Raus aus dem Haus, zum Job oder zur Uni gefahren oder gar in Urlaub – und plötzlich dieser nagende Zweifel: Ist die Tür richtig zu? Ist der Herd aus? Jeder kennt das. Und jeder weiß, dass die Unsicherheit – auch wenn die Tür natürlich eigentlich immer zu ist – einem den Tag vermiesen kann. Vor allem, wenn niemand in der Nachbarschaft ist, der mal eben gucken kann.
In Zukunft kann vielleicht immer einer gucken: Derjenige nämlich, der seine Tür offen wähnt. Und zwar via Computer, von jedem Ort der Welt aus. Ist die Tür auf, schließt er sie eben. Oder er öffnet sie. Warum er das tun sollte? „Zum Beispiel wenn die Freunde vor der Tür stehen, die zum Spaghettikochen kommen − man selber aber noch am Schreibtisch sitzt“, sagt Bernd Dörge. „Dann sagt man einfach: ,Moment, ich mach’ mal schnell die Tür auf. Das Bier ist im Kühlschrank.‘“
Eine IP-Adresse für den Herd
Noch ist es nur ein Prototyp, den der 25-jährige Student der Kommunikations- und Informationstechnik in seinem Kofferraum durch Berlin fährt und auf Anfrage gern vorzeigt. In Form einer kleinen – vielleicht einen halben Quadratmeter großen – Tür, die mit einem intelligenten Türschloss versehen ist. Das Schloss hat einen kleinen Aufsatz, den man über eine Basisstation anfunken kann, um die Tür zu öffnen oder zu schließen − das System ist bereits auf dem Markt.
Der Berliner Student aber würde das Prinzip gern perfektionieren; und statt zuerst mit der Basis unmittelbar mit dem Schloss in Verbindung treten. Warum? „Die Intelligenz gehört in die Endgeräte,“ sagt Bernd Dörge, „und zwar nicht nur in das Türschloss. Was mit der Tür geht, geht dann natürlich auch mit Kaffee- oder Waschmaschine.“ An der Programmierung sitzt Dörge gerade – und zwar vermutlich bis zum 21. März. Dann muss er seine Master-Arbeit an der Beuth-Hochschule für Technik in Berlin abgeben.
Die erste Würdigung hat er bereits bekommen: Das Potsdamer Hasso-Plattner-Institut prämierte seine Idee mit 1000 Euro. Warum das Institut des SAP-Gründers sich für Dörges Arbeit interessiert, erschließt sich bei näherem Hinsehen. Die Verleihung fand beim IPv6- Kongress des HPI statt.
Dahinter verbirgt sich das neue Internet-Protokoll, das schon sehr bald die bisherigen IPv4 Adressen ablösen wird. Eine IP-Adresse ist das, was jede Datei, die von einem Computer zum anderen geschickt wird, benötigt, damit sie das richtige Ziel erreicht. Sie gehen zur Neige. Ersetzt werden sollen sie durch das IPv6-System, das 340 Sextillionen Adressen bietet.
Dann sollen alle „intelligenten“ Geräte IP-Adressen bekommen: Herde, Smartphones, Waschmaschinen – und Türschlösser. Das HPI prämiert Ideen, die das neue System voranbringen.
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