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Aroma: Der Duft der Weihnacht

Im Schlafzentrum wirksam

Ebenfalls an Mäusen untersuchte Hatt die Wirkung von Carveol, ein Inhaltstoff des Jasmin, direkt an den Gehirnzellen. In Versuchen wurden neugierige und lebhaft im Käfig herumflitzende Mäuse bei Jasminduft nach wenigen Minuten träge, hockten sich in eine Ecke und schliefen ein. Es stellte sich heraus, dass Carveol im Schlafzentrum des Mäusegehirns am Schlafrezeptor, dem Gaba-Kanal, andockt. Es besetzt exakt die gleiche Andockstelle wie die körpereigene schlafauslösende Substanz Gaba, Gamma-Amino-Buttersäure. "Deren Wirkung konnte Carveol 100-fach verstärken", berichtet Hatt. "Nach dem gleichen Prinzip wirkt übrigens Valium."

Einschläfernd wirkt auch das Linalool des Lavendels. In einem Versuch mit gesunden Senioren konnte gezeigt werden, dass die Schlafdauer nach Absetzen von zuvor verabreichten Schlafmitteln deutlich sank und unter anschließender Beduftung mit Lavendel wieder auf das Niveau wie mit Schlafmitteln stieg. "Überhaupt - der Lavendel ist ein Alleskönner unter den Heilpflanzen", meint Hatt.

Lavendel, ob eingeatmet oder in die Haut massiert, beruhigt, senkt den Blutdruck, stillt Schmerz, kann Kopfschmerzen, Migräne, nervösen Magen und Kreislaufschwäche lindern, hellt die Stimmung auf, steigert die Aufmerksamkeit und baut Stresshormone ab, wie verschiedene Untersuchungen unter anderem der EEG-Muster von Versuchsteilnehmern zeigen.

Buchbauer berichtet, dass die beruhigende Wirkung von Lavendel sogar bei Schweinen gemessen werden konnte, denen auf dem Weg zum Schlachthof Lavendel in die Einstreu gemischt worden war. Sie litten deutlich weniger unter Stress und hatten einen geringeren Gehalt des Stresshormons Cortisol im Speichel.

Eher harmonisierend als entspannend wirkt Ylang Ylang, stellten Buchbauer und Heuberger in einer Placebo kontrollierten Studie fest. Der Duft senkt Blutdruck und Herzfrequenz und steigert Aufmerksamkeit und Wachheit.

Manche Öle wie Teebaumöl können die Aufgabe von Arzneimitteln übernehmen und gegen Viren, Bakterien und Pilze wirken. Teebaumöl hemmt die Atmung der Zellmembran der Mikroorganismen und verstärkt deren Durchlässigkeit, was zu einem rasanten Verlust an Kaliumionen und schließlich zum Tod der Mikroorganismen führt.

Die Stimmung steigt

Das ätherische Öl der Orange wirkt stimmungsaufhellend und antriebssteigernd und eignet sich für den Einsatz bei Depressionen und Stress. Julia Eidt, Medizinerin an der Universität München, hat in einer Placebo kontrollierten Studie mit über 60-Jährigen die Wirkung von Lavendel und Orange auf Befindlichkeit, depressive Symptomatik und den Schlaf untersucht, da in dieser Altersgruppe solche Störungen überdurchschnittlich hoch sind. Sie stellte fest, dass beide Düfte sowohl die depressiven Symptome deutlich reduzierten, Gesamtstimmung und Wohlbefinden stark steigerten und die Qualität des Schlafes verbesserten. Diese Wirkung hielt auch nach Absetzen des Duftes eine Zeit lang an.

Versuche mit Mäusen haben gezeigt, dass ätherische Öle beispielsweise aus der Orangenschale sogar vor bestimmten Krebsarten schützen, das Wachstum vorhandener Tumore hemmen oder diese reduzieren können. Nachdem Hatt vor einiger Zeit festgestellt hat, das Spermien mittels eines Riechrezeptors für Maiglöckchen den Weg zur Eizelle finden, konnte er kürzlich an Prostatakrebszellen einen Riechrezeptor für Veilchenduft identifizieren.

Ein sehr ähnlich aufgebautes Molekül wie das des Blumenduftes ist ein Stoffwechselprodukt des männlichen Sexualhormons Testosteron. Hatt fand an Zellkulturen heraus, dass dieses Steroidhormon den Riechrezeptor aktiviert und auf diesem neu entdeckten Signalweg direkt dem Zellkern das Kommando gibt, die Zellteilung zu stoppen. Das Wachstum der Krebszellen sank gegen Null.

"Das heißt praktisch, dass man mit Veilchenduft das Prostatakrebswachstum anhalten kann", schlussfolgert Hatt. Er erwartet, dass in den nächsten Jahren überall im Körper Riechzellen entdeckt werden, die chemische Signalstoffe wie Duftmoleküle empfangen und Reaktionen auslösen. "Vielleicht ergeben sich dann ganz neue Therapiemöglichkeiten für viele Krankheiten."

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2 von 2
Autor:  Margit Mertens
Datum:  24 | 12 | 2009
Seiten:  1 2
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