Nordrhein-Westfalen startet den größten Hochschulneubau seit den 60er-Jahren: In Hamm, Bottrop-Mülheim und in Kleve-Kamp-Lintfort sollen bis 2011 drei neue Fachhochschulen für jeweils 2500 Studierende entstehen. Die neuen Studienplätze werden hauptsächlich in den sogenannten Mint-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) geschaffen. "Jeder, der in NRW studieren möchte, soll dies auch tun können", sagte NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) am Freitag.
Die drei neuen Orte hatte eine Jury unter Dutzenden Bewerbern ausgewählt und gleichwohl ein politisches Urteil gefällt: Sie befinden sich an den drei Ecken des Ruhrgebiets in ehemaligen Zechenstädten. Ein entscheidendes Kriterium war die Zusage der Wirtschaft, sich für Studiengänge zu engagieren, die mit einer Berufsausbildung kombiniert werden. "So sollen auch diejenigen angesprochen werden, die eigentlich gar nicht über eine berufliche Ausbildung hinausgehen wollten", so Pinkwart. Außerdem sollen acht bestehende Fachhochschulen weiter ausgebaut werden. Bereits zum kommenden Wintersemester sollen dort die ersten neuen Studienplätze belegt werden können. Denn im bevölkerungsreichsten Bundesland ist Eile angesagt: Noch nie haben in NRW so viele junge Menschen ein Studium begonnen wie im laufenden Semester. Die Hochschulen zwischen Bielefeld und Aachen verzeichneten mit 71 300 Neu-Einschreibungen sieben Prozent mehr als vor einem Jahr. Durch das auf zwölf Jahre verkürzte Gymnasium werden 2013 zwei Abiturjahrgänge in die Hörsäle strömen.
Für den Zusammenschluss freier Studierendenschaften (fzs) sind die Investitionen deshalb auch nur "ein Tropfen auf den heißen Stein", so Vorsitzende Regina Hilfrich. "Natürlich ist ein Ausbau grundsätzlich erst einmal super", sagt Hilfrich. Aber bei den vollen Hörsälen müssten auch die bestehenden Hochschulen vergrößert werden. "Das ginge auch viel schneller als neue zu bauen." Hilfrich fordert, alle Fächer gleich zu berücksichtigen. "Wir erkennen die Wichtigkeit der Mint-Fächer an", sagt sie. Aber den größten Andrang gebe es nun einmal bei den Geisteswissenschaften.
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