Es geht also doch: Wer an der Universität Tübingen studiert, darf sich acht Semester bis zum Bachelor Zeit nehmen - er studiert damit in der Regelstudienzeit, also ohne, dass das Bafög gestrichen, der Zugang zum Master gefährdet oder das gesellschaftliche Ansehen ruiniert wird. Bisher gilt die Regelung zwar nur für Studenten der Physik und Psychologie. Aber die Prorektorin für Lehre, Stefanie Gropper, ist sicher, dass sich andere Fachbereiche anschließen werden. Seit Wintersemester ist der vierjährige Bachelor in der Pilotphase. Künftig soll jeder Fachbereich mit mehr als 20000 Studierenden die Chance bekommen, ihn zu kopieren.
Und was bringt den Studierenden das Jahr mehr an der Uni? Was es ihnen nicht bringt, ist mehr Zeit zum Jobben oder auch mehr Freizeit. "Wir wollten kein Teilzeitstudium einführen, sondern ein Modell, in dem die Studierenden anders und besser lernen", sagt Gropper. Wie in den ersten drei Jahren müssen die Tübinger Physiker und Psychologen auch im vierten Jahr 60 Kreditpunkte ergattern. Darin, wie sie die bekommen, sind sie aber viel freier als in dem engen Korsett des Sechs-Semester-Curriculums.
Wer will, kann seine Fachkenntnisse vertiefen und mehr Kurse in Physik oder Psychologie belegen. Wer das nicht will, kann etwas ganz anderes tun: Französisch oder Geschichte lernen, ein Semester im Ausland studieren, oder Praktika absolvieren.
Für eine große Bandbreite von Lernerfahrungen wird den Studierenden zugesichert, Punkte anerkannt zu bekommen. "Wir haben gefragt, was die Studierenden am meisten vermissen", erläutert die Prorektorin: "Und davon haben wir so viel wie möglich ermöglicht."
Idealerweise würde natürlich nicht nur jeder Fachbereich auf einen achtsemestrigen Bachelor umschwenken dürfen, sondern jeder Studierende in jedem Fach. Doch daraus wird nichts. Denn jedes neue Modell bräuchte jeweils eine eigene Studien- und Prüfungsordnung. "Den Aufwand können wir uns schlicht nicht leisten", sagt Stefanie Gropper. (jago)
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