kalaydo.de Anzeigen

600 Jahre Universität: Aufbruchstimmung in Leipzig

Goethe und Leibnitz haben hier studiert, ebenso wie Lessing und Richard Wagner. Nun feiert die Universität Leipzig als zweitälteste Hochschule Deutschlands ihr 600jähriges Jubiläum.

Das Archivbild vom 12.10.1967 zeigt die spätgotische Paulinerkirche, auch Universitätskirche genannt, am Leipziger Augustusplatz. Die mehr als 700 Jahre alte Kirche war 1968 gesprengt worden, weil sie nicht in das von der SED geplante Stadtbild passte. Die Leipziger Universität wird in diesem Jahr 600 Jahre alt.
Das Archivbild vom 12.10.1967 zeigt die spätgotische Paulinerkirche, auch Universitätskirche genannt, am Leipziger Augustusplatz. Die mehr als 700 Jahre alte Kirche war 1968 gesprengt worden, weil sie nicht in das von der SED geplante Stadtbild passte. Die Leipziger Universität wird in diesem Jahr 600 Jahre alt.
Foto: dpa

Leipzig. Goethe und Leibnitz haben hier studiert, ebenso wie Lessing und Richard Wagner. Das Studentenverzeichnis der Universität Leipzig liest sich wie ein "Who is Who" deutscher Geistesgrößen.

In Deutschland ist sie nach Heidelberg die zweitälteste Hochschule. Seit 600 Jahren wird an ihr ohne Unterbrechung gelehrt und geforscht. Die Gründung geht auf den böhmische König Wenzel IV. zurück. Er griff im Januar 1409 per Dekret in die Verfassung der Prager Universität ein. Bis dahin waren dort die "nationes" der Böhmen, Bayern, Sachsen und Polen gleichberechtigt.

Infos zur Historie der Uni Leipzig:

"Wenzel teilte der nichtdeutschen böhmischen Nation mehr Stimmen zu als den deutschen, was dazu führte, dass aus Protest alle deutschen Magister und Studenten die Universität Prag verlassen haben und zum größten Teil nach Leipzig gegangen sind", erzählt der Historiker Detlef Döring. Die Ratsherren und auch die Herren der Markgrafschaft Meißen, zu der Leipzig gehörte, waren klug genug, sie mit offenen Armen zu empfangen. Sie schenkten ihnen Häuser und zwei Kollegien, in denen sie wohnen und studieren konnten.

Der Studienbetrieb startete mit 369 Studenten

Am 2. Dezember 1409 wurde die neue Universität feierlich eröffnet. Der Studienbetrieb startete mit 46 Magistern und Doktoren und 369 Studenten. Zum Jubiläumsjahr gibt es die Ausstellung "Erleuchtung der Welt. Sachsen und der Beginn der modernen Wissenschaften", die noch bis zum 26. Dezember im Stadtgeschichtlichen Museum zu sehen ist.

Schwerpunkt der Schau ist die Epoche der Aufklärung. Gezeigt werden unter anderem Exponate wie die erste Tageszeitung der Welt, die 1650 in Leipzig erschien, und ein Nachbau einer Vakuumpumpe von Jakob Leupold. Der Gelehrte brachte damit 1709 nicht nur den sächsischen König August den Starken zum Staunen. Heute können Besucher ihre Muskeln beim Versuch spielen lassen, die beiden evakuierten Metallkugeln auseinanderzuziehen.

Bemerkenswert ist auch ein anderes Ausstellungsstück - es beherrscht die vier Grundrechenarten und das Wurzelziehen. Mit seiner 1673 erfundenen Rechenmaschine schuf Gottfried Wilhelm Leibnitz die Grundlagen heutiger Computertechnik. "Was kaum einer weiß: Die Aufklärung in Deutschland begann in Sachsen. Leipzig war sogar Motor dieser Entwicklung", stellt Kustos Rudolf Hiller von Gaertringen fest. "Kluge Köpfe wie Gottsched, Goethe, Leibnitz, Leupold und Ernesti erleuchteten mit ihren Erkenntnissen von hier aus die Welt."

Heute ist wieder Aufbruchstimmung in Leipzig. Mit der Neugestaltung des Campus am Augustusplatz erhält die Universität, an der mehr als 31.000 Studenten an 14 Fakultäten und 150 Instituten studieren, ein neues Gesicht. Plattenbauten aus der DDR-Zeit mussten weichen oder wurden saniert.

