Die Geometrie habe in den vergangenen 50 Jahren "revolutionierende Veränderungen" durchgemacht, und einige der wichtigsten seien Mikhail Gromov zu verdanken, verkündet die Norwegische Akademie der Wissenschaften. Deshalb hat sie am Donnerstag den 65-jährigen russisch-französischen Mathematiker mit dem Abelpreis ausgezeichnet, dem höchst dotierten Preis, den es in der Mathematik zu gewinnen gibt. Gromov wird das Diplom und die dazu gehörenden sechs Millionen Kronen (700 000 Euro) am 19. Mai in Oslo aus den Händen des norwegischen Königs Harald entgegennehmen.
Die Akademie bezeichnet Gromov als einen der führenden Mathematiker der Gegenwart. Er sei stets auf der Suche nach neuen Fragen und entwickle ständig neue Ideen für die Lösung von bislang ungelösten Problemen. Er habe dabei "tief greifende und neuartige Resultate" erzielt und sei weiterhin "bemerkenswert kreativ". Die Akademie bezeichnet Gromov als einen der Begründer der "symplektischen Geometrie" und ist überzeugt, dass seine Arbeiten auch künftig "Quelle der Inspiration für viele mathematische Entdeckungen" sein werden.
Der 1943 im russischen Boksitogorsk geborene Forscher arbeitete zunächst an der Universität in Leningrad, ehe er 1974 die Sowjetunion verließ und erst in die USA und dann nach Frankreich ging. Seit 1982 ist er Professor am Institut für Hohe Wissenschaftliche Studien in Bures-sur-Yvette und seit 1992 französischer Staatsbürger. Nun erhält der oft ausgezeichnete Forscher einen jener Preise, mit denen die Welt der Wissenschaft Sparten fördern will, die von den Nobelpreisen nicht abgedeckt sind.
Während sich Physiker, Chemiker oder Mediziner alljährlich im Glanz des Nobelfestes sonnen können, bleiben Astronomen, Geologen oder Mathematiker außen vor. Zwar gibt es gerade in der Mathematik eine Unmenge an Preisen; das Internet-Lexikon Wikipedia zählt 29 auf. Doch der prestigeträchtigste von diesen, die Fields-Medaille, die alle vier Jahre von der Internationalen Mathematiker-Union für "herausragende Entdeckungen" vergeben wird, ist mit einer Preissumme von 10 000 Euro eher eine symbolische Ehre und Wissenschaftlern unter 40 Jahren vorbehalten. Hingegen stößt der Abelpreis mit seiner Dotierung in die Dimension der Nobelpreise vor, die ihren Empfängern umgerechnet 900 000 Euro bringen.
Den seit 2003 jährlich vergebenen Preis stiftete die Regierung in Oslo zum 200.Geburtstag des norwegischen Mathematik-Genies Niels Henrik Abel (1802-1829). Die Laureaten müssen sich "außergewöhnlicher wissenschaftlicher Arbeiten auf dem Gebiet der Mathematik" verdient gemacht haben. Damit stehen sie in der Tradition Abels, von dem sein Lehrer Bernt Holmboe einst sagte, er könne "der größte Mathematiker der Welt" werden, wenn er nur lange genug lebe. Abel widmete sich im Selbststudium - Naturwissenschaften wurden an der Universität in Christiania, dem heutigen Oslo, nicht unterrichtet - Gleichungen fünften Grades und elliptischen Funktionen. Er starb noch nicht 27-jährig an Tuberkulose. Doch sein Name lebt durch Begriffe wie Abelsche Integrale, Abelsche Identität oder Abelsche partielle Summation weiter. Und durch den Abelpreis.
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