Buch beschreibe diverse Umweltprobleme, aber die Verantwortung dafür liege nicht beim WWF, heißt es auf der Website der Organisation.

Zudem sprich die Organisation von "falschen Tatsachenbehauptungen". Hier einige Beispiele:

  • Der WWF schütze auf einer Wilmar-Plantage nicht 80, sondern 4000 Hektar Wälder, heißt es, eine Karte soll das beweisen.
  • Genauso wenig sei es korrekt, dass der WWF Druck auf einen Häuptling und seinen Stamm in Papua-Neuguinea ausgeübt habe. Zwangsumsiedlungen von Ureinwohnern lehne man schon lange ab, der WWF habe dazugelernt.
  • Von der Atomenergie habe sich der WWF nicht erst seit Fukushima distanziert. Die Organisation führt ein Positionspapier aus dem Jahr 2003 als Beleg an.

Oftmals vertritt der WWF keine einheitliche Meinung. Huismann unterscheidet deshalb zwischen den verschiedenen Länderorganisationen; der deutsche WWF lehnt beispielsweise Gentechnik ab, der amerikanische nicht (wir berichteten). Insgesamt kommt der WWF Deutschland in Huismanns Urteil relativ gut weg, die Unterorganisationen im Süden bewertet er negativ.

Am 15.Juni verhandelt das Landgericht Köln den Fall. „Im Hinblick auf unsere zahlreichen Förderer können wir nicht zulassen, dass falsche Behauptungen in der Öffentlichkeit unwidersprochen bleiben“, teilt der WWF mit.

Der Verleger steht hinter dem Autor

Die Organisation ging bereits gegen den Film „Der Pakt mit dem Panda“ vor – und bekam laut taz in mehreren Punkten Recht; Huismann darf zum Beispiel die Aussage nicht wiederholen, der WWF Indonesien kooperiere mit dem Konzern Wilmar, einem der größten Palmöl-Produzenten. Im Juni 2012 erwirkte der WWF nach eigenen Angaben vom Landgericht Köln sogar eine einstweilige Verfügung, der Film darf nicht ausgestrahlt werden.

Rückhalt bekommt Huismann offenbar von seinem Verleger Random House. Bereits vor der Buchveröffentlichung habe der WWF massiv Druck ausgeübt, sagte ein Sprecher der FAS, „Unser Verlagsverständnis von Pluralismus und Meinungsfreiheit sieht jedenfalls anders aus.“

Der FDP-Politiker Burkhardt Müller-Sönksen warnte vor einer Selbstzensur der Buchhändler. „Ob das Buch falsche Tatsachen enthält, wird das Gericht im Rahmen der mündlichen Verhandlung und einer etwaigen Beweisaufnahme klären“, sagte Müller-Sönksen der Zeitung.

Derweil müssten die Großhändler nicht auf die Hinweise seitens der Anwälte des WWF eingehen. „Sollten die Händler ohne Prüfung kollektiv einknicken, käme dies einer Selbstzensur gleich, die die Meinungsfreiheit faktisch beschränkt.“

Das "Schwarzbuch WWF" ist direkt beim Verlag Random House erhältlich. Gebundenes Buch. 19,99 Euro, 256 Seiten.

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