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Nachrichten aus Wissenschaft und Bildung

27. September 2012

Beschneidung: Schaden durch Narkose

 Von Birgitta vom Lehn
Sorgfältiges Abwägen vor einer Operation: Eingriffe am Trommelfell sind bei Kleinkindern relativ häufig.  Foto: imago

Eine Studie zeigt, dass schon ein harmloser Eingriff bei Kleinkindern negative Auswirkungen auf die sprachliche und geistige Entwicklung haben kann. Denn die Betäubung wirkt lange nach - auch bei Beschneidungen.

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Thema: Beschneidung

Beschneidung an Jungen - Körperverletzung oder harmloser Eingriff? Diskutieren Sie mit.

Der Gesetzentwurf zur Beschneidung von Jungen des Bundesjustizministeriums ist am Mittwoch an Experten verschickt worden. Er entspricht den Wünschen, religiös motivierte Jungen-Beschneidungen zu erlauben – so sie denn nach den Regeln der ärztlichen Kunst schmerzfrei durchgeführt werden, also mit Betäubung.

Eine Studie, die US-amerikanische und australische Wissenschaftler soeben in der Zeitschrift Pediatrics veröffentlicht haben, zeigt nun, dass diese Schmerzfreiheit selbst bei einem relativ harmlosen Eingriff wie der Zirkumzision für das Kind langfristige Folgen haben kann. Wer vor seinem dritten Geburtstag eine Betäubung erfahren hatte, konnte sich demnach im Alter von zehn Jahren schlechter sprachlich ausdrücken und hatte geringere geistige Fähigkeiten, was etwa abstraktes Denken betraf.

Dabei spielte es so gut wie keine Rolle, ob es sich nur um einen kleineren, harmlosen Eingriff oder gleich mehrere Operationen handelte. Das Risiko, mit zehn Jahren an einem Sprachdefizit zu leiden, war bereits bei einfach operierten Kindern zweieinhalb Mal höher als bei nicht operierten. Ihr Risiko, später bei anspruchsvollen abstrakten Aufgaben nicht mithalten zu können, stieg um das 1,7-Fache.

Trommelfell durchstochen

Die Forscher analysierten insgesamt 2608 Daten einer australischen Schwangerenkohorte. Die Kinder waren alle zwischen 1989 und 1992 geboren. Bis zum Alter von zehn Jahren verfolgten die Wissenschaftler ihre Entwicklung und machten mit den Zehnjährigen umfangreiche Tests. Um sozioökonomische Faktoren auszuschließen, bezog man ausschließlich Daten von Kindern englischsprachiger Mütter ein. 321 dieser Kinder waren vor ihrem dritten Geburtstag einer Narkose unterzogen worden, die übrigen 2287 Kinder nicht.

In der Regel handelte es sich nicht um schwere Operationen wie Herzeingriffe, sondern um relativ harmlose: Am häufigsten wurde den kleinen Patienten das Trommelfell durchstochen (112), auf Platz zwei rangierten Nabelbruchoperationen (46) und Platz drei nahmen Beschneidungen (41) ein.

Jungen waren in der Betäubungs-Kohorte deshalb auch häufiger vertreten als Mädchen. Die Daten ständen in Einklang mit Ergebnissen aus der Tierforschung, schreiben die Mediziner. Dort sei bereits seit Längerem bekannt, dass Narkotika kognitive Langzeitdefizite und Verhaltensänderungen bewirken. Bei Tieren scheint die empfindliche Phase der Hirnentwicklung jedoch nur zwischen dem siebten und 30. Lebenstag zu liegen. Beim Menschen dauere sie dagegen bis zum dritten Lebensjahr.

Es gab Hinweise

Studienleiter Caleb Ing von der Columbia Universität in New York weist darauf hin, dass negative Auswirkungen von Betäubungen auf sprachliche und geistige Fähigkeiten bei Kindern durch Narkotika bislang nicht ermittelt worden seien. Zwar hätte es Hinweise auf kognitive Einschränkungen gegeben, aber nur bei Kindern, die sich mehrfach operativen Eingriffen unterziehen mussten.

In dieser neuen Studie habe man nun aber erstmals zeigen können, dass selbst einmalige Betäubungen bei relativ harmlosen Eingriffen langfristige Folgen im sprachlichen und kognitiven Bereich nach sich ziehen.

Im visuellen Bereich, bei der Aufmerksamkeit, bei grob- und feinmotorischen Fertigkeiten und hinsichtlich des sozialen Verhaltens konnten die Wissenschaftler dagegen keine Unterschiede erkennen.

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