Insgesamt sechs Gebäude gruppieren sich rund um einen Innenhof, das Leibnitzforum. Noch im Entstehen ist das Paulinum. Es tritt an die Stelle der 1545 geweihten Universitätskirche St. Pauli, in der Martin Luther predigte und die Matthäus-Passion von Bach uraufgeführt wurde.

Eine Kirche passte nicht zur sozialistischen Kaderschmiede

"Das Ding muss weg", hatte der DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht 1968 befohlen. Eine Kirche, noch dazu mit diesen Traditionen - das passte nicht zur sozialistischen Kaderschmiede, die zu DDR-Zeiten Karl-Marx-Universität hieß. Am 30. Mai 1968 wurde das Gotteshaus gesprengt.

Pläne zu einem originalgetreuem Wiederaufbau ähnlich der Dresdner Frauenkirche scheiterten am Widerstand der Universitätsleitung. Nur Giebel, Spitzbogenfenster und Rosette sowie ein Andachtsraum werden die Erinnerung an die Universitätskirche wachhalten. Auch wenn das Paulinum nicht wie geplant fertig wird: Das Jubiläum zum 600-jährigen Bestehen der Universität wird am 2. Dezember mit einem großen Festakt gefeiert. (dpa/tmn)

Datum:  6 | 11 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Quiz

Wie tief erwärmen sich die Meere - welche Tierart hat nichts zu fressen durch Treibhausgase? Testen Sie Ihr Wissen im FR-Quiz.

Aurora Borealis

Wie eine gigantische Lasershow aus dem Weltall wirken die außerordentlich spektakulären Polarlichter - Bilder und Videos.

Spezial
Kindermund tut Wahrheit kund (FR vom 22. November 2011)

Zeichen für den Klimawandel: Erderwärmung, saure Meere, Treibhauseffekt, Ozonloch, Wetterkapriolen und Naturkatastrophen.

Anzeige

Videos
Ressort

Nachrichten aus Wissenschaft und Bildung


Spezial
www.museocereanatomiche.it

Neue Forschungsergebnisse in der Medizin, der Blick in das Innere des Menschen - mehr zu lesen im FR-Spezial Medizin.

Rückblick auf 50 Jahre
Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin in seinem Raumanzug bei Übungen zum ersten bemannten Weltraumflug. Gagarin umkreiste am 12. April 1961 in der Raumkapsel Wostok als erster Mensch die Erde.

Zum fünfzigsten Jahrestag des ersten Starts der Menschheit ins Weltall hat die russische Raumfahrtagentur ein Video veröffentlicht.

Anzeige

Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.

Spezial
Blick in die Magellanwolke

Der Blick in den Weltraum auf ISS, Planeten, Sterne, Monde und die Sonne: Hintergründe, interaktive Grafiken, Fotostrecken und Videos.

Spezial

Vor vierzig Jahren brachen mutige Männer auf, um einen Menschheitstraum zu erfüllen - die Landung auf dem Mond.

Umfrage: Sind Feedback-Fahrten für Fahranfänger sinnvoll?

Die Koalition plant offenbar, nach österreichischem Vorbild sogenannte Feedback-Fahrten für Führerscheinneulinge einzuführen. Die müssen drei Monate nach ihrer Prüfung erneut Fahrstunden nehmen. Gute Idee - oder Unsinn?

Meistgeklickt
Sängerin Loreen holt mit Euphoria den ESC nach Schweden und siegt in Baku.
Eurovision Song Contest in Baku 
Harry Nutt
Leitartikel zum Eurovision Song Contest 
Ermittler der Spurensicherung der Polizei durchsuchen in Kiel ein ehemaliges Trafohaus auf dem Gelände einer Kfz-Werkstatt.
Einsatz gegen Rockerbande 
Spezial

Sie sollte das Studium vereinfachen, das Hochschulwesen europaweit vereinheitlichen. Die Kritik an der Bologna-Reform lässt nicht nach.

Ein Jahr Fukushima
Test auf Strahlenspuren.

Ein Jahr nach dem 11. März 2011 zeigen wir, wie das Unglück Japan und die Welt verändert hat.

ANZEIGE
- Business
- sonstiges
- Kauftipps!