Eine Einigung für die Bildung war nicht drin. Wie fatal dieses Signal aber, das Bund und Länder beim Bildungsgipfel ausgaben, tatsächlich ist, wird erst mit dem dritten nationalen Bildungsbericht deutlich. Gestern stellten die Autoren ihn in Berlin vor - und machten deutlich: Zu tun gäbe es reichlich. Denn trotz steigender Bildungsinvestitionen hängt der Bildungserfolg hierzulande weiter stark von der sozialen und ethnischen Herkunft ab.
Unter Leitung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (Dipf) beschäftigten sich Bildungsforscher bundesweit vor allem mit der Frage, wie sich das demografisch bedingte Schrumpfen der nachfolgenden Generation auf das deutsche Bildungssystem auswirkt.
Zumindest für die Hochschulen zeigt sich dabei: Der Wandel tangiert sie kaum: Bis 2025 bleibt die Studienanfängerquote ungebrochen hoch. Damit aber kämen auf die deutschen Unis auch enorme Anstrengungen zu: "Der schon in der Vergangenheit als Überlast wahrgenommene Nachfragedruck wird zur Dauerlast", prognostiziert Andrä Wolter von der Hochschul-Informations-System GmbH (His). Beim Hochschulpakt II, mit dessen Hilfe die Unis bis 2015 insgesamt 275000 zusätzliche Studienanfängerplätze schaffen sollen, müssten Bund und Länder, geht man von einem mittleren Berechnungsszenario aus, etwa 64000 weitere Plätze drauflegen, so Wolter.
Handlungsbedarf sieht er zudem bei den Studienabbrüchen: Hier war die Quote 2008 wieder leicht auf 24 Prozent (2006: 21 Prozent) angestiegen. Insgesamt aber erwerben immer mehr junge Menschen einen höheren Bildungsabschluss. Das bessere Ende der Bildungsschere. Denn auf der anderen Seite lebt fast jeder Dritte unter 18 in sozialer, finanzieller und kultureller Armut.
Dabei sehen die Verfasser der Studie, die Bundesbildungsministerium und Kultusministerkonferenz in Auftrag gegeben hatten, vor allem für Kinder mit Migrationshintergrund weiter Handlungsbedarf: Ein Drittel besuche Kindergärten, in denen mehr als die Hälfte der kleinen Gäste zu Hause nicht Deutsch spreche. Zudem stellten sie den größten Part an Förder- und Hauptschulen und hätten, wenn sie die Schule ohne Abschluss verließen, kaum Chancen auf eine Ausbildung. Knapp 90 Prozent landen in Übergangsmaßnahmen, bei den Deutschen sind es drei von vier, die keinen Schulabschluss erworben haben.
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