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Annette Schavan: Keine Blankochecks für Testreaktor Iter

Das ehrgeizige Kernfusionsprojekt Iter der Europäischen Union hat massive Geldprobleme. Die Kosten sind inzwischen um 300 Prozent gestiegen. Deshalb will Deutschland nicht unbegrenzt Geld in das Projet investieren.

Eingang zum Atomic Energy Commissariat (CEA) in Cadarache (Archivfoto vom 28.06.2005).
Eingang zum Atomic Energy Commissariat (CEA) in Cadarache (Archivfoto vom 28.06.2005).
Foto: Foto: dpa

Brüssel. Das ehrgeizige Kernfusionsprojekt Iter der EU hat massive Geldprobleme. Nun hat Deutschland klargestellt, dass es nicht unbegrenzt Gelder geben wird. Aus Deutschland werde es keine Blankoschecks geben.

Das sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan in Brüssel vor einem Treffen mit ihren europäischen Amtskollegen. "Kostensteigerungen bei Forschungsprojekten sind normal, aber eine Preissteigerung von 300 Prozent ist ungewöhnlich und nicht akzeptabel." Schavan bezifferte die Kosten für die Europäer auf 7,2 Milliarden Euro. Iter-Projektpartner sind die EU als Hauptfinanzier sowie die USA, Russland, China, Japan, Indien und Südkorea.

Wissenschaftler wollen in dem weltweit ersten Fusionsreaktor die Funktionsweise der Sonne dauerhaft imitieren und beweisen, dass Energiegewinnung durch die Verschmelzung von Wasserstoff-Atomen möglich ist. Im Gegensatz zur Kernspaltung in Atomkraftwerken wird dabei keine gefährliche Strahlung frei. Der Reaktor soll rund 20 Jahre laufen. Iter - lateinisch für "der Weg" - steht für Internationaler Thermonuklearer Experimenteller Reaktor.

Auch zeitlich läuft das Projekt aus dem Ruder

Ursprünglich waren für die Errichtung des Testreaktors im südfranzösischen Cadarache rund 5 Milliarden Euro veranschlagt worden. Die EU-Kommission schätzt die Gesamtkosten mittlerweile auf rund 15 Milliarden Euro. Auch zeitlich scheint das Projekt immer weiter aus dem Ruder zu laufen. Das 2006 bei Vertragsabschluss genannte Jahr 2018 für die Fertigstellung ist mehr als unsicher und dürfte sich um mehrere Jahre nach hinten verschieben, hieß es aus Diplomatenkreisen.

"Iter ist ein sehr bedeutendes Projekt für Europa", betonte Schavan. Daher dürfe es auch nicht gefährdet werden. Schavan fordert zur Sicherung jedoch mehr Transparenz. "Wir brauchen ein anderes Management, und wir brauchen eine klare Perspektive", sagte die Berliner Ministerin. Auch müsse geklärt werden, welchen Anteil die EU aus ihrem eigenen Etat übernehmen werde. "Dazu gibt es keine Ansage, nach unserem Verständnis muss das aber kommen".

Bereits in der vergangenen Woche hatten Brüsseler Diplomaten erklärt, die EU-Kommission prüfe derzeit verschiedene Optionen zur Geldbeschaffung. Eine Variante sieht eine anteilige Weitergabe der Zusatzkosten an die EU-Staaten vor. Für Deutschland würde das bis 2013 rund 280 Millionen Euro Mehrkosten bedeuten. Zur Sicherung der Milliardenkosten sollen sich die EU-Länder zudem verpflichten, alle Zusatzkosten bis 2020 zu übernehmen. Hochrechnungen zufolge müsste Deutschland dann sogar bis zu 900 Millionen Euro zahlen.

"Wir können keine Schlussfolgerung verabschieden, die da heißt, wir wollen das und werden mal sehen wie das zu finanzieren ist", betonte Schavan. Die Schlussfolgerungen der EU-Kommission seien "nicht ausreichend". Angesichts der "ungewöhnlich schwierigen Lage in allen nationalen Haushalten" müssten die Länder die jeweiligen Kosten zudem auch stemmen können. Schavan will sich nach eigener Aussage jetzt verstärkt zur Klärung der offenen Fragen einsetzen. Europa sei auch seinen internationalen Partnern eine schnelle Lösung des Problems schuldig, sagte sie. Am 18. Juni sind die Gespräche mit den außereuropäischen Iter-Partnern geplant. (dpa)

Datum:  26 | 5 | 2010
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