Berlin. Ein Zusammenschluss verschiedener Schüler- und Studentengruppen bereitet an mehr als 100 Hochschulorten erneut Bildungsstreiks vor. Auftakt soll am 17. November ein bundesweiter Protesttag gegen die Verschulung der neuen Bachelor-Studiengänge und die in einigen unionsgeführten Bundesländern erhobenen Studiengebühren sein, erklärten die Organisatoren am Dienstag in Berlin.
"Wir fordern selbstbestimmtes Lernen, freien Hochschulzugang, Demokratie an allen Studieneinrichtungen und bessere Lernbedingungen", sagte Michael Dunker, Student an der Universität Münster. Der sogenannte Bologna-Prozess zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulwesens müsse infrage gestellt werden. Die Reaktionen auf die Bildungsproteste im Sommer seien zu gering ausgefallen - es habe keine echten Veränderungen im bestehenden Bildungssystem gegeben.
Europaweite Proteste
Bereits im Juni hatten Tausende Schüler und Studenten in ganz Deutschland mit Demonstrationen und Blockaden bessere Bildungsbedingungen gefordert. "Die Kultusministerkonferenz hat daraufhin lediglich festgestellt, dass es Kritik am Bologna-Prozess gibt. Das ist zu wenig", betonte Dunker. Nun soll mit einem europaweiten Protest den Forderungen der Studenten Nachdruck verliehen werden.
Die neue Protestwelle hat ihren Ausgangspunkt in Österreich. Dort halten Studenten schon seit mehr als zwei Wochen Hörsäle der wichtigsten Universitäten besetzt, in Deutschland seien es nun elf, teilten so die Mitglieder des Protestbündnisses am Dienstag. So ist es in den Hochschulen Potsdam, Münster, Heidelberg, Marburg, München, Paderborn, Darmstadt, Mönchengladbach, Greifswald, Dresden und Tübingen zu Hörsaal-Blockaden gekommen.
Nun kündigten die Studenten an, weitere Demonstrationen und Besetzungen folgen zu lassen. Mehr als 100 Basisgruppen des Bündnisses gebe es bundesweit. Geplant ist unter anderem eine Blockade der Kultusministerkonferenz am 10. November in Bonn. "Wir wollen die Politiker nachsitzen lassen - vielleicht wird ihnen dann klar, dass sich etwas ändern muss", sagte Dunker.
Auch Schüler beteiligen sich an den neuen Protesten gegen das Bildungssystem. "Wir wurden bisher mit unseren Forderungen komplett ignoriert", beklagte Paula Rauch, Schülerin am Französischen Gymnasium Berlin. "Wir sollen in maroden Schulgebäuden, großen Klassen mit überfrachteten Stundenplänen und überforderten Lehrern ordentlich lernen - das geht nicht", sagte die 17-Jährige.
Unterstützung bekamen Studenten und Schüler von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. "Wir brauchen eine Kehrtwende in der Bildungspolitik", betonte der GEW-Bundesvorsitzende Ulrich Thöne. Es fehlten 40 Milliarden Euro pro Jahr für den Bildungsbereich. Obwohl die Streiks vom Juni einige Reaktionen unter Politikern hervorgerufen hätten, sei zu wenig passiert.
Klaus Böhme, Vorsitzender des Fachbereichs für Bildung bei verdi, bestätigte: "Das Bildungssystem ist in seiner Gesamtheit desolat geblieben." Auch Politiker der Linken sowie der Piratenpartei kündigten ihre Unterstützung für den Protest der Jugendlichen an. (dpa/ddp)
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