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Nachrichten aus Wissenschaft und Bildung

20. Oktober 2008

Bildungsgipfel: Geplatzte Blasen

 Von LUDGER WÖßMANN
Nur eine Frage des Geldes? Finanzierung allein führt noch nicht zu mehr Wachstum.  Foto: getty

Nur eine Frage des Geldes? Finanzierung allein führt noch nicht zu mehr Wachstum. Ein Scheitern des Bildungsgipfels käme teurer als die Finanzkrise, meint Ludger Wößmann

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Die geplatzte Blase am US-Immobilienmarkt hat uns eine internationale Finanzmarktkrise beschert, die zu bis vor Kurzem unvorstellbaren Rettungspaketen geführt hat. Ihre langfristigen Konsequenzen für die Finanzwelt sind noch nicht abzusehen. Nun steht zu erwarten, dass sich die hohen Erwartungen, die die Bundeskanzlerin mit ihrem am Mittwoch stattfindenden Bildungsgipfel mit den Bundesländern geschürt hat, ähnlich in Luft auflösen.

Vermutlich wird der Bundesfinanzminister zur Gesichtswahrung ein paar Finanzmittel locker machen, die weniger als ein Prozent des Finanzmarkt-Rettungspakets ausmachen. Noch weit schwerer wiegt, dass von den notwendigen strukturellen Reformen unseres Bildungssystems eigentlich nichts mehr auf der Tagungsordnung verblieben zu sein scheint.

Von der "Bildungsrepublik Deutschland", die Frau Merkel ausgerufen hatte, ist mal wieder wenig übrig geblieben. Dabei hatte sie vollkommen Recht, als sie betonte, dass eine qualitativ hochwertige Bildung für alle der entscheidende Grundstein für die Akzeptanz unserer freiheitlichen Gesellschaftsordnung ist. Nur wer gerechte Start- und Aufstiegschancen bekommt, kann die Marktwirtschaft akzeptieren. Und darum ist es auch eine nationale Aufgabe, den Rahmen für ein erfolgreiches Bildungssystem sicherzustellen. Sie darf nicht den Eitelkeiten der Landespolitiker geopfert werden. Denn die langfristigen Konsequenzen einer geplatzten Bildungsblase wiegen schwer.

Ökonomische Studien belegen, dass eine Bildungsreform, die uns aus dem Pisa-Mittelfeld nahe an die Spitzenreiter heranbrächte, langfristig den Wachstumspfad unserer Volkswirtschaft jedes Jahr um einen guten halben Prozentpunkt erhöhen würde. Zum Vergleich: Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre betrug unser Wachstum insgesamt nur gut einen Prozent. Natürlich würde es einige Zeit dauern, bis solche Kompetenzverbesserungen überhaupt am Arbeitsmarkt und damit in der Wirtschaft ankämen. Gleichwohl würde eine solche Bildungsreform, selbst wenn sie zehn Jahre zur Umsetzung bräuchte, in 30 Jahren das Bruttoinlandsprodukt so sehr erhöht haben, dass allein aus der Erhöhung das gesamte Bildungsbudget unserer Republik bezahlt werden könnte. Und die wirklich großen Effekte setzen dann erst richtig ein.

Die wissenschaftlichen Ergebnisse belegen noch ein Weiteres: Wenn wir wirkliche Konsequenzen erzielen wollen, dann kommt es auf die eingesetzten Inputs kaum an. Entscheidend ist allein der Output: das, was die Kinder und Jugendlichen tatsächlich lernen. Für Bildung ausgegebene Euros allein führen noch nicht zu mehr Wachstum. Nur auf die tatsächlich erworbenen Kompetenzen kommt es an. Um zu beurteilen, ob ein Gipfelstürmer erfolgreich war oder nicht, schauen wir ja auch nicht darauf, ob seine Ausrüstung möglichst teuer war. Das einzig relevante Maß ist, ob der Bergsteiger den Gipfel erreicht hat oder nicht.

Auch die Bildungsgipfler sollten wir nicht danach beurteilen, wie viele Inputs sie ins Bildungssystem stecken, sondern ob die beschlossenen Maßnahmen zu erkennbarem Output führen: ob sie die Bildungsergebnisse nachhaltig verbessern werden. Denn wenn sich der Bildungsgipfel als leere Blase entpuppt, könnte uns das langfristig noch weit teurer kommen als die geplatzte Finanzmarktblase.

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