Vertreter der Bundesregierung zeigen in punkto Förderung wenig Einsicht. Der Dialog mit Managern der 30 Dax-Unternehmen führte zu keinem produktiven Ergebnis. Die zuständigen Ministerien geben in Sachen Frauenquote ein desolates Bild ab.
Berlin –
Licht und Schatten habe es gegeben beim Frauengipfel. Zu dem hatte die Bundesregierung am Mittwoch die 30 Dax-Unternehmen eingeladen, um sich über die Frauenförderung in deutschen Unternehmen zu verständigen. Von Licht und Schatten sprach Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) im Anschluss an das Spitzengespräch. Wer danach in die betretenen Mienen der Ministerinnen für Justiz, Familie, Arbeit und Soziales sah, konnte ahnen, dass es vor allem eines gegeben hat: Zoff.
Drei Ministerinnen, drei Meinungen. Dazu noch ein Wirtschaftsminister, der sich schnell wieder empfahl – die Bundesregierung gibt im Umgang mit der Frauenförderung ein desolates Bild ab. Dass sie unter diesen Voraussetzungen die Dax-Unternehmen zu keiner Einigung über eine Frauenquote bewegen konnte, verwundert nicht.
„Es gab einen konstruktiven Dialog, aber den Stufenplan haben wir nicht angenommen“, erklärte der Personalvorstand von BMW, Harald Krüger. Es gebe noch Gesprächsbedarf, erläuterte er die gescheiterte Einigung. Der Vier-Stufenplan von Familienministerin Kristina Schröder (CDU) ist damit wohl Makulatur. Er sah vor, die Unternehmen zunächst über eine freiwillige Selbstverpflichtung dazu zu animieren, ihren Frauenanteil in Aufsichtsräten und Vorständen bis 2013 zu verdreifachen. Sollte die Quote nicht bis zum Stichtag erreicht sein, wollte Schröder eine Selbstverpflichtung der Unternehmen für eine flexible Quote gesetzlich vorschreiben. Vorgesehen war die Festlegung einer selbstbestimmten Frauenquote für Aufsichtsratspositionen und Vorstände sowie die Umsetzung dieser Vorgaben innerhalb von drei bis fünf Jahren.
Den Dax-Unternehmen war das offenbar zu viel Pflicht und wenig Selbstbestimmung. Mit „starren Quoten“ seien die Dax-Konzerne grundsätzlich nicht einverstanden, erklärte BMW-Vorstandsmitglied Krüger. In technikorientierten Betrieben stünden „strukturelle Schwierigkeiten“ einer Besetzung von Führungspositionen mit Frauen entgegen. Der Anteil entsprechend qualifizierter Frauen ist in diesen Unternehmen nicht groß genug, um die Quote erfüllen zu können.
Frauen in deutschen Aufsichtsräten
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Frauen in deutschen Aufsichtsräten
Beatrice Weder di Mauro, eine der fünf Wirtschaftsweisen, sitzt im Aufsichtsrat von ThyssenKrupp. Die Schweizerin ist Professorin der Universität Mainz uns seit 2004 Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung.
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Susanne Klatten ist Großaktionärin bei BMW und Mitglied im Aufsichtsrat. Die Erbin der Familie Quandt gilt mit einem geschätzten Vermögen von 11,1 Milliarden US-Dollar als reichste Frau Deutschlands. Bereits 1993 wurde Klatten mit 31 Jahren Mitglied im Aufsichtsrat des Chemiekonzerns Altana.
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Die Finnin Sari Baldauf war mal Nokia-Chefin und ist heute Mitglied des Daimler-Aufsichtsrates.
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Die Vorsitzende des Institutes für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher, ist gleich in drei Aufsichtsräten vertreten: Bei der Allianz und dem Chiphersteller Infineon sowie bei dem Fahrzeugkonzern MAN.
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Sie gehört zu den prominenteren weiblichen Aufsichtsratsmitgliedern: Benita Ferrero-Waldner, jetzt bei Munich Re, saß in der EU-Kommission und war Außenministerin von Österreich.
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Martina Koederitz gilt als zäh, robust, hartnäckig. Sie ist die neue Deutschland-Chefin von IBM.
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Die promovierte Philologin Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsführung des Werkzeugmaschinenherstellers Trumpf, wurde 2008 Mitglied im Aufsichtsrat von Siemens und Mitglied im Aufsichtsrat der Lufthansa.
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Auch Sibylle Wankel von der IG Metall Bayern sitzt im Siemens Aufsichtsrat. Mit Bettina Haller, Vorsitzende des Konzernbetriebsrats, und Birgit Steinborn, stellvertretende Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, vertreten dort noch zwei weitere Frauen die Arbeitnehmer. Nicht nur bei Siemens kommen Frauen häufig über den Betriebsrat in die Aufsichtsgremien deutscher Firmen.
