Frau Kegler, wie oft wird Ihnen vorgehalten, eine Schule müsse nicht schön sein - in ihr müssten Kinder einfach nur lernen?
Ich kenne sehr viele Schulen, die sich auf den Weg machen, das Lernen zu verändern. Doch leider wollen immer noch zu viele, dass alles bleibt wie es ist. Den Begriff "Schöne Schule" setzen sie allein mit gemütlichen Räumen, Fotos an den Wänden und guter Architektur gleich. Die ist auch extrem wichtig. Schulen sollten von den besten Architekten jugendgerecht und flexibel gebaut und mit besten Materialien ausgestattet werden. Viel zu oft stecken wir unsere Zukunft, die Kinder, in Betonbauten, unsere Geschichte aber in prachtvolle Museen. Doch eine schöne Schule ist viel, viel mehr als Architektur. Sie stellt eine anregende Lernumgebung dar, akzeptiert die Verschiedenheit der Menschen nicht nur, sondern genießt sie. Es geht um den Blick auf den Einzelnen, bewusstes Handeln und die bewusste Gestaltung von Räumen und Zeiträumen.
Ulrike Kegler ist Leiterin der Montessorischule Potsdam und Autorin des Buchs "In Zukunft lernen wir anders".
Kann das funktionieren, wenn alle Schüler gleichzeitig das Gleiche können sollen?
Genau da liegt ein Hauptübel. Ich bin gar nicht dafür, das Turboabitur abzuschaffen, aber wir müssen individuelle Lösungen schaffen. Manche Schüler haben mit der Schulzeitverkürzung kein Problem. Andere brauchen länger - ohne weniger intelligent zu sein. Diese Gleichmacherei kann nie funktionieren.
Wird es bald mehr "schöne Schulen" geben? Trauen Sie das Ihren Kollegen zu?
Ich persönlich kenne viele, denen das schon gelingt. Doch gemessen an der großen Lehrerschar sind es wenige. Der 45-minütige Rhythmus etwa scheint noch weit verbreitet. Lehrer sind eine Berufsgruppe, die Veränderung nicht so liebt. Wie oft höre ich die Klage über Neues und das Flehen, Schulen brauchten endlich mal Ruhe. Doch Schule ist Bewegung, Wachstum und Veränderung durch und von Menschen. Ihnen müssen wir die Bedingungen ständig anpassen. Lehrern geht es immer um den Stoff und mangelnde Zeit. Dieser unangebrachte Hang zur Vollständigkeit ist ein Killerargument gegen Schulveränderung.
Wie wollen Sie die Beharrlichen überzeugen?
Es gibt sehr viele gute Schulen, die keine Belehrungsschule mehr sind. Hier lernen Kinder in würdevoller Atmosphäre gemeinsam mit- und voneinander. Sie haben keine Angst, abgeschoben oder an der Tafel vorgeführt zu werden. Diese Schulen werden überrannt. Ich bin optimistisch - Schule verändert sich gewaltig in den nächsten zehn Jahren.
Ihre Kritiker sprechen von Kuschelpädagogik
Ellenbogen entwickelt man nur indem man Persönlichkeit entwickelt, seine Eigenarten, Stärken sowie Schwächen kennt und zur guten Selbstreflektion fähig ist und nicht durch Vokabellernen.
Kann eine "schöne Schule" Disziplin-, Respektlosigkeit und Gewalt verhindern?
In der Schule kann man viel, wenn auch nicht alles auffangen. Wir sollten die Schüler und ihre Eltern akzeptieren wie sie sind und ihre menschlichen sowie intellektuellen Regungen begleiten. Und wir dürfen nicht sagen, "das gehört hier nicht her". Wir müssen auf Bedürfnisse eingehen. Tun wir das nicht, werden die woanders hingeschoben. Zum Beispiel zum Alkohol, zu Drogen und zu Gewalt. Schulen, die ein Schulklima bewusst entwickeln, haben kaum Gewaltprobleme.
Interview: Stephan Lüke
Wie tief erwärmen sich die Meere - welche Tierart hat nichts zu fressen durch Treibhausgase? Testen Sie Ihr Wissen im FR-Quiz.
Wie eine gigantische Lasershow aus dem Weltall wirken die außerordentlich spektakulären Polarlichter - Bilder und Videos.
Neue Forschungsergebnisse in der Medizin, der Blick in das Innere des Menschen - mehr zu lesen im FR-Spezial Medizin.
Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.
Der Blick in den Weltraum auf ISS, Planeten, Sterne, Monde und die Sonne: Hintergründe, interaktive Grafiken, Fotostrecken und Videos.