kalaydo.de Anzeigen

Bildung: "Wir brauchen die besten Architekten"

Wenn Kinder ohne Angst mit- und voneinander lernen, ist schon viel erreicht, sagt die Potsdamer Rektorin und Buchautorin Ulrike Kegler im FR-Interview.

Kinder werden in Zukunft anders lernen, meint die Potsdamer Schulleiterin und Buchautorin Ulrike Kegler.
Kinder werden in Zukunft anders lernen, meint die Potsdamer Schulleiterin und Buchautorin Ulrike Kegler.
Foto: dpa

Frau Kegler, wie oft wird Ihnen vorgehalten, eine Schule müsse nicht schön sein - in ihr müssten Kinder einfach nur lernen?

Ich kenne sehr viele Schulen, die sich auf den Weg machen, das Lernen zu verändern. Doch leider wollen immer noch zu viele, dass alles bleibt wie es ist. Den Begriff "Schöne Schule" setzen sie allein mit gemütlichen Räumen, Fotos an den Wänden und guter Architektur gleich. Die ist auch extrem wichtig. Schulen sollten von den besten Architekten jugendgerecht und flexibel gebaut und mit besten Materialien ausgestattet werden. Viel zu oft stecken wir unsere Zukunft, die Kinder, in Betonbauten, unsere Geschichte aber in prachtvolle Museen. Doch eine schöne Schule ist viel, viel mehr als Architektur. Sie stellt eine anregende Lernumgebung dar, akzeptiert die Verschiedenheit der Menschen nicht nur, sondern genießt sie. Es geht um den Blick auf den Einzelnen, bewusstes Handeln und die bewusste Gestaltung von Räumen und Zeiträumen.

Zur Person:

Ulrike Kegler ist Leiterin der Montessorischule Potsdam und Autorin des Buchs "In Zukunft lernen wir anders".

Ulrike Kegler leitet die Montessori-Schule in Potsdam.
Ulrike Kegler leitet die Montessori-Schule in Potsdam.
Foto: privat

Kann das funktionieren, wenn alle Schüler gleichzeitig das Gleiche können sollen?

Genau da liegt ein Hauptübel. Ich bin gar nicht dafür, das Turboabitur abzuschaffen, aber wir müssen individuelle Lösungen schaffen. Manche Schüler haben mit der Schulzeitverkürzung kein Problem. Andere brauchen länger - ohne weniger intelligent zu sein. Diese Gleichmacherei kann nie funktionieren.

Wird es bald mehr "schöne Schulen" geben? Trauen Sie das Ihren Kollegen zu?

Ich persönlich kenne viele, denen das schon gelingt. Doch gemessen an der großen Lehrerschar sind es wenige. Der 45-minütige Rhythmus etwa scheint noch weit verbreitet. Lehrer sind eine Berufsgruppe, die Veränderung nicht so liebt. Wie oft höre ich die Klage über Neues und das Flehen, Schulen brauchten endlich mal Ruhe. Doch Schule ist Bewegung, Wachstum und Veränderung durch und von Menschen. Ihnen müssen wir die Bedingungen ständig anpassen. Lehrern geht es immer um den Stoff und mangelnde Zeit. Dieser unangebrachte Hang zur Vollständigkeit ist ein Killerargument gegen Schulveränderung.

Wie wollen Sie die Beharrlichen überzeugen?

Es gibt sehr viele gute Schulen, die keine Belehrungsschule mehr sind. Hier lernen Kinder in würdevoller Atmosphäre gemeinsam mit- und voneinander. Sie haben keine Angst, abgeschoben oder an der Tafel vorgeführt zu werden. Diese Schulen werden überrannt. Ich bin optimistisch - Schule verändert sich gewaltig in den nächsten zehn Jahren.

Ihre Kritiker sprechen von Kuschelpädagogik

Ellenbogen entwickelt man nur indem man Persönlichkeit entwickelt, seine Eigenarten, Stärken sowie Schwächen kennt und zur guten Selbstreflektion fähig ist und nicht durch Vokabellernen.

Kann eine "schöne Schule" Disziplin-, Respektlosigkeit und Gewalt verhindern?

In der Schule kann man viel, wenn auch nicht alles auffangen. Wir sollten die Schüler und ihre Eltern akzeptieren wie sie sind und ihre menschlichen sowie intellektuellen Regungen begleiten. Und wir dürfen nicht sagen, "das gehört hier nicht her". Wir müssen auf Bedürfnisse eingehen. Tun wir das nicht, werden die woanders hingeschoben. Zum Beispiel zum Alkohol, zu Drogen und zu Gewalt. Schulen, die ein Schulklima bewusst entwickeln, haben kaum Gewaltprobleme.

Interview: Stephan Lüke

Datum:  13 | 11 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Quiz

Wie tief erwärmen sich die Meere - welche Tierart hat nichts zu fressen durch Treibhausgase? Testen Sie Ihr Wissen im FR-Quiz.

Aurora Borealis

Wie eine gigantische Lasershow aus dem Weltall wirken die außerordentlich spektakulären Polarlichter - Bilder und Videos.

Spezial
Kindermund tut Wahrheit kund (FR vom 22. November 2011)

Zeichen für den Klimawandel: Erderwärmung, saure Meere, Treibhauseffekt, Ozonloch, Wetterkapriolen und Naturkatastrophen.

Anzeige

Videos
Ressort

Nachrichten aus Wissenschaft und Bildung


Spezial
www.museocereanatomiche.it

Neue Forschungsergebnisse in der Medizin, der Blick in das Innere des Menschen - mehr zu lesen im FR-Spezial Medizin.

Rückblick auf 50 Jahre
Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin in seinem Raumanzug bei Übungen zum ersten bemannten Weltraumflug. Gagarin umkreiste am 12. April 1961 in der Raumkapsel Wostok als erster Mensch die Erde.

Zum fünfzigsten Jahrestag des ersten Starts der Menschheit ins Weltall hat die russische Raumfahrtagentur ein Video veröffentlicht.

Anzeige

Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.

Spezial
Blick in die Magellanwolke

Der Blick in den Weltraum auf ISS, Planeten, Sterne, Monde und die Sonne: Hintergründe, interaktive Grafiken, Fotostrecken und Videos.

Spezial

Vor vierzig Jahren brachen mutige Männer auf, um einen Menschheitstraum zu erfüllen - die Landung auf dem Mond.

Umfrage: Sind Feedback-Fahrten für Fahranfänger sinnvoll?

Die Koalition plant offenbar, nach österreichischem Vorbild sogenannte Feedback-Fahrten für Führerscheinneulinge einzuführen. Die müssen drei Monate nach ihrer Prüfung erneut Fahrstunden nehmen. Gute Idee - oder Unsinn?

Meistgeklickt
Sängerin Loreen holt mit Euphoria den ESC nach Schweden und siegt in Baku.
Eurovision Song Contest in Baku 
Harry Nutt
Leitartikel zum Eurovision Song Contest 
Ermittler der Spurensicherung der Polizei durchsuchen in Kiel ein ehemaliges Trafohaus auf dem Gelände einer Kfz-Werkstatt.
Einsatz gegen Rockerbande 
Spezial

Sie sollte das Studium vereinfachen, das Hochschulwesen europaweit vereinheitlichen. Die Kritik an der Bologna-Reform lässt nicht nach.

Ein Jahr Fukushima
Test auf Strahlenspuren.

Ein Jahr nach dem 11. März 2011 zeigen wir, wie das Unglück Japan und die Welt verändert hat.

ANZEIGE
- Business
- sonstiges
- Kauftipps!