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20. Januar 2015

Artensterben im Meer: Den Meeren droht Artensterben

 Von Anja Garms
Gefangene Blauflossen-Thunfische: Die bedrohten Tiere werden immer noch gejagt.  Foto: picture alliance / dpa

Forscher sehen die Tierwelt in den Meeren bedroht. Den marinen Tierarten könnte eine Aussterbewelle drohen, die vergleichbar ist mit dem Verschwinden zahlreicher Landlebewesen in den vergangenen Jahrhunderten.

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Die Tierwelt in den Meeren ist bedroht: Der Einfluss des Menschen auf die marinen Ökosysteme nehme in Geschwindigkeit und Ausmaß zu, schreiben Forscher im Fachblatt „Science“. Den marinen Tierarten drohe eine Aussterbewelle, die vergleichbar sei mit dem Verschwinden zahlreicher Landlebewesen in den vergangenen Jahrhunderten. Noch sei aber Zeit, der Krise zu begegnen, und es gebe Mechanismen, mit denen sich die Entwicklung aufhalten und umkehren lassen.

Die Wissenschaftler um Douglas McCailey von der University of California in Santa Barbara in Kalifornien hatten für ihren Übersichtsartikel die Entwicklung des Artensterbens an Land vor und nach Beginn der Industriellen Revolution mit der Entwicklung in den Meeren verglichen. In den vergangenen gut 500 Jahren seien nach Angaben der Weltnaturschutzorganisation IUCN 514 Arten von Landlebewesen ausgestorben, schreiben die Forscher. Für viele Meeresbewohner lägen nur unzureichende Daten vor, aber der Schwund sei gegenwärtig vermutlich deutlich geringer: Im gleichen Zeitraum seien aus den Meeren nur 15 Arten als verschwunden erfasst worden.

Mit dem Aufkommen der industriell betriebenen Fischerei und der zunehmenden Besiedelung der Küsten habe das Artensterben und die Bedrohung der Arten im vergangenen Jahrhundert allerdings erheblich zugenommen. Und das vollständige Verschwinden von Arten allein sei kein angemessener Maßstab, um die Bedrohung der marinen Ökosysteme zu charakterisieren. Die Verbreitung vieler mariner Tierarten habe abgenommen, viele seien lokal ausgestorben. Einige seien in ihrem Bestand so sehr dezimiert, dass sie ihre Aufgaben im Ökosystem nicht mehr erfüllen können. Daten zeigten, dass die Häufigkeit von Fischen, Seevögeln, Seeschildkröten und marinen Säugetieren in den vergangenen vier Jahrzehnten um durchschnittlich 22 Prozent abgenommen habe.

Arten kommerzeill ausgestorben

Andere Arten seien „kommerziell ausgestorben“: Ihre Zahl sei soweit geschrumpft, dass sich ihre kommerzielle Nutzung durch den Menschen nicht mehr lohne, etwa bei den Grauwalen. Dieses „Glück“ wiederum werde nicht allen bedrohten Arten zuteil. Der Blauflossen-Thunfisch zum Beispiel sei so begehrt und erziele so hohe Preise im Verkauf, dass er noch immer gejagt werde.

„Es gibt mittlerweile eine industrielle Tierproduktion im Meer und Fressplätze für Thunfische, die an Rinderfarmen erinnern“, wird Steve Palumbi von der Stanford University in einer Mitteilung zur Studie zitiert. „Shrimps-Farmen fressen Mangroven mit einem ähnlichen Appetit auf wie landwirtschaftliche Betriebe an Land Grasländer und Wälder verzehren.“

Rechte zur Ausbeutung des Meeresbodens würden mit einer Leidenschaft begehrt wie seinerzeit beim Goldrausch, so Palumbi weiter. Tonnenschwere Geräte und riesige Fischerei-Schiffe stünden bereit.

„Alle Zeichen weisen darauf hin, dass wir eine marine industrielle Revolution initiieren“, ergänzt Erstautor McCauley. Wir machten uns bereit, im Ozean ein ähnliches Armageddon anzurichten wie an Land. Um die Entwicklung aufzuhalten, sei es notwendig, marine Schutzzonen einzurichten beziehungsweise zu erweitern. Derzeit seien nur etwa 3,6 Prozent der Ozeane auf der Welt geschützt. Das allein reiche allerdings nicht aus. Es seien kreative und effektive Management-Strategien für die großen Flächen zwischen den Schutzgebieten nötig.

„Die Ozeane sind noch relativ voll mit den ursprünglichen tierischen Zutaten und haben noch immer eine ausreichende Widerstandsfähigkeit, so dass das Ziel erreichbar bleibt, die gegenwärtige Krise des marinen Artensterbens umzukehren“, schreiben die Autoren. Die nächsten Jahrzehnte seien die, in denen wir über das zukünftige Schicksale der marinen Tierwelt entscheiden würden. (dpa)

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