Jede fünfte Familie in Deutschland ist alleinerziehend – Tendenz steigend. Diese Familien sind laut Statistik überdurchschnittlich oft von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen. Da etwa 90 Prozent der Alleinerziehenden Frauen sind, geraten vor allem sie in Gefahr, in prekären Verhältnissen zu leben – und zwar umso häufiger, je geringer ihr Bildungsstand ist.
Bei einem neuen Qualifizierungsprojekt haben die Bundesagentur für Arbeit und die Deutsche Telekom deshalb vor allem Mütter ohne Berufsausbildung im Blick. Diese „Talentgruppe“ werde bislang kaum berücksichtigt, sagte Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Telekom, am Montag in Leipzig. Dort wird die Hochschule für Telekommunikation Alleinerziehenden ein duales Studium anbieten. Außerdem sollen alleinerziehende Mütter ohne Berufsausbildung an verschiedenen Telekom-Standorten in Deutschland ihre Ausbildung in Teilzeit beginnen. Sattelberger forderte, die Rekrutierungsverfahren innerhalb der Unternehmen zu reformieren. Man habe bislang zu sehr „auf den glattgebügelten Lebenslauf geschaut“.
Ob sich diese Praxis tatsächlich ändert, daran hat zumindest Matthias Anbuhl vom DGB große Zweifel. Gerade die dualen Studiengänge, die Unternehmen in Kooperation mit Hochschulen betreiben, um ihren eigenen Nachwuchs heranzuziehen, seien eher elitär ausgerichtet. Sie sollten nach Ansicht des DGB auch für Menschen ohne Abitur geöffnet werden.
Grundsätzlich begrüßt Anbuhl jedoch Teilzeit-Projekte wie das der Telekom: „Es müsste jedoch viel mehr Angebote geben.“ Die Zahl der Teilzeit-Auszubildenden liege bei 0,14 Prozent, obwohl das Bundesberufsbildungsgesetz die Möglichkeit zur Teilzeitausbildung bereits 2005 geschaffen habe. Leider, so Anbuhl, blockierten jedoch noch viele Kammern die Einführung von Teilzeit in der Berufsausbildung
Anstatt Alleinerziehende als Randgruppe zu sehen, für die man spezielle Bildungsprojekte braucht, plädiert Antje Asmus vom Bundesverband für Alleinerziehende dafür, die Berufs- und Verdienstchancen von Frauen generell zu verbessern: „Dann haben sie auch als Alleinerziehende deutlich bessere Perspektiven.“
Die Alleinerziehenden selbst schätzen ihre Lage übrigens deutlich positiver ein als ihr Umfeld, das sie laut einer aktuellen Studie des Bundesfamilienministeriums vor allem als bedürftig, beziehungsunfähig und wenig belastbar einschätzt. Dabei ist laut Selbstauskunft der Erfolg im Beruf für alleinerziehende Mütter besonders wichtig – während ein Großteil der Mütter in Paarfamilien das als eher nachrangig betrachtet.
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