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Artensterben: Keine Zeit zu warten

Die internationale Gemeinschaft schafft es einfach nicht, das Artensterben zu bremsen. Jetzt schlagen Wissenschaftler der UN Alarm. Von Andreas Kraft

Grüne Meeresschildkröten vor Borneo:  Ob ihr Lebensraum aus Korallen in einigen Jahren noch existiert, hängt vom Menschen ab.
Grüne Meeresschildkröten vor Borneo: Ob ihr Lebensraum aus Korallen in einigen Jahren noch existiert, hängt vom Menschen ab.
Foto: rtr

Die Bilanz fällt verheerend aus: 2002 hatten sich 192 Länder und die EU darauf verpflichtet, bis 2010 den Verlust der Artenvielfalt "global, regional und national" zu bremsen. Jetzt stellt der dritte Ausblick zur globalen Biodiversität der Vereinten Nationen (UN) fest, dass dieses Ziel in keinem Bereich erreicht wurde.

Aufgeteilt wurde das Gesamtziel damals in 21 Unterpunkte. Auch keines dieser Ziele wurde erreicht, geht aus dem gestern veröffentlichten Report hervor.

Fatale Entwicklung

Obwohl weltweit Naturschutzgebiete flächenmäßig an Land und Wasser wachsen, reicht dies nicht aus, um bedrohte Tierarten zu schützen. Das zeigt der jüngste UN-Report zur globalen Biodiversität.

Die Zahl der Säugetiere, Vögel und Amphibien, die auf der Roten Liste verzeichnet werden, weil ihre Existenz bedroht ist, steigt an. Zusätzlich sterben sehr viele Korallenarten extrem schnell aus.

Stark betroffen sind mehrere Lebensraumtypen: Feuchtgebiete, Sümpfe, Korallenriffe, Seegrasfelder und Meereseis nehmen in der Fläche ab. Geschlossene Waldflächen werden auseinander gerissen, Mangrovenwälder zerstört.

Gegen die Zerstörung empfehlen die UN-Autoren mehr Effizienz bei der Nutzung der Ressourcen, Wiederherstellung von Ökosystemen, breite Aufklärung und Streichung der Fördermittel für zerstörerische Projekte. (FR)

Der UN-Report zum Download.

Die Wissenschaftler der UN schlagen nun Alarm: Schon bald wird die Zerstörung mancher Lebensräume so weit fortgeschritten sein, dass sie unumkehrbar wird. Das treffe dann auch den Menschen. Schließlich stellen die Ökosysteme mit Nahrung und Frischwasser Ressourcen bereit, ohne die die Weltbevölkerung nicht auskommen kann.

Zuerst werde der Verlust dieser Ressourcen vor allem die Entwicklungsländer treffen. Das Armuts-Problem werde dadurch weltweit verschärft.

Plaßmanns Klima

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Vom Klimawandel bedrohte Tiere

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Drei Lebensräume bedroht

Besonders bedroht sind drei Lebensräume, wobei sich nicht genau sagen lässt, wann sie tatsächlich verschwinden: der Amazonas-Regenwald, Korallenriffe und das Süßwasser. Dem Regenwald setzt der Mensch weiter mit Abholzung massiv zu. Hinzu kommen die Folgen des Klimawandels. In weiten Teilen wandle sich der Wald so zu einer Savanne.

Derzeit ist das Amazonasbecken um 18 Prozent kleiner geworden. Bei einer Entwaldung von bis zu 20 Prozent könne diese Entwicklung vermutlich nicht mehr umgekehrt werden. Die Folgen sind schon jetzt absehbar: Der Regen würde in der Region abnehmen, was die Ernten akut gefährdet.

Zudem kann der Regenwald, wenn er erst mal zur Steppe geworden ist, kein CO2 mehr aufnehmen, was den Klimawandel weiter verschärft. Zudem gingen mit dem Lebensraum zahlreiche Tier- und Pflanzenarten verloren.

Ähnlich bedroht sind Seen und Flüsse weltweit. Aufgrund der zunehmenden Düngung der Äcker drohen sie umzukippen. Der Stickstoff, der eigentlich Weizen und Kartoffeln wachsen lassen soll, düngt auch Algen.

Damit geht der Sauerstoffgehalt der Gewässer zurück - Fische, Schnecken und Muscheln ersticken. Der Mensch verliert Frischwasser und Nahrung. Um diese Entwicklung zu stoppen, so die UN-Wissenschaftler, müsse die Düngung verringert werden.

Die nächsten zehn bis 20 Jahre entscheiden

Die Korallenriffe sind besonders vom Klimawandel betroffen. Das Meer nimmt eine großen Teil, des in die Luft geblasenen Kohlendioxids auf. Dadurch verändert sich die chemische Zusammensetzung des Wassers und damit auch der Lebensraum der Korallen.

Sie können wegen der ansteigenden CO2-Konzentrationen zunehmend schwieriger Schalen bilden. Die Riffe wiederum bieten vielen Fischen und anderen Meerestieren einen einzigartigen Lebensraum.

Der UN-Report fordert daher, schnell zu handeln. Die kommenden zehn bis 20 Jahre entschieden darüber, ob die Lebensräume noch nach 2100 existieren werden.

Geschehe zu wenig, drohten radikale Veränderungen der Lebensgrundlagen für Tiere und Menschen. Wie sie dann aussähen, sei vollkommen unklar. Das Risiko, dass die Menschen dann nicht mehr die nötigen Ressourcen finden, sei sehr hoch.

Autor:  Andreas Kraft
Datum:  10 | 5 | 2010
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