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Neben Leibinger-Kammüller sitzen im Aufsichtsrat der Lufthansa noch zwei weitere Frauen: Dominique Hiekel und Marlies Rose - sie vertreten die Arbeitnehmer.
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Spitzenreiter unter den Dax-Unternehmen, was weibliche Aufsichtsratsmitglieder betrifft, ist der Branchenprimus deutsche Bank. In dem Aufsichtsrat des Unternehmens sitzen sechs Frauen - und 14 Männer. Stellvertretende Vorsitzende ist die Gewerkschafterin Karin Ruck.
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Auch die Sozialwissenschaftlerin Marlehn Thieme, Mitglied im Rat der EKD, sitzt im Aufsichtsrat der Bank. Thieme machte 1986 eine Traineeausbildung bei der Deutschen Bank und arbeitete sich hoch. Weitere Frauen im Aufsichtsrat des Geldinstituts sind: Martina Klee, Suzanne Labarge, Henriette Mark und Gabriele Platscher.
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Den zweiten Platz im Dax-Ranking belegt die Commerzbank: Im Aufsichtsrat der Bank sind fünf Frauen vertreten.
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Jeweils vier weibliche Aufsichtsräte haben die Deutsche Post, die Deutsche Telekom, Waschmittelhersteller Henkel und der Pharmakonzern Merck.
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Marie-Christine Lombard ist Vorstandsmitglied von TNT - und gleichzeitig eine von drei Frauen im Aufsichtsrat der Metro AG.
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Sabine Bauer ist Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsratsgremium von Adidas im fränkischen Herzogenaurach.
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Heidi Thaler-Veh vertritt ebenfalls die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat des Sportartikelherstellers.
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Keine einzige Frau findet sich beispielsweise in den Aufsichtsräten von Fresenius ...
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... dem Maschinenbaukonzern Linde...
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... und HeidelbergCement.
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Seit 1994 ist Gabriele Gratz Betriebsratsvorsitzende und stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats des Energiekonzerns Eon. Mit der Juristin Karen de Segundo ist im Eon-Aufsichtsrat noch eine weitere Frau vertreten.
Dagmar Mühlenfeld ist Oberbürgermeisterin von Mühlheim an der Ruhr - und gleichzeitig Aufsichtsrätin bei RWE. Die Betriebsratsvorsitzende Dagmar Schmeer vertritt die Arbeitnehmer im RWE-Aufsichtsrat.
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Roswitha Süßelbeck ist eine von zwei Aufsichtsrätinnen bei Bayer.
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Auch Petra Kronen vertritt die Arbeitnehmerseite im Chemiekonzern.
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Die Belgierin Denise Schellemans vertritt die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsratsgremium von BASF.
Aufsichtsräte in Deutschland werden von Männern dominiert. Doch eine Frau hat es sogar ganz an die Spitze eines Dax-Konzerns geschafft: Die Henkel-Erbin Simone Bagel-Trah führt das Gremium des Düsseldorfer Klebstoff- und Waschmittelherstellers Henkel. Hier neben einer Büste des Firmengründers Fritz Henkel.
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Grafiken: Frauen in der Arbeitswelt
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Schützenhilfe bekam Krüger von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Sie lehnt die „gesetzliche Pflicht zur Selbstverpflichtung“ ab. Den Firmen könne nicht pauschal ein Ziel vorgeschrieben werden. Den Anspruch von Frauen auf Teilhabe an Führung fand Leutheusser-Schnarrenberger gleichwohl „selbstverständlich“.
Konzerne lehnen Quoten ab
Bundesarbeitsministerin von der Leyen (CDU) schließlich war hörbar unzufrieden mit dem Ergebnis des Gipfels. Sicher wäre es „am besten, die Unternehmen schafften die Erhöhung ihres Frauenanteils aus eigener Kraft“, mit einem reinen Bekenntnis zur Frauenförderung will sie sich aber nicht mehr zufriedengeben. Ihr fehlten „konkrete Zahlen, Zielvorgaben und Zeitleisten“, überhaupt ein Konzept, eine Strategie und ein Endpunkt, den dieser Prozess einmal haben sollte.
Mehr als ein Bekenntnis aber war den 30 Dax-Unternehmen am Mittwoch nicht abzuringen. In ihrer Erklärung verpflichteten sich die Gesellschaften nun, für den jeweils eigenen Konzern Ziele zur Erhöhung des Frauenanteils zu definieren. Über die Umsetzung wolle man „regelmäßig berichten“. Bundeswirtschaftsminister Brüderle (FDP) hatte die Pressekonferenz bereits vorzeitig verlassen, versicherte aber, er habe aus den Gesprächen „einen kräftigen Schuss Optimismus“ mitgenommen.