Volmarstein. Körperbehinderte Heimkinder waren in einem Heim der Evangelischen Stiftung Volmarstein in den 50er und 60er Jahren körperlicher und seelischer Gewalt ausgesetzt. Zu diesem Ergebnis kommen die Historiker Hans-Walter Schmuhl und Ulrike Winkler, die im Auftrag der Stiftung die Situation im Johanna-Helenen-Heim untersuchten.
Die etwa 60 Mädchen und Jungen, die in diesem Heim aufwuchsen, seien geschlagen und gedemütigt worden, sagte Schmuhl und nennt ein Beispiel: Ein Mädchen hatte sein Mittagessen stehenlassen. "Zwei Diakonissen legten sie auf den Boden, schaufelten das Essen in sie hinein und wenn sie erbrach, fütterten sie ihr auch Erbrochenes." Ulrike Winkler fasst zusammen: "In dem Heim herrschten Willkür, Zerstörung, Angst und Einsamkeit. Man blickte in das Herz der Finsternis."
Die Züchtigung sei auch nach damaliger Rechtslage als Körperverletzung strafbar gewesen, sagte Schmuhl und warf der damaligen Leitung des Sozialwerks vor, die Kinder nicht geschützt zu haben. Die Bewohner des Heims, die zum Teil noch heute in Volmarstein leben, forderten, dass beim Mitte Februar eingerichteten bundesweiten "Runden Tisch zur Aufarbeitung des Schicksals von Heimkindern" Misshandlungen körperbehinderter Kinder eigens behandelt werden.
In dem Heim lebten zwischen 1945 und 1968 etwa 60 körperbehinderte Kinder. epd
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