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30. September 2010

Zeitarbeit: Hochgradig riskant

 Von Eva Roth
Jobs in der Zeitarbeitsbranche sind meist von kurzer Dauer (Archivbild).  Foto: dpa

Die Arbeitsplatz-Sicherheit in der Leiharbeits-Branche ist extrem unsicher. Das Verarmungsrisiko ist nirgendwo so groß. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

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Jobs in der Zeitarbeit sind extrem unsicher: Im vorigen Jahr sind jeden Monat sechs Prozent der Leihkräfte arbeitslos geworden. Damit war das Jobrisiko für diese Menschen zehnmal höher als für Stammbeschäftigte im verarbeitenden Gewerbe, heißt es in einer Studie des Deutschen Gewerkschaftbunds (DGB), die der Frankfurter Rundschau vorliegt.

Die Analyse beruhe auf einer Sonderauswertung von Daten der Bundesagentur für Arbeit, erklärte der Autor und DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy. Danach wurden zwischen Oktober 2008 und September 2009 rund 434.000 Leihkräfte arbeitslos. Rein rechnerisch hätten damit 76 Prozent der Zeitarbeiter in nur einem Jahr ihren Job verloren. „In keiner anderen Branche ist das Risiko größer, arbeitslos zu werden“, resümiert Adamy.

In der krisengeschüttelten Industrie wurden viele Jobs durch Kurzarbeit gesichert. Auch Zeitarbeitsfirmen können seit 2008 auf diese Weise die Beschäftigung stabilisieren. Doch „von diesem Instrument wurde nur zögerlich Gebrauch gemacht“, heißt es in der Analyse. Demnach war der Anteil der Kurzarbeiter im produzierenden Gewerbe dreimal höher als in der Zeitarbeitsbranche. Zudem nutzten die Unternehmen nur höchst selten die Möglichkeit, bereits entlassene Leiharbeiter mit öffentlichen Zuschüssen weiterzubilden und ihnen so eine neue Chance zu geben.

Sonderregelung beim Gehalt für zuvor Arbeitslose

Befürworter der Leiharbeit betonen, diese Beschäftigungsform biete Jobsuchenden einen Einstieg in den Arbeitsmarkt. Tatsächlich waren die meisten Zeitkräfte zuvor arbeitslos, so Adamy. Das findet er nicht verwunderlich. Denn regulär Beschäftigte hätten wenig Interesse, in einen Leiharbeiterjob zu wechseln. Zudem gilt für zuvor Arbeitslose beim Gehalt eine Sonderregelung: In den ersten sechs Wochen haben sie lediglich Anspruch auf einen Lohn, der ihrem Arbeitslosengeld entspricht. „Dadurch genießen Unternehmen einen systematischen finanziellen Vorteil bei der Einstellung von Arbeitslosen“, betont der Experte. Zudem erhielten Verleiher überdurchschnittlich oft Lohnkostenzuschüsse, wenn sie Jobsuchende anheuern. Wer einmal Leiharbeiter ist, schaffe nur sehr selten den Sprung in die reguläre Beschäftigung. Inzwischen seien mehr als 40 Prozent aller Hilfsarbeiter Leihkräfte.

Auch das Verarmungsrisiko sei nirgendwo so groß wie in der Zeitarbeitsbranche. 77 Prozent der Vollzeitbeschäftigten hätten 2006 einen Niedriglohn erhalten. Wenn sie entlassen werden, landen viele direkt in Hartz IV: „Bundesweit wurde mehr als jede vierte Leiharbeitskraft im beobachteten Zwölf-Monatszeitraum unmittelbar nach dem Jobverlust Hartz-IV-Empfänger.“

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