In den vergangenen fünf Jahren eröffneten in sieben deutschen Städten "türkische" Gymnasien. Die Träger werben damit, dass an diesen Schulen gerade türkischstämmigen Schülern der Weg zur guten Bildung und damit zur gesellschaftlichen Integration gebahnt werde. Kritiker hingegen erklären, dass diese Privatgymnasien die Parallelgesellschaft förderten. Bei türkischstämmigen Eltern gehen die Meinungen auseinander. Die einen sehen in den Lehranstalten eine Chance für ihren Nachwuchs, andere lehnen sie ab.
Gegen Privatschulen türkischer Träger spricht sich auch Berrin Albpek von der Föderation türkischer Elternvereine (Föted) aus. "Damit wird doch die Parallelwelt gefördert", sagt Albpek. Im Gegensatz zu deutschen Politikern wie dem nordrhein-westfälischen Integrationsminister Armin Laschet (CDU), der nichts gegen "private Initiativen" von türkischen Eltern einzuwenden hat, sofern sie sich ans deutsche Schulgesetz halten, kann die Föted-Vorsitzende diesen Institutionen nichts abgewinnen.
Alpbek kritisiert, dass die Privatschulen zwar "vordergründig von Elterninitiativen oder von Nachhilfe-Instituten gegründet worden sind. Wir wissen aber, dass dahinter die Gülen-Bewegung und religiöse Motive stecken".
In der Tat sind es Anhänger von Fetullah Gülen, die seinem Appell folgend in Deutschland nach Nachhilfe-Instituten nun auch Schulen eröffnen. "Gründet Schulen, statt Moscheen zu bauen", so lautet der Aufruf des inzwischen 71-Jährigen, der aus der Osttürkei stammt und bis Ende der 1980er Prediger im staatlichen Dienst war.
Der Islamwissenschaftler Bekim Agai beschreibt den seit 1999 in den USA lebenden Gülen "als Gründer einer weltweiten islamischen Bildungsbewegung". Seine Anhänger bauen seit Mitte der 1980er Jahre in der Türkei und in mehr als 50 Ländern ein Netz von Schulen und Universitäten auf.
"Islamische Motivation"
Gülen selbst ist in die Abläufe nicht direkt eingebunden, vielmehr ist er Ideengeber. Die Einrichtungen der Fetullahcilar, wie seine Anhänger im Türkischen genannt werden, "sind formal voneinander unabhängig, sie sind aber auf der Beziehungsebene zu einem Bildungsnetzwerk verbunden", so auch in Deutschland. "Seine Anhänger engagieren sich, aus islamischer Motivation heraus, für moderne, nichtreligiöse Bildung", heißt es in einer Schrift des Bonner Wissenschaftlers Agai.
Für die einen ist Gülen ein islamischer Reformdenker, der Religion und Moderne vereint und der Bildung größte Bedeutung beimisst. Kritiker hingegen sehen in ihm einen Anhänger des politischen Islams und werfen ihm religiöse Indoktrination vor.
Wie auch immer der Prediger eingeschätzt werden mag, gegen die Bildungseinrichtungen seiner Anhänger liegen keine belastenden Erkenntnisse vor.